Gebrüder Bühler bringen den Triathlon ins Vorderland

Sie wollen es ganz nach vorne schaffen. Sie träumen von Olympia. Und dafür trainieren sie hart. Jürg und Ueli Bühler laufen, schwimmen und fahren Rennrad – an der Spitze des Schweizer Nachwuchses.

Guido Berlinger-Bolt
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Lutzenberg. Die Wochen von Jürg und Ueli Bühler beginnen montags jeweils um halb sechs Uhr. So früh machen sie sich auf den Weg ins Hallenbad von Balgach, wo sie ihre erste Trainingseinheit absolvieren. Schwimmen um 6 Uhr. «Die Trainings, bei denen wir mit einem Trainer zusammenarbeiten, machen wir gemeinsam», sagt der jüngere der beiden Brüder, Ueli. Daneben gebe es viele individuelle Einheiten auf dem Rennvelo, im Bad, auf der Laufstrecke: Triathlon. Ueli Bühler ist 18, Jürg 20 Jahre alt; vor zwei Jahren zogen sie mit ihren Eltern von Thal nach Lutzenberg. Der Wohnung wegen, sagt die Mutter, Vreni Bühler. Ihre sportlichen Söhne geniessen die neue Heimat, geniessen die Ruhe und die Aussicht von der Terrasse aus.

Eindrückliche Erfolge

Das Palmarès der beiden jungen Athleten ist beeindruckend. Ueli war 2009 und 2010 Jugend-Schweizer-Meister sowohl im Triathlon wie letztes Jahr auch im Duathlon; dazu kommen insbesondere in diesen letzten beiden Jahren ausgezeichnete Topklassierungen.

Auch wer mit Jürg spricht, hat einen Schweizer Meister vor sich – den der Kategorie Junioren. An der Junioren-Europameisterschaft im irischen Athlone belegte er letztes Jahr den 7. Platz, an der Junioren-Weltmeisterschaften in Budapest den 19.; 2009 war Jürg 2. in der Junioren-Europacup-Gesamtwertung; seit drei Jahren kann er regelmässige Topklassierungen auf europäischem Niveau vorweisen. Dennoch sagt der Vater: «Das Eis ist dünn.» Und meint damit: «Bei beiden muss in den nächsten Jahren sehr vieles zusammenpassen.» Röbi Bühler, selber Hobby-Triathlet und früher OL-Läufer, trainiert auch heute noch manchmal mit seinen Söhnen, berät sie ab und an – die drei machen den Eindruck eines sehr guten Teams, fast einer eingeschworenen Gemeinschaft. «Es gibt in der Schweiz», sagt Röbi, «wenige Stellen, die man für Sportunterstützung anfragen kann; da sind wenig Mittel im Sportsponsoring. – Dennoch kann man sich auf dem Weg an die Spitze keine halben Sachen leisten.» – Ein Rat, den sich Ueli und Jürg offensichtlich sehr zu Herzen genommen haben.

«Brutal hohe Limiten»

Ueli will diesen Sommer die Junioren-EM-Qualifikation schaffen. «Obwohl die Limiten brutal hoch sind», sagt er. Obwohl – oder gerade weil! Auch sein älterer Bruder weiss, dass er vor einer schwierigen Saison steht: Es ist die erste, in der er auf der doppelt so langen olympischen Distanz mittut – eine Umstellung, die vielen seiner Konkurrenten Mühe bereitet. Wie wird Jürg damit zurechtkommen? Indem er sich nicht aus dem Konzept bringen lässt: Jürg Bühlers grosser Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Dafür trainiert er wie auch sein Bruder 14 Stunden in der Woche, dafür stehen beide so oft morgens um halb sechs Uhr auf, fahren zum Training nach Balgach, Dornbirn oder nach Greifensee. Daselbst fanden sie mit Urs Ritter einen Trainer, der sie optimal betreut; in der dortigen Trainingsgemeinschaft (TG Hütten) fühlen sie sich wohl, können sich entfalten, werden sie unterstützt.

Aber natürlich ist der Sport nicht das einzige im Leben des 18-Jährigen und des 20-Jährigen. Ueli ist im zweiten Jahr seiner Lehre als Anlagen- und Apparatebauer in Goldach; Jürg steht kurz vor der Lehrabschlussprüfung – während vier Jahren liess er sich bei Stadler Rail in Altenrhein zum Konstrukteur ausbilden. Den Arbeitsweg bewältigen sie selbstverständlich – mit dem Rad.

Lutzenberger Topographie nutzen

Seit 2009 wohnt die Familie Bühler in Lutzenberg. Und (nicht nur) den Söhnen gefällt's: «Wir profitieren von der hügeligen Topographie», sagt Jürg. Für Fahrradtrainings sei die Abwechslung zwischen Rheintal und Appenzellerland sehr gut. Beide nutzen zudem regelmässig den Fussballplatz des Dorfs für Lauftrainings. Im örtlichen Fitnesscenter dürfen sie gratis ein- und ausgehen. «Das ist vor allem dann eine tolle Ergänzung zum Training, wenn es draussen kalt ist», so Ueli. Kaum hierher gezogen, erhielten sie von der Gemeinde Lutzenberg eine Glückwunschkarte für die guten Resultate. So fühlen sie sich denn hier, überhaupt in Appenzell Ausserrhoden, willkommen, wertgeschätzt. Röbi ergänzt: «Hier im Ort herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre.» Die Söhne bestätigen dies.

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