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Mitten in der Coronakrise übernimmt die Gossauer Freihof AG die Bergbeiz Blattendürren in Urnäsch: «Wir wollen hier sesshaft werden»

In einer Zeit, in der viele Betriebe schliessen müssen, expandiert das Gossauer Gastrounternehmen Freihof AG. Es übernimmt die Bergwirtschaft Blattendürren in Urnäsch.

Karin Erni
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Das Blattendürren-Team bestehend aus Victor Ledergerber, Corina Gähwiler, Markus Hödlmoser und Tanja Fässler.

Das Blattendürren-Team bestehend aus Victor Ledergerber, Corina Gähwiler, Markus Hödlmoser und Tanja Fässler.

Bild: Karin Erni

«Mit diesem Ort verbinden mich Erinnerungen ans Militär», sagt Victor Ledergerber. In den 1990er-Jahren sei er mit seiner Truppe öfter in der Blattendürren einquartiert gewesen. «Damals wurde hier oben noch geschossen und sogar ein Panzerübungsplatz war geplant.» Heute präsentiert sich die Gegend ruhig. Die nebelfreie Lage zieht viele Winterwanderer und Schneeschuhläufer an. Der 64-Jährige leitet die Brauerei & Hofstube Freihof in Gossau. Als Quereinsteiger hat er vor acht Jahren vom Bankgeschäft in die Gastronomie gewechselt. «40 Jahre waren genug. Jetzt kann ich meine Berufung leben. Ich bin leidenschaftlich gerne Gastgeber.»

Spontane Idee umgesetzt

Vor drei Wochen habe er im Gebiet oberhalb Urnäsch eine Wanderung unternommen und sei an der geschlossenen Wirtschaft vorbeigekommen, erzählt Victor Ledergerber. «Das kann doch nicht sein!», sei ihm durch den Kopf geschossen. Von da an sei alles sehr schnell gegangen. «Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt und bin mit meinen Ideen auf offene Ohren gestossen.» Urs Jäger, der heutige Besitzer der Liegenschaft, sei froh über diese tragfähige Lösung. Ledergerber denkt in grösseren Zeiträumen. Ein offizielles Eröffnungsfest plant er im Frühsommer, wenn die Alp- und Wanderzeit losgeht. Er hofft, dass sich bis dann die ganze Coronasituation normalisiert hat. «Unser Ziel ist es, eine der besten Bergwirtschaften des Appenzellerlands zu werden.»

Bewährtes und Neues im Angebot

Sie hätten das Motto der langjährigen Gastgeberin Maja Jäger übernommen, sagt Victor Ledergerber.

«Nicht einfach etwas Gutes kochen, sondern das Einfache gut kochen.»

So wurden einige beliebte Klassiker, wie die Apfelnussgipfel und das Bergkräuterfondue von ihr übernommen. Nicht fehlen dürfen beliebte Appenzeller Spezialitäten wie Chäsmagronen oder Siedwurst sowie kalte Plättli mit verschiedenen Käse- oder Fleischsorten. Der Käse kommt aus der näheren Umgebung. Eine Anspielung auf alte Militärzeiten sind die Käseschnitten und die Götterspeise. Auf der Karte stehen auch Eigenkreationen wie ein Mostbröcklitatar oder das Kalbscordonbleu. Aber auch Freihof-Klassiker wie die Eglifilets im Bierteig werden serviert. Verantwortlich für das kulinarische Angebot ist Markus Hödlmoser, der mehrere Jahre im Hotel Säntis in Appenzell gearbeitet hat.

Synergien erleichtern die Planung

Der Vorteil der Zusammenarbeit der beiden Betriebe sei, das Personal besser einsetzen zu können, sagt Ledergerber. «Die Freihof AG beschäftigt 35 festangestellte Mitarbeitende. «Nun können wir einigen eine Alternative zur Kurzarbeit bieten.» Auch der Warenfluss lasse sich besser managen.

«Für eine Bergwirtschaft ist es eine grosse Herausforderung, die Mengen an Lebensmitteln richtig zu planen. Die Zusammenarbeit mit einem Betrieb, der sieben Tage pro Woche geöffnet ist, erleichtert dies erheblich.»

Die Bergwirtschaft Blattendürren ist von Freitag bis Sonntag, ab 10 Uhr morgens, geöffnet. Im Sommerhalbjahr will man täglich öffnen.

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