Ganz legal abseits der Piste

Mit dem Schlitten von Wildhaus nach Gams, diesen Weg nehmen Insider gerne unter die Kufen. Statt sich auf offiziell ausgeschilderten Schlittelpisten zu bewegen, wird dem Genuss auf selten befahrenen Wegen gefrönt. Bei schönem Wetter sind hier unzählige Schlittler unterwegs.

Adi Lippuner
Drucken
Teilen
Patrick aus Basel und Luzia aus Wildhaus sind vom Schlittenspass hell begeistert.

Patrick aus Basel und Luzia aus Wildhaus sind vom Schlittenspass hell begeistert.

WILDHAUS. Wer sich den Schlittelspass von Wildhaus nach Gams gönnen will, muss entweder zuerst einen Fussmarsch von gut knapp 3,5 Kilometern vom Zentrum in Kauf nehmen oder sich den Fahrplan des Skibusses, der bis zum Wendeplatz Schönenboden fährt, im Internet heraussuchen. Damit wird die Strecke um mehr als die Hälfte verkürzt. Dann noch eine gemütliche Wanderung via Brüggli bis zum Ebenboden und schon heisst es: Auf den Schlitten sitzen und geniessen. Die stiebende Fahrt geht in einer ersten Phase an der Letzi vorbei. Dann heisst es absteigen und eine kurze Wegstrecke zu Fuss bewältigen. Entschädigung für diese kleine Anstrengung ist die traumhafte Winterlandschaft und die unvergleichliche Ruhe.

Unterwegs auf dem Schlitten geht die Fahrt vorbei an einsam gelegenen Ställen. Ab und zu ist ein feines Glockengebimmel von den dort untergebrachten Tieren zu hören. Auch Spuren von Wildtieren sind am Wegrand zu sehen und der erste Ausblick Richtung Buchs lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten. Ein Bauer, der auf einem der abgelegenen Höfe lebt, ist damit beschäftigt, sein Auto vom Schnee zu befreien. «Heute sind sie die Erste, die ich auf dem Schlitten sehe», so seine Aussage am Samstagmittag. «Doch sobald es sich herumspricht, dass der Weg befahrbar ist, sind an schönen Wochenenden unzählige Schlittenfans unterwegs.»

Ungefährlicher Spass

Die kleine Gegensteigung ist bewältigt. Nach einem Rundblick über die verschneite Landschaft geht es wieder ein schönes Stück im Schuss bergab. Vorbei an unbewohnten Häusern und vor allem abseits aufgetretener Pfade unterwegs sein zu dürfen, ist ein unbeschreiblicher Genuss. Es geht in stiebender Fahrt hinein in den Wald. Da ist nichts anderes zu hören als das Geräusch der Kufen auf dem Schnee und da und dort der Ruf eines einzelnen Vogels. Die Waldpassage, obwohl auf einigen Teilstücken ziemlich steil, ist völlig ungefährlich zu befahren. Die Kurven sind leicht zu bewältigen, und wer seine Fahrt verlangsamen will, kann den am Rand oder in der Mitte liegenden Schnee gut als natürliches Bremsmaterial nutzen. Bei einem kurzen Halt ist ein fröhliches Jauchzen zu hören. Zwei junge Frauen sind sitzend auf einem Ski – ähnlich den in Grindelwald bekannten «Velogemel» – unterwegs. Sie flitzen durch die nächste Kurve und sind bereits aus dem Blickfeld verschwunden. Wer's gemächlicher schätzt, kann ab und zu einen kurzen Halt einschalten, den von den Bäumen fallenden Schnee beobachten und ganz einfach die Stille und die Natur geniessen. Noch einmal eine Schussfahrt, und dann wird der Schlitten jäh ausgebremst. Bei der Ausfahrt aus dem Wald, im Bereich Rotenberg, auf 884 Metern über Meer, ist «Schluss mit lustig». Der Asphalt kommt unter der Schneedecke zum Vorschein, und so ist nun wieder Winterwandern gefragt. Luzia aus Wildhaus und Patrick aus Basel haben sich am Samstagmittag den Schlittelgenuss gegönnt. Die beiden jungen Leute sind von der Schussfahrt durch den Wald hell begeistert. Selbst die Wanderung auf der Strasse ab dem Rotenberg kann die Freude am gelungenen Winterspass nicht trüben. «Es war ein unvergessliches Erlebnis, das werden wir uns ganz bestimmt noch öfter gönnen,» sind sich die zwei einig.

Einfache Ausrüstung

Um die Winterlandschaft in vollen Zügen zu geniessen, braucht es vor allem drei Dinge: Wintertaugliche, warme Bekleidung und gute, stabile Schuhe, einen Schlitten auf Kufen oder einen gut lenkbaren Bob und für unterwegs eine kleine Verpflegung, sei es heisser Tee aus der Thermoskanne oder eine Frucht. Wer hat, das Halbtaxabonnement nicht vergessen, denn damit kostet die Fahrt von Gams zurück nach Wildhaus nicht einmal vier Franken. Wer sich die Anfahrt mit dem Skibus von Wildhaus bis Schönenboden genehmigt, hat noch ein weiteres «Fränkli» zu berappen. Insgesamt liegen die Transportausgaben für diesen Winterspass also nicht einmal bei einem Fünfliber.

Der Skibus bringt die Schlittelfans bis zum Wendeplatz Schönenboden. (Bilder: Adi Lippuner)

Der Skibus bringt die Schlittelfans bis zum Wendeplatz Schönenboden. (Bilder: Adi Lippuner)

Petra Federer-Beutler mit Tochter Charlene auf dem Schlittelweg.

Petra Federer-Beutler mit Tochter Charlene auf dem Schlittelweg.

Abfahrt geniessen auf einem speziellen Sportgerät.

Abfahrt geniessen auf einem speziellen Sportgerät.

Aktuelle Nachrichten