Gegen die Volksschulinitiative

Ein Bürger hat die Initiative «Für eine starke Volksschule» eingereicht. Die Innerrhoder Standeskommission empfiehlt dem Grossen Rat, diese abzulehnen. Die Initiative, die den Lehrplan 21 bodigen will, soll ohne Gegenvorschlag vor die Landsgemeinde kommen.

Roger Fuchs
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Roland Inauen Innerrhoder Landammann und Erziehungsdirektor (Bild: apz)

Roland Inauen Innerrhoder Landammann und Erziehungsdirektor (Bild: apz)

APPENZELL. Paul Bannwart aus Appenzell Steinegg will, dass der Lehrplan 21 nicht eingeführt wird. Um diesem Ziel näherzukommen, hat er eine Einzelinitiative unter dem Titel «Für eine starke Volksschule» eingereicht. Sie verlangt Anpassungen im heutigen Schulgesetz. Ende November debattiert der Grosse Rat über die Initiative. Die Standeskommission empfiehlt, diese im ablehnenden Sinn und ohne Gegenvorschlag vor die Landsgemeinde 2016 zu bringen.

Zuständigkeit steht zur Debatte

Die Initiative von Paul Bannwart umfasst im wesentlichen drei Punkte. Ein neuer Artikel im Schulgesetz soll festlegen, dass der Schulunterricht grundsätzlich in Jahrgangsklassen erfolgt. Im Artikel zu den Lehrplänen will Bannwart eine detaillierte Auflistung der Fächer, die in Kindergarten, Primarschule und Oberstufe unterrichtet werden sollen. Schliesslich verlangt er, dass die Lehrpläne durch den Grossen Rat festgelegt werden und dem fakultativen Referendum unterstehen. Insbesondere der letzte Punkt bereitet der Innerrhoder Standeskommission Bauchweh. Gemäss Landammann und Erziehungsdirektor Roland Inauen obliegt der Erlass der Lehrpläne heute der Landesschulkommission. «Wir wollen die Lehrpläne weiterhin bei diesem Fachgremium angesiedelt haben», sagt Inauen. Noch nie hätte dies zu Schwierigkeiten geführt, und es gäbe keinen Grund, die Lehrpläne auf die politische Ebene zu hieven. Ansonsten müsste, da auch die Stundentafeln zum Lehrplan gehören, beispielsweise über jede Änderung des Freifachangebots der Grosse Rat entscheiden. Allein schon aus Gründen der Effizienz und der Ökonomie sei dies abzulehnen.

Der Hauptgrund, weshalb Paul Bannwart die Lehrpläne dem Grossen Rat unterstellen will, ist der Lehrplan 21. Würde Bannwarts Initiative gutgeheissen, würde dies auch bedeuten, dass dann der Grosse Rat für den Lehrplan 21 zuständig ist. Via Referendum könnte dieser schliesslich vor die Landsgemeinde gebracht werden.

Pro und Kontra Lehrplan 21

Inauen selbst kann voll und ganz hinter dem Lehrplan 21 stehen. Erstmals bekämen alle Deutschschweizer Kantone die Chance für einen gemeinsamen Lehrplan. Gleichzeitig lasse dieser den Kantonen weiterhin eine grosse Autonomie.

Paul Bannwart hingegen ist der Lehrplan 21 ein Dorn im Auge. Er wünscht sich weiterhin Jahrgangsklassen, in denen die Lehrpersonen den Schülern den Stoff erklären. Selbstgesteuertes Lernen in sogenannten Lernlandschaften überfordere viele Kinder, begründet er seine Initiative. Ausserdem will er statt wie im Lehrplan 21 die Erwähnung von Fachbereichen und Kompetenzen weiterhin klare Fächer und Jahresziele festgeschrieben haben. Landammann Roland Inauen kontert: Schon im heutigen Lehrplan seien die Fächer Geschichte, Geographie, Natur und Technik, Bibelkunde und Religionsunterricht zum Fachbereich «Mensch und Umwelt» zusammengefasst. «Die Forderung des Initianten wäre ein klarer Rückschritt», sagt Inauen.

Erwähnenswert ist des weiteren eine Aussage von Paul Bannwart, wonach der Lehrplan 21 gegen einen Volksentscheid aus dem Jahr 2008 verstossen würde. An der damaligen Innerrhoder Landsgemeinde wurden zwei obligatorische Kindergartenjahre abgelehnt. Gemäss Roland Inauen bleibt auch mit dem Lehrplan 21 nur das zweite Kindergartenjahr obligatorisch, das erste sei freiwillig. Die Aussage, der Lehrplan 21 verstosse gegen den Volksentscheid, weist Inauen zurück.

Der weitere Fahrplan

Gemäss Planungen soll der Lehrplan 21 in Innerrhoden auf das Schuljahr 2018/19 eingeführt werden. Die dazugehörigen Lehrmittel werden derzeit erarbeitet. Kommt der Lehrplan 21 in Innerrhoden nicht, ist gemäss Inauen anzunehmen, dass man trotzdem auf die neuen Lehrmittel setzen wird. Eigene Lehrmittel zu erarbeiten sei zu teuer.