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Gefühlsstürme entfesselt

In seinem ersten grossen Konzert nach dem Jubiläumsjahr mit dem Titel «Right from New York» zeigte sich das Jugendorchester il mosaico in bester Form. Die junge Solistin Chiara Enderle setzte der Aufführung weitere Glanzlichter auf.
Peter Küpfer
Glücksgefühle beim Schlussapplaus: «Es war ein Erlebnis.» (Bilder: Peter Küpfer)

Glücksgefühle beim Schlussapplaus: «Es war ein Erlebnis.» (Bilder: Peter Küpfer)

WATTWIL. Das Programm hatte es in sich. Mit William Grant Stills erster Symphonie, der «afro-amerikanischen», wurde ein eher selten gehörter moderner Klassiker aufgeführt. Dessen vielbeachtete Uraufführung 1930 wurde für die amerikanische Orchestermusik wegweisend. Dvoráks Konzert h-Moll für Violoncello und Orchester (op. 104) galt und gilt vielen Musikbegeisterten als das Cellokonzert überhaupt.

Dazu stimmte auch der Rahmen: Das faszinierende Programm erklang in der evangelischen Kirche in Wattwil ganz besonders eindrücklich. Vor zwei Wochen wurde es in der Tonhalle Wil gespielt und gelangte am Sonntag auch in die Tonhalle St. Gallen. Am 1. Mai ist es in der evangelischen Kirche Rapperswil zu hören, in der ersten Mai-Woche gastiert das Ensemble damit im französischen Romans-sur-Isère und in Valence.

Hymnische Eröffnung

Bereits die Eröffnung des Konzertes mit Beethovens Egmont-Ouverture zeigte alle Qualitäten, über welche das Toggenburger Jugendorchester verfügt. Denn Beethovens «Programmstück» der musikalischen Romantik zieht ja alle Register: Von verhaltener Trauer, auch Schrecken über den in Goethes Trauerspiel «unvermeidlichen» Tod des niederländischen Freiheitskämpfers bis hin zum musikalisch triumphierenden Aufstand der Freiheitsidee selbst.

Das Jugendensemble meisterte das musikalische Wechselbad zwischen choralartigen Pianissimo-Klängen im austarierten Dialog von Bläsern und Streichern bis hin zu den entfesselten Tutti in der abschliessenden Hymne an die Freiheit. Spielend.

Classics meet Blues

In seiner grossangelegten «Afro-amerikanischen Symphonie» erweist William Grant Still schon 1930 einer der wichtigen Wurzeln der amerikanischen Musik ihre Referenz, der afrikanischen. Dabei mischt er Elemente des Blues, des Spirituals sowie des Ragtime und Jazz mit traditionellen Formen klassischer Musik. Es entsteht ein mehrschichtiger, faszinierender Klangkörper, dem die jugendlichen Musikerinnen und Musiker mit Sensibilität, Dynamik und hörbarer Freude an den dadurch hervorgerufenen Spannungen und Effekten nachgehen. Nicht umsonst wurde das Orchester durch mehr Bläser, Perkussionisten sowie ein Banjo, eine Harfe und die himmlischen Glockentöne der Celesta ergänzt. Die dadurch erzielten Akzente schafften, vor dem Klangteppich der traditionellen Instrumentengruppen, abwechselnd Weite und Nähe: Weite unendlicher Räume und Landschaften und Nähe, welche entsteht, wenn sich Gemeinschaften gegen gemeinsam Erduldetes auch gemeinsam zur Wehr setzen, und sei es zunächst einmal nur emotional und musikalisch.

Entfesseltes Cello

Antonin Dvorák komponierte sein Cellokonzert während seines Aufenthalts in New York, wo er drei Jahre lang Direktor des Konservatoriums war. Stärker als die zuvor entstandene 9. Symphonie ist Dvoráks 1895 uraufgeführtes op. 104 eine weitere Hymne an seine böhmische Heimat. Es trägt aber auch Spuren eigenen Schmerzes über den Verlust eines ihm lieben Menschen.

Dabei spürt man auch dieser Musik an, dass sie «aus der Ferne» und unter ihrem Einfluss entstanden ist. Die junge, bereits mehrfach ausgezeichnete Cellistin Chiara Enderle verlieh dem Werk durch ihr leidenschaftliches Spiel seinen ganzen Tiefgang und Glanz. Der manchmal verhaltenen, dann auch wieder auflodernden Emotionalität dieser Musik zeigte sich das Orchester derart gewachsen, so dass es nicht nur zu spannenden Dialogen der Instrumentengruppen und ihren Solisten unter sich kam, sondern immer wieder auch mit dem entfesselten Cello. Orchester und Solistin wirkten so zu einem weiteren musikalischen, schönen Erlebnis zusammen, wozu gerade auch die Bläser und die stimmführenden ersten Violinen (Cinzia Caracciolo und Chiara Wyss) durch ihr seelenvolles Spiel beitrugen. Es galt wohl für alle jugendlichen Musikerinnen und Musiker, was Chiara Wyss am Ende des Konzertes ausdrückte: «Es war für uns eine strenge Zeit, aber es ist halt schon ein Erlebnis, wenn man da mit dabei sein darf.»

Das Konzert wird in der evangelischen Kirche in Rapperswil am Sonntag, 1. Mai, noch einmal aufgeführt. Beginn des Anlasses ist um 19 Uhr.

Mit dem Instrument verwachsen: Solistin Chiara Enderle. (Bild: alttoggenburger)

Mit dem Instrument verwachsen: Solistin Chiara Enderle. (Bild: alttoggenburger)

Alles geben: Blick in die Reihen der Musizierenden. (Bild: alttoggenburger)

Alles geben: Blick in die Reihen der Musizierenden. (Bild: alttoggenburger)

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