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GANTERSCHWIL: Im Einsatz improvisieren

Seit Jahren greifen Helfer aus dem Toggenburg einem kleinen Spital in Somaliland unter die Arme. Treibende Kraft dabei ist Enzo Fuschini. Beim letzten Einsatz war auch eine junge Frau dabei.
Peter Küpfer
Ärzte, Assistenten und Pflegepersonal akzeptieren die junge Schweizerin Tatjana Marcaione sofort als Lehrperson. (Bild: PD)

Ärzte, Assistenten und Pflegepersonal akzeptieren die junge Schweizerin Tatjana Marcaione sofort als Lehrperson. (Bild: PD)

Peter Küpfer

redaktion@toggenburgmedien.ch

Sie ist jung, sie ist tüchtig, und sie traut sich etwas zu – die in Ganterschwil aufgewachsene Tatjana Marcaione. Zum Zeitpunkt ihrer Afrikareise war sie gerade am Erwerb ihres Abschlussdiploms als medizinische Rettungssanitäterin HF. Trotzdem war sie auf Anfrage sofort bereit, Enzo Fuschini, Kirchenratspräsident der evangelischen Kirchgemeinde Unteres Toggenburg, auf seiner diesjährigen Reise nach Somaliland zu begleiten. Mit von der Partie war auch Balz Wielatt.

Vor Ort kümmern sich die beiden Ganterschwiler technisch und administrativ seit Jahren um das Regionalspital in Gabiley, einer mittelgrossen Stadt im Südwesten des Landes. Sie besuchen das Spital regelmässig, so auch diesen Sommer. Das Spital ist unter anderem dabei, seine Rettungs- und Notfalldienste auf den aktuellen Stand zu bringen. Für Tatjana Marcaione bestand damit die Gelegenheit, das Team vor Ort technisch und medizinisch zu beraten.

Auch Ärzte als Kursteilnehmer

Die junge Schweizerin hatte nicht viel Zeit für Prüfungsängste. Tatjana Marcaione stürzte sich mit viel Elan auf ihre Aufgabe. Bald war jede Befangenheit auf beiden Seiten weg, auch wenn die Lehrerin jung war und, im Landeskontext selten, erst noch eine Frau. Wenn man an der Phantompuppe trainiert, geht es um die Sache. «Nach wenigen Tagen kamen sogar die Ärzte und nahmen an meinen Kursen teil», sagt sie mit einer Spur von Stolz. Und fügt hinzu: «Es ging bei allen auch darum, sich mehr Einschätzungsvermögen zu erwerben. Dazu kam, dass sie dort über wenig Struktur verfügten, zum Beispiel welche routinemässigen Handlungen bei der Einweisung eines Notfalls zu tun sind und in welcher Reihenfolge man vorgehen sollte.»

Vielsagender Vorfall im Gefängnis

Folgender Fall mag dies illustrieren. Im Gefängnis von Gabiley war es zu einem schwerwiegenden Vorfall gekommen. Es gab dort einen Streit zwischen einem Häftling und einem Wachhabenden, bei dem das Bein des Häftlings durch einen Schuss verletzt wurde. Man brachte den Häftling ins Spital. Dort kümmerten sich der Spitaldirektor, selbst Arzt, und weiteres medizinisches Personal um den Verwundeten und telefonierten Tatjana Marcaione. Sie schildert: «Als ich in den Raum trat, fiel mir sofort der schlechte Allgemeinzustand des Verwundeten auf. Alle standen um die grosse Schusswunde am Bein und probierten, die Blutung zu stoppen, jedoch stand niemand am Kopf des Patienten, um zu sehen, wie es ihm gehe.»

Marcaione holte sofort ein Abbindband aus dem von ihr auf den Stand gebrachten Notfallkoffer. Die Blutung konnte so einigermassen gestoppt werden, jedoch hatte der Patient bereits viel Blut verloren. Er bekam weitere lebenserhaltende Massnahmen, bevor er endlich mit einem Privatfahrzeug nach Hargeysa transportiert werden konnte. Leider musste das Bein dann doch amputiert werden. Andererseits fiel Marcaione auf, was auch die «Erfahrenen» bestätigten. Fehlende Kenntnisse und medizinisches Equipment gleichen die Spital­angehörigen mit Improvisationsgabe und grosser persönlicher Einsatzbereitschaft aus.

Enzo Fus­chini betont: «Warmwasser und die Abwassersysteme, welche wir ihnen vor Jahren instand gestellt haben, sind in bestem Zustand. Der Mitarbeiter, mit dem wir alles eingerichtet haben, ist zum technischen Spezialisten geworden. Er tut alles, damit alles gut funktioniert. Das kann gelingen, wenn die Helfer immer wieder vor Ort sind und mit anpacken.»

Nach ihren Motiven befragt, werden die beiden Helfer grundsätzlich. «In unserer Familie war das Helfen selbstverständlich», sagt Marcaione. Und Enzo Fus­chini fügt hinzu, an diejenigen gerichtet, die in diesem Zusammenhang oft von «Gutmenschen» und dem «Helfersyndrom» sprechen: «Angesichts der grossen Not, die an vielen Enden der Welt herrscht, gibt es zwei Haltungen: Entweder du versuchst mitzuhelfen, oder du lässt alles, wie es ist. Mir liegt es besser, etwas zu tun. Alles beginnt im Kleinen. Aber es kann wachsen.»

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