Geburtshelfer der Hymne

Zurzeit kann die Schweizer Bevölkerung über eine neue Nationalhymne abstimmen. Sechs Versionen stehen zur Auswahl. Jakob Freund sass in der Jury, die die Vorschläge prüfte.

Karin Erni
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«Das Auswahlverfahren erfolgte rein virtuell am Computer», sagt Juror Jakob Freund. (Bild: ker)

«Das Auswahlverfahren erfolgte rein virtuell am Computer», sagt Juror Jakob Freund. (Bild: ker)

BÜHLER. Als Jakob Freund vor zwei Jahren angefragt wurde, ob er in der Jury für die neue Landeshymne mitarbeiten würde, musste er nicht lange überlegen. «Ich sagte gerne zu, denn es ist mir wichtig, dass der volkstümliche Aspekt im Wettbewerb Eingang findet», so der ehemalige Präsident des Verbandes Schweizer Volksmusik. «Und wer mitreden will, muss auch mitmachen.» Die rund 30 Mitglieder zählende, ehrenamtliche Jury setzt sich aus Vertretern von Sportverbänden sowie Sachverständigen aus den Bereichen Musik und Text zusammen.

Sinn der neuen Hymne

Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG), die unter anderem das Rütli verwaltet, will mit dem neuen Hymnentext die Diskussion um Werte und Staatsverständnis der Schweiz anregen und gemäss eigenen Angaben «die Präambel der Verfassung, die quasi das Leitbild der modernen Schweiz bildet, populärer machen.»

Nur neuer Text

Der Wettbewerb bietet die Möglichkeit, sowohl den Text als auch die Melodie der bestehenden Nationalhymne zu ändern. Die Melodie müsse seiner Meinung nach erhalten bleiben, so Jakob Freund, denn sie sei «meh weder schö» und eigne sich sowohl für fröhliche wie auch für traurige Anlässe. «Die Hymne muss gleichsam beim Gewinn einer Goldmedaille passen wie bei einem Staatsbegräbnis.» Freund ist der Meinung, dass eine Strophe reiche. «Mehr braucht es gar nicht.» Der Text müsse für jedermann verständlich und leicht zu lernen sein.

Bevölkerung kann voten

Über 200 Vorschläge sind nach dem Aufruf der SGG eingegangen. Eine Vorjury hat aus diesen Beiträgen 30 herausgefiltert. Diese wurden der Jury als Text- und Notenblatt, bei veränderten Melodien mit einer zusätzlichen Tonaufnahme online aufgeschaltet. Jakob Freund konnte sie am PC anhören und den einzelnen Beiträgen Punkte verteilen. Für diejenigen, die mehr als eine Strophe enthielten oder die Melodie geändert hatten gab's nur die Minimalpunktzahl. Zudem durfte er vier persönliche Favoriten nennen. Rund zwei Tage habe er in die Auswahlarbeit investiert, sagt Freund. Er freut sich, dass sich nun auch einer seiner Favoriten in der engeren Auswahl befindet. Wer das Lied geschrieben hat, weiss er indes nicht, denn die Beiträge bleiben bis zur Entscheidung anonym.

Von sechs auf drei

Noch bis am 15. Mai sind die sechs Beiträge zur Online-Wahl aufgeschaltet. Die von einem Chor gesungenen Stücke können in allen vier Landessprachen angehört werden. Der erste Wahldurchgang kürt die drei Finalisten. Diese gelangen von Juni bis September in das Online-Finale-Voting. Am 12. September 2015 kann die Bevölkerung von 18.10 bis 19.15 Uhr in der TV-Sendung «Potzmusig» auf SRF 1 das Finale verfolgen und per SMS den Siegerbeitrag küren. Die Autorinnen und Autoren der Wettbewerbsbeiträge werden im Anschluss an die Wahl verkündet.