Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

GANTERSCHWIL: Eine Form der Auszeit des Gehirns

Dissoziation ist in der Psychiatrie das Auseinanderfallen von zusammenhängenden Funktionen der Wahrnehmung. Wie man in der Behandlung damit umgeht, war Thema in der Fachtagung in der Klinik Sonnenhof.
Unter der Leitung von Ulrich Müller-Knapp (rechts) referierten Annette Streeck-Fischer, Heinz Böker, Inge Seiffge-Krenke, Franz Resch und Katharina Purtscher-Penz (von links). (Bild: PD)

Unter der Leitung von Ulrich Müller-Knapp (rechts) referierten Annette Streeck-Fischer, Heinz Böker, Inge Seiffge-Krenke, Franz Resch und Katharina Purtscher-Penz (von links). (Bild: PD)

Fünf Referenten hatte Ulrich Müller-Knapp, Chefarzt des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Zentrums Sonnenhof in Ganterschwil, kürzlich zur diesjährigen Fachtagung eingeladen. Sie vertieften das Phänomen der Dissoziation – ein Begriff, der selbst von Fachleuten mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt wird und daher häufig zu Verwirrungen führt.

Inge Seiffge-Krenke von der Universität Berlin sagte, dass nicht alle Dissoziationsformen krankhafte Störungen seien. Dabei erwähnte sie Tagträumen und Fantasien bei Jugendlichen als eine Form von Auszeit für das Gehirn. Sie sprach auch von einer Erweiterung des Bewusstseins. Wichtig sei, dass dies jederzeit beendet werden könne. Problematisch werde es dann, wenn Betroffene das Phänomen nicht beeinflussen könnten, es beängstigend sowie irritierend und als Einschränkung erlebt werde.

Die Orientierung finden

«Dissoziation ist kulturabhängig und der gesellschaftliche Umgang damit entspricht dem jeweiligen Zeitgeist», sagte Franz Resch vom Universitätsklinikum Heidelberg. Aktuell sprach er von einer spätmodernen Umbruchzeit, in der Wahrheiten der Relativität weichen müssten. Es gebe keine Fakten mehr, sondern Interpretationen. Dazu gehörten auch die «postfaktischen» Wahrheiten. Kämen nun die verschiedenen Krisenthematiken wie Flüchtlinge, Wirtschaft, Terrorismus, Rechtsextremismus und mehr hinzu, werde es für junge Menschen immer schwieriger, überhaupt eine Orientierung zu finden. Die Gefahr sei dann gross, die bedrohte Gegenwart durch Dissoziation zu schützen. Bei Dissoziation als Folge von sexuellem Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung benötigen Kinder und Jugendliche für die Therapie ein tragfähiges und hochfunktionales Umfeld. Im Vordergrund stünden Schutz und Sicherheit, das therapeutische Milieu und die Traumatherapie, sagte Katharina Purtscher-Penz vom Landeskrankenhaus Graz Süd-West. Darin spielten unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem, die Förderung des Selbstverstehens, aber auch die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Jugendhilfe eine wichtige Rolle.

In ihrem Vortrag zur stationär-psychotherapeutischen Behandlung der traumatisch bedingten Dissoziation erläuterte Annette Streeck-Fischer anhand von Fallvignetten anschaulich die anfänglichen Symptome wie Bedrohung, Spannungszustände, Durcheinander von Gut und Böse, Desorganisation und mangelnde Impulssteuerung.

Eigenständige Form der Verdrängung

Über die Begriffe der Hysterie und Konversion habe sich seit der Antike der Begriff der dissoziativen Störung entwickelt, sagte der Psychotherapeut Heinz Böker aus Zürich. Man verstehe Dissoziation heute als eigenständige Form der Verdrängung und Abwehr inakzeptabler Erfahrungen ins Unbewusste. Dabei betonte er, dass körperliche Symptome in der Bewältigung traumatischer Erlebnisse immer eine wichtige Rolle gespielt haben. (pd)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.