Geisterhand und Heinzel- männchen

Stück für Stück verpacke ich mein Hab und Gut in Kisten und Taschen, die ich – und ein paar fleissige Heinzelmännchen – wiederum in einen Anhänger verstauen. Zu meiner Überraschung findet mein ganzer Besitz locker darin Platz.

Ruth Frischknecht
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Bild: Ruth Frischknecht

Bild: Ruth Frischknecht

Stück für Stück verpacke ich mein Hab und Gut in Kisten und Taschen, die ich – und ein paar fleissige Heinzelmännchen – wiederum in einen Anhänger verstauen. Zu meiner Überraschung findet mein ganzer Besitz locker darin Platz. «Es wird wohl daran liegen, dass ich gründlich, ja schon fast radikal ausgemistet habe», denke ich, nicht ohne dabei ein wenig stolz auf mich zu sein. Gefühlt habe ich nämlich in meinem Leben einige Kubik mehr Krimskrams angehäuft.

Ballastlos fahren wir dann dem neuen Zuhause entgegen. Entladen den Anhänger, stapeln Kisten in der Wohnung, stellen Schränke und Regale auf. Als sich die Heinzelmännchen verabschieden, versuchen wir Ordnung zu schaffen und den – dank des Ausmistens jetzt nur noch wesentlichen Dingen – einen neuen Platz zu geben. Aber oha! Bei vielen Dingen frage ich mich ernsthaft, wie sie den Weg nach St. Gallen gefunden haben. Seit Jahren nicht mehr getragene Kleider, grottenschlechte Bücher, zerkratzte Gläser. Viel Unnötiges und noch viel mehr Nutzloses wurde in schweisstreibender Arbeit durch ein enges Treppenhaus hinauf in den dritten Stock geschleppt. Schnell füllen sich die Abfall- und Altkleidersäcke, und auch der Estrich ist bald vollgestellt. Ernüchterung macht sich langsam breit, denn auch nach einer zweiten Ausmistete hat noch nicht jedes unverzichtbare Ding seinen eigenen Platz.

Also wagen wir uns in ein Möbelgeschäft. Samstags. Neben quengelnden Kindern, missmutigen oder übermotivierten Remplern, streitenden Paaren und Wägeli, die ständig im Weg stehen, bahnen wir uns den Weg durch die Möbelausstellung. Währenddessen finden wir endlich ein neues Zuhause für die Bücher und für die Schuhe, für den Wein und für den Abfall. Alles wie geplant. Doch dann das grosse «Oha!» an der Kasse, und ich frage mich schon wieder, wie es Kerzen, wunderschöne Tassen und noch viel wunderschönere Servietten in die Einkaufstasche geschafft haben. Es wird wohl jene Geisterhand gewesen sein, die schon meine Umzugskartons gepackt hat.

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