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Geändert hat sich nichts

Brosmete
Stephanie Sonderegger

«Meine Hand soll ich waschen? Ganz sicher nicht!», verteidigte ich mich lautstark vor meinen Eltern. Ich war 14 Jahre alt, stark pubertierend und heillos in Paddy Kelly verliebt. Richtig, das ist der mit den langen Haaren. Der, der die Radios mit «An Angel» in den 90er Jahren zum Erglühen brachte und reihenweise Mädchen in Ohnmacht versetzte. Eben dieser gut aussehende junge Mann hatte meine Hand für eine Hundertstelsekunde berührt.

Sechzehn Jahre später stehe ich wieder im Hallenstadion. Nervös wippe ich mit meinem Fuss. Es sind die letzten Sekunden vor dem Auftritt der «Kelly Family». Meine Anspannung ist gross, mein Bier fast leer. Mein Vater grinst. Viel hat sich nicht verändert. Meine Nervosität ist geblieben, seine innere Ruhe auch. Statt Cola ist nun Alkohol in meinem Becher, statt erste Reihe sitzen wir auf den oberen Rängen. Zwanzig Jahre sind vergangen und jünger werden wir bekanntlich alle nicht. Und da sind sie endlich – die ersten Takte unter tobendem Applaus. Zack. Ich fühle mich wieder wie 14. Ich quieke vor lauter Aufregung wie ein kleines Schweinchen. Meine Haut wellt sich zu Gänsehaut, meine Augen füllen sich mit Tränen. «Nur nicht durchdrehen jetzt», versuche ich mich zu beruhigen, während ich Zeile für Zeile mitbrülle. Ein Dank an meine Mutter, die jeden Kelly-Song stundenweise in einer Schleife hören musste. Es hat die Wirkung nicht verfehlt. Ich kenne die Songtexte besser als meine eigene Handynummer.

Nach zweieinhalb Stunden ist der Spuk vorbei. Das Bier ist leer, mein Herz voll. Einen Handschlag von meinem Liebling hat es nicht gegeben. Paddy Kelly ist nicht mehr mit seinen Geschwistern unterwegs. Sehen werde ich ihn trotzdem: Die Karten für sein Konzert im Mai sind gekauft. Mein Vater grinst. «Hände waschen ist im Ticketpreis inklusive.» Verstanden.

Stephanie Sonderegger

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