Landeschroniken
Geflüchtete im Appenzellerland: Die neue Ausgabe des Appenzellischen Jahrbuchs ist erschienen

Das diesjährige Appenzellische Jahrbuch beleuchtet die Geschichte des Kinderdorfs Pestalozzi. Die Autorinnen und Autoren erzählen auch einen Teil der Geschichte von geflüchteten oder vertriebenen und im Appenzellerland gelandeten Menschen nach.

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Illustrator Werner Meier hat den Umschlag des Jahrbuchs bereits zum zehnten Mal gestaltet.

Illustrator Werner Meier hat den Umschlag des Jahrbuchs bereits zum zehnten Mal gestaltet.

Bild: PD

(sri) Vor 75 Jahren wurde das Kinderdorf Pestalozzi gegründet. Die Redaktion des kürzlich erschienenen Jahrbuchs 2021 der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft hat dieses Ereignis zum Anlass genommen, nicht nur die wechselvolle Geschichte und die gegenwärtige Umbruchsphase dieser heute weltweit tätigen Institution zu beleuchten.

Mit Fokus auf die vergangenen 75 bis 80 Jahre spürten die Autorinnen und Autoren im thematischen Buchteil Geschichten von geflüchteten oder vertriebenen und im Appenzellerland gelandeten Menschen nach. Den Auftakt bildet die wenig bekannte Geschichte der während des Zweiten Weltkriegs in Kurhäusern, Heimen oder leerstehenden Textilfabriken untergebrachten Flüchtlinge.

Anschliessend kommen ein Dutzend Geflüchtete zu Wort, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten hierzulande eine neue Heimat oder wenigstens einen sicheren Ort gefunden haben und längst oder jüngst Teil der hiesigen Gesellschaft geworden sind.

Die zwiespältige Haltung der Schweiz

Dass Europa und damit auch die Schweiz gegenüber Flüchtenden eine zwiespältige Haltung einnimmt, wird in einem weiteren Beitrag deutlich: Einerseits wird die Bereitschaft betont, Menschen in Not, «echte» Flüchtlinge, aufzunehmen, anderseits wird diesen aber die Einreise in den Schengenraum so weit als möglich erschwert oder verunmöglicht. Viele wählen deshalb gefährliche Fluchtrouten.

Fabio Zgraggen, Mitgründer der Humanitarian Pilots Initiative mit Sitz in Rehetobel, kennt die dramatische Lage an der EU-Aussengrenze genau. Im Interview schildert er, wie seine Organisation mit ihren zwei Suchflugzeugen über dem Mittelmeer operiert und Rettungsschiffe alarmiert, wenn sie Bote in Seenot entdeckt.

Die langjährige Sammlung online verfügbar

Mit dem Schwerpunkttehema Geflüchtet setzt das Jahrbuch eine Tradition fort: Es stellt einerseits historische Vorgänge und Entwicklungen dar, beschreibt anderseits aber auch die aktuelle Situation. So ist ein jährlich weiterwachsendes Nachschlagewerk entstanden, auf das man jederzeit im Internet zugreifen kann. Dort sind alle Ausgaben der Jahrbücher seit 1854 versammelt – eine hilfreiche Quelle bei Recherchen zu appenzellischen Themen. Besonders nützlich sind dabei auch die Kantons-, Landes- und Gemeindechroniken sowie Nachrufe auf verstorbene Persönlichkeiten aus beiden Appenzell. Diese sind auch Bestandteile des aktuellen Jahrbuchs, welches erstmals in Appenzeller Verlag erschienen ist.

Letztmals im Team mitgewirkt haben die beiden langjährigen Chronisten Jürg Bühler, der insgesamt 38 Ausserrhoder Landeschroniken verfasste, und René Bieri, der 29 Jahre lang die Ereignisse in den Hinterländer Gemeinden festhielt. Eine äusserst wertvolle Arbeit im Dienste der Appenzeller Geschichtsschreibung.

Am Samstag, 27. November, 9.30 Uhr, findet im Saal des Hotels Krone in Gais die Jahresversammlung der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft statt. Zum nichtstatutarischen Teil der Versammlung ab 11.15 Uhr sind auch Gäste willkommen. Die Jahrbuchverantwortlichen Heidi Eisenhut und Hanspeter Spörri führen mit drei Gästen ein Gespräch zum aktuellen Jahrbuch. Mit dem 2015 aus Syrien geflüchteten Ahmad Suleiyman, mit Fabio Zgraggen, dem Gründer der Humanitarian Pilots Initiative, und mit dem Künstler und Illustrator Werner Meier, der zum zehnten Mal den Umschlag des Jahrbuchs gestaltet hat.