Gasversorgung im Toggenburg gesichert

TOGGENBURG. Trotz der Krise zwischen Russland und der Ukraine wird das Toggenburg weiterhin mit Erdgas versorgt. Zum einen, weil nur ein Fünftel des in der Schweiz genutzten Erdgases aus Russland stammt. Zum anderen, weil es alternative Transportwege gibt.

Sabine Schmid
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Roland Küng von der Säntis Energie AG montiert in einem Haus einen Smart-Meter. (Bild: pd)

Roland Küng von der Säntis Energie AG montiert in einem Haus einen Smart-Meter. (Bild: pd)

Die Angst, dass Russland den Gashahn zudreht und deshalb die Toggenburger, welche Erdgas als Heizstoff nutzen, im Kalten sitzen, ist unbegründet. Einerseits stammen nur rund 20 Prozent des in der Schweiz verteilten Erdgases aus Russland. Andererseits habe Russland hohe wirtschaftliche Interessen am Export von Erdgas, erklärt Marc Zysset, Geschäftsführer der Säntis Energie AG. Doch nicht nur das: «Uns ist die Versorgungssicherheit unserer Kunden sehr wichtig», betont er weiter. Sein Unternehmen versorgt zahlreiche Haushalte und Geschäftshäuser im Toggenburg mit Erdgas zur Wärmeerzeugung.

Pipeline durch die Ostsee

Russland und die Ukraine hätten sich, was die Durchflussrechte des Erdgases angeht, geeinigt, erklärt Marc Zysset die momentane politische Lage. Er weist darauf hin, dass nur rund 20 Prozent des von der Säntis Energie gelieferten Energieträgers ursprünglich aus Russland stammt. Nach der letzten Ukraine-Krise, in welcher das Land am Ural vom Erdgasproduzenten Russland plötzlich viel mehr Geld für die Durchflussrechte verlangte, hätte Russland gehandelt. Seit kurzem führt eine Pipeline durch die Ostsee, die sogenannte «Nord Stream». Diese hat eine unglaubliche Transportkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Dies erlaubt dem Land, den Rohstoff unabhängig von anderen Staaten in den lukrativen und zahlungsfähigen Westen zu transportieren und diesen zu marktfähigen Preisen anzubieten. Der Geschäftsführer der Säntis Energie AG weist aber darauf hin, dass kein Abnehmer in der Schweiz direkt mit russischen Erdgasunternehmen verhandelt. «Die Schweiz bezieht ihren ganzen Bedarf aus umliegenden Ländern in Westeuropa. Bevor also bei uns das Gas ausgehen würde, würde es in anderen Ländern kritisch.» Die Rolle der Schweiz ist auf dem europäischen Gasmarkt auch eher eine untergeordnete, bezieht doch die gesamte Schweiz gerade mal soviel Gas wie die Stadt Hamburg (0,7 Prozent von Europa).

Eine Verknappung der europäischen Gasmengen würde sich zudem auf den Preis auswirken. Auch davon ist nichts zu spüren. So wie die Lage derzeit ausschaut, wird Säntis Energie die Gaspreise auf Anfang 2015 noch weiter senken können.

Gas per Schiff transportieren

Marc Zysset erklärt, dass Gas heute nicht nur in unterirdischen Leitungen, sondern zunehmend auch verflüssigt, in speziellen Tankern auf den Meeren transportiert wird. «Das Gas wird auf rund -160°C abgekühlt, auf diese Weise verflüssigt und dann vom Herkunftsland an einen Hafen in Spanien, Frankreich, Italien oder Belgien gebracht, wo es wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht und mit einer Pipeline weiter bis zu den Kunden transportiert wird.» Dabei werden riesige Mengen an Brennstoff transportiert. Geht man von einem jährlichen Wärmeenergieverbrauch im Toggenburg von 200 Gigawattstunden aus, könnte mit einem einzigen solchen Tanker das Toggenburg während 7,5 Jahren mit Energie versorgt werden.

Biogas reduziert Abhängigkeit

Säntis Energie setzt immer mehr auf erneuerbare Energieträger. Dabei spielt Biogas eine wichtige Rolle. Biogas, welches ausschliesslich aus Abfall- und Reststoffen gewonnen wird, reduziert die Abhängigkeit von gasfördernden Ländern weiter. Bis der ganze Gasbedarf durch Biogas gedeckt werden kann, ist es jedoch klar noch ein weiter Weg.

Plädoyer fürs Sparen

«Wir müssen uns bewusst sein, dass wir bei unserem hohen Energiebedarf immer von irgendjemandem abhängig sind. Dabei reicht das Spektrum von öl- oder gasfördernden Ländern für Heizöl, Benzin, Diesel oder Erdgas bis hin zu lokalen Anbietern von z. B. Holz», meint Marc Zysset. «Man kann daher sagen, es gibt nur eine richtige und auch völlig unabhängige Energie: die Energie, die man nicht braucht.»