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GANTERSCHWIL/ZÜRICH: "Es gibt zahlreiche Betrugsversuche im Sport"

Die Ansprüche an die Hersteller von Produkten für den Anti-Doping-Kampf steigen ständig. Strategische Überlegungen veranlassten die Berlinger Gruppe, aus diesem Markt auszusteigen.
Martin Knoepfel
Die Berlinger Special AG mit Sitz in Ganterschwil wird die Produktion von Fläschchen zur Aufbewahrung von Doping-Proben einstellen. (Bild: Gian Ehrenzeller (Keystone))

Die Berlinger Special AG mit Sitz in Ganterschwil wird die Produktion von Fläschchen zur Aufbewahrung von Doping-Proben einstellen. (Bild: Gian Ehrenzeller (Keystone))

Hans Klaus, Mediensprecher der Ganterschwiler Berlinger-Gruppe, begründet den kürzlich beschlossenen Ausstieg der Firma aus der Herstellung von Geräten für die Doping-Kontrollen mit strategischen Überlegungen. Noch ist nicht klar, ob dieser Ausstieg zu Entlassungen von Mitarbeitern in Ganterschwil führen wird. Wie viele Personen betroffen sein könnten, ist noch nicht bekannt.

Hans Klaus, Mediensprecher der Berlinger-Gruppe. (Bild: Keystone)

Hans Klaus, Mediensprecher der Berlinger-Gruppe. (Bild: Keystone)

Hans Klaus, sind vom Ausstieg aus dem Anti-Doping-Geschäft nur die Bereg-Kits für Urintests oder auch die Bereg-Kits für Bluttests oder beide Typen von Kits betroffen?
Der Ausstieg ist ein strategischer und grundsätzlicher Entscheid, sich aus dem Anti-Doping-Geschäft zurückzuziehen. Vorerst sind die Fläschchen für Urin-Tests betroffen. Hier werden noch die Lagerbestände aufgebraucht. Das dürfte rund drei bis fünf Monate dauern. Die Fläschchen für die Bluttests und für die Anti-Doping-Tests bei Tieren, etwa Pferden oder Kamelen, werden bis auf weiteres weiterhin hergestellt.

Wie viele Arbeitsplätze gehen in Ganterschwil verloren?
Die Frage der Kapazitäten haben wir noch nicht geklärt. Das wird erst passieren. Selbstverständlich werden zuerst interne Möglichkeiten analysiert. Die Zeit dafür ist vorhanden, da der Ausstieg aus dem Anti-Doping-Geschäft mittelfristig erfolgen soll.

Handelt es sich bei den betroffenen Mitarbeitern um Fachkräfte oder um angelernte Mitarbeiter?
Auch diese Frage lässt sich heute noch nicht beantworten.

Wie gross ist der weltweite Marktanteil der Berlinger-Gruppe bei den Kits für Anti-Doping-Kontrollen?
Der Marktanteil der Berlinger-Gruppe beträgt gut 85 Prozent. Allerdings handelt es sich um einen sehr überschaubaren, stark regulierten Markt. Hinzu kommt, dass der Anti-Doping-Markt kein eigentlicher Wachstumsmarkt ist. Die Zahl der Dopingproben verändert sich über die Jahre hinweg nur wenig.

Was bedeuten die 85 Prozent in Franken?
Berlinger Special ist ein privates Unternehmen und gibt keine Kennzahlen bekannt.

Weshalb steigt die Berlinger-Gruppe aus diesem Markt aus?
Die technischen Sicherheitsanforderungen im Bereich Forschung und Entwicklung für einen Hersteller für Anti-Doping-Produkte steigen laufend. Dies ist auf die leider zahlreichen Manipulations- und Betrugsversuche im Sport zurückzuführen. In der Folge steigen auch die rechtlichen und die Reputationsrisiken für ein KMU von unserer Grösse unverhältnismässig. Seitdem vor zwei Jahren die Manipulationen in Sotschi (Anmerkung der Redaktion: An den Olympischen Winterspielen 2014) bekannt wurden, hat sich die Wahrnehmung unseres Produktes stark verändert. Die Ansprüche an den Hersteller werden grösser, die Preise bleiben aber gleich, und die Risiken steigen. Dies führte im Verwaltungsrat zum Entscheid, jetzt auszusteigen.

Die Berlinger-Gruppe stellt Überwachungsgeräte für den Transport von Medikamenten her. Zugleich fertigt sie Kits für den Kampf gegen Doping an, also gegen Sportbetrug. Spielte das Reputationsrisiko eine Rolle beim Entscheid des Unternehmens zum Ausstieg aus dem Anti-Doping-Geschäft?
Das war ebenfalls eine Überlegung, ja. Reputationsfragen spielen heute bei vielen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Der Markt für die Temperaturüberwachung ist ein Hightech-Markt und wächst weltweit stark. Zum Beispiel bei Medikamenten, Impfstoffen und medizinischen Forschungsmustern. Dieser Markt ist weltweit ein eindeutiger Zukunftsmarkt. Es ergibt deshalb durchaus Sinn, die allfällig frei werdenden Ressourcen aus dem Anti-Doping-Bereich in diesen Zukunftsmarkt hinein zu bringen.

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