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Gegen E-Bike geprallt: Autofahrerin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Das Innerrhoder Bezirksgericht hat am Dienstag eine 59-jährige Autolenkerin zu einer bedingten Strafe verurteilt, weil sie im August 2015 gegen eine 68-jährige Velofahrerin geprallt war. Das Opfer verstarb im Spital.
Margrith Widmer
Die E-Bike-Fahrerin verstarb trotz Helm. (TAGBLATT)

Die E-Bike-Fahrerin verstarb trotz Helm. (TAGBLATT)

Das kann jeder Autofahrerin, jedem Autofahrer zustossen: Man blickt kurz in die Landschaft - und schon kracht’s. Genau dies geschah einer Frau aus Appenzell an jenem Morgen des 20. Augusts vor bald vier Jahren: Sie fuhr auf der Weissbadstrasse nach Steinegg, schaute einen Augenblick in die Landschaft - und prallte gegen eine Velofahrerin.

Die Frau auf dem E-Bike wollte nach links abbiegen, um zum Schwimmbad Forren zu gelangen, blickte zurück, gab Handzeichen, stiess gegen die Windschutzscheibe, wurde übers Auto und aufs Trottoir geschleudert. Sie starb im Kantonsspital St. Gallen. Die Bike-Lenkerin trug einen Helm; sie erlitt trotzdem einen Schädelbruch. Der Unfall ereignete sich auf Höhe Weissbadstrasse 44.

«Einfach nicht gesehen»

Sie sei langsam gefahren, habe keine Eile gehabt; sie habe die Velofahrerin ganz einfach nicht gesehen, sagte die Autolenkerin vor Gericht. Sie war von der Staatsanwaltschaft per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu zehn Franken verurteilt worden und hatte dagegen Beschwerde erhoben. Deshalb kam es zum Prozess.

Die Strasse sei leer gewesen, die Autolenkerin sei nicht geblendet worden; es gebe keine Einbieger auf der rechten Strassenseite. Ob die Velofahrerin auf einen Velo- oder Wanderweg habe einbiegen wollen, sei irrelevant, so der Staatsanwalt. Die Autolenkerin habe die Sorgfaltspflicht missachtet, sie sei auf der übersichtlichen Strecke pflichtwidrig unvorsichtig gefahren; es gebe kein Selbstverschulden des Opfers. Er forderte eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 30 Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Freispruch verlangt

Der Verteidiger der Autolenkerin plädierte auf Freispruch unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staats. Die Leichtmotorfahrrad-Lenkerin habe in der Nacht zuvor eine Schlaftablette eingenommen, weil sie nicht schlafen konnte: Dormicum, Roche, mit dem Wirkstoff Midazolam, aus der Gruppe der Benzodiazepine - ein Medikament, das die Leistungsfähigkeit im Verkehr oder beim Bedienen von Maschinen beeinträchtigen kann. Das Dormicum im Blut wurde im Institut für Rechtsmedizin festgestellt.

Die 68-Jährige sei eingebogen, als sie es nicht mehr hätte tun dürfen, so der Verteidiger. Seine Mandantin könne sich nicht mehr erinnern und sei immer noch schwer traumatisiert. Sie sei in dieser Situation absolut chancenlos gewesen. Die Staatsanwaltschaft habe die Einnahme des Schlafmittels ignoriert. Er plädierte für ein Urteil „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten). Es bestünden erhebliche Zweifel am Verschulden.

In seiner Replik konterte der Staatsanwalt, es sei nicht relevant, ob die Velolenkerin Handzeichen gegeben habe oder nicht; in der Duplik bekräftigte der Verteidiger, die Autofahrerin hab das Velo schlicht nicht gesehen.

Schuldspruch

Das Bezirksgericht sprach die Autofahrerin der fahrlässigen Tötung schuldig und verurteilte sie zu einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu zehn Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Damit ging das Gericht unter die Anträge der Anklage. Ihr Fahrzeug wird ihr herausgegeben. Die Verfahrenskosten, bestehend aus einer ermässigten Gerichtsgebühr von 1200 Franken, Gerichts- und Untersuchungskosten, von total 8325.80 gehen zu Lasten der Verurteilten.

Die Strasse sei übersichtlich mit einer leichten Rechtskurve und einem Zaun - sonst nichts, keine Hecke, kein Baum, sagte der Gerichtspräsident in seiner mündlichen Urteilsbegründung. Dass die Velofahrerin Dormicum im Blut gehabt habe, sei irrelevant. Mindestens sechs Sekunden lang müsste die Autolenkerin das Velo gesehen haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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