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Geköpft oder lebendig verbrannt

In der Nacht vor dem 1. Mai – der Walpurgisnacht – treiben der Legende nach Hexen ihr Unwesen; Spirit wirft anlässlich dieser Nacht den Fokus auf die letzten Hexenprozesse im Appenzellerland – ein trauriges Geschichtskapitel.
Roger Fuchs

appenzellerland. Zwar führte der letzte Innerrhoder Hexenprozess im Jahre 1715 zu einem Freispruch, doch darf dieser nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hexenprozesse oftmals mit dem Tod endeten. Sie stellen deshalb ein düsteres Kapitel dar, welches in Europa im Spätmittelalter begonnen hatte. In Appenzell Innerrhoden setzte der Hexenwahn wie in anderen Gebieten des Alpenraums eher später ein und erfuhr seinen Höhepunkt um 1660. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurden gegen fünfzig Personen der Hexerei bezichtigt. Es sind etwa dreissig Fälle von Hexenhinrichtungen bekannt, wovon acht im Jahre 1661.

Aus der Zeit des ungeteilten Landes bis 1597 gibt es nur wenige Angaben. Vieles wurde entweder nicht aufgezeichnet, oder aber die Schriften wurden 1560 im grossen Brand von Appenzell vernichtet.

Auch Kinder getötet

Viele der Hexerei Beschuldigte erfahren den Tod durch das Schwert oder werden enthauptet und verbrannt. Die gesellschaftliche Fehlentwicklung mit den Hexenprozessen forderte in Innerrhoden auch Kinder als Opfer: 1648/49 wurden Maria und Magdalena Hauttli, zwei uneheliche minderjährige Kinder, beschuldigt, von ihrer Pflegemutter in die Hexerei eingeführt worden zu sein. Beide Mädchen werden enthauptet, aber auf vielerlei Wunsch hin nicht verbrannt, sondern begraben. Erwähnt sei auch Hans Gschwend, ein zehnjähriger Knabe, der angeblich wochenlang von Hexerei befallen war und 1661 mit dem Schwert gerichtet wird.

Probates Mittel, um Angeschuldigte zum Reden zu zwingen, war die Folter. Im Museum Appenzell (siehe Bild) sind Folter- und Strafwerkzeuge aus jener Zeit ausgestellt: Trülle (beweglicher Käfig), Steinklötze zum Anhängen, Fussfessel, Prügelbank, Rad mit Eisenkamm, Leiter zum Aufziehen sowie ein Richtschwert. Hinrichtungsort war der Galgenhang südlich oberhalb von Appenzell.

Protokolle mit Todesurteilen

Eindrückliches gibt es auch in Appenzell Ausserrhoden zu begutachten; im Staatsarchiv in Herisau lagern die Malefizprotokolle mit den entsprechenden Todesurteilen sowie einzelne Verhörakten zu den Hexenprozessen. Unter diesen Protokollen auch jenes, welches den Fall von Barbara Wetterin aus dem Jahre 1646 dokumentiert. Was für einen Laien kaum mehr leserlich ist, kann Staatsarchivar Peter Witschi nahezu problemlos entziffern. Die wegen Hexerei und mehrfachen Geschwistermordes angeklagte Barbara Wetterin wird lebendigen Leibes verbrannt. «Sy hat es dultig erliten», lautet der letzte Satz im entsprechenden Protokoll (siehe obiges Bild).

Der Ausserrhoder Richtplatz lag im «Gfeld» etwas ausserhalb von Trogen. Im alten Rathaus von Trogen (1598 bis 1841) waren vor dem Doppeleingang der Pranger, im ersten Obergeschoss der grosse und der kleine Ratssaal, im zweiten Obergeschoss die Wohnung des Landweibels und die Folterkammer, und im dritten Obergeschoss die Gefängnisse. Das alte Richtschwert im Obergerichtssaal in Trogen trägt die Jahreszahl 1733; mit ihm wurden 162 Personen enthauptet – nicht alle dieser Personen wurden der Hexerei bezichtigt.

Kirche hat mitgemischt

Erwähnt sei im Kontext des Hexenwahns auch die Rolle der Kirche. Als im April 1689 in Trogen drei Hexen mit Feuer und Schwert hingerichtet wurden, hielt Pfarrer Johannes Zollikofer kurz darauf eine Warnpredigt in der Kirche Herisau. Dabei zitierte er ein Bibelwort aus Jeremia: «Verflucht ist der, der das Werk des Herrn lässig tut und das Schwert da aufhält, Blut zu vergiessen, wo das Recht Blut fordert.» Zollikofer ging sogar so weit, dass er auch die Frage aufwarf, ob die Nachkommen der Unholdinnen am Leben bleiben dürfen. Die Predigt verfehlte ihre Wirkung nicht: Keine Woche nachdem sie gehalten wurde – je nach Quelle ist von zwei oder vier Tagen die Rede – erleidet die Tochter einer im April hingerichteten Hexe den Tod. Als letzte Hexe von Ausserrhoden in den Tod geführt wird 1690 Catharina Wetter von Teufen.

Mit der Zeit sind Kirchenvertreter entschieden gegen dieses Unwesen aufgetreten; vor allem nachdem sich gezeigt hatte, dass oftmals auch Unschuldige aus Missgunst angeklagt wurden.

Quellen Dem Text liegen folgende Quellen zugrunde: • Dissertation «Die Hexenprozesse und das Gerichtswesen im Lande Appenzell im 15. bis 17. Jahrhundert» von Emil Schiess, 1919, Trogen. • «Appenzeller Geschichte», herausgegeben von den Regierungen beider Appenzell, Band 2 und Band 3. • «Unser Innerrhoden», 2003, herausgegeben von der Landesschulkommission AI.

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