Gais sagt alle kommenden öffentlichen Anlässe ab – die Begründung: «Lieber rechtzeitig absagen, als halbbatzig durchführen»

Dieses Jahr fallen der Lauratag, die Ehrung der erfolgreichen Berufsleute, der Neuzuzügerabend und der Adventsmarkt den Coronamassnahmen zum Opfer.

Karin Erni
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Die Gaiserinnen und Gaiser müssen auf ihren Adventsmarkt verzichten.

Die Gaiserinnen und Gaiser müssen auf ihren Adventsmarkt verzichten.

Bild: Karin Erni

Als Grund für die vorzeitigen Absagen nennt die Gemeinde die unsichere Entwicklung rund um die Covid-19-Situation: «Aufgrund der momentan wieder ansteigenden Fallzahlen ist der Gemeinderat klar der Meinung, dass eine Durchführung nicht zwingend nötiger Veranstaltungen in dieser angespannten Situation unverantwortbar ist», heisst es in einer Mitteilung. Die Ehrungen von erfolgreichen Berufsleuten des Ausbildungsjahres 2019/20 sollen im nächsten Jahr nachgeholt werden.

Schutzkonzepte sind schwierig umzusetzen

Gemeindeschreiber Roland Lussmann sagt auf Anfrage: «Wir stellen uns auf den Standpunkt, dass es besser ist, einen Anlass rechtzeitig abzusagen, als ihn nur halbbatzig durchzuführen.» Trotz der vom Bund beschlossenen Lockerungsmassnahmen gelte es weiterhin, mögliche Infektionsherde mit hohem Ansteckungsrisiko einzudämmen. Das führe zu erschwerten Bedingungen bei der Durchführung von Anlässen.

«Schutzkonzepte zu erstellen, ist das eine, aber eine konsequente Umsetzung ist zwingend und aus praktischen Gründen kaum in vernünftigem Rahmen möglich.»

Oft würden nur die Bereiche der Besuchenden berücksichtigt. Es gebe aber auch Helferinnen und Helfer, die zu schützen seien, gibt Lussmann zu bedenken.

Menschenansammlungen befürchtet

Beim am 24. Oktober geplanten Lauratag beispielsweise wäre das Ziel, möglichst viele Leute nach Gais zu bringen, so Roland Lussmann. «Diese würden sich aber erfahrungsgemäss an gewissen Punkten stark konzentrieren und es wäre schwierig, die Mindestabstände einzuhalten.» Die Begrüssung der Neuzuzüger finde nur alle zwei Jahre statt. «Dabei ist der Kronensaal jeweils zum Bersten voll, denn die einheimischen Vereine nutzen die Gelegenheit, sich an diesem Anlass vorzustellen.» Die Weihnachtsmärkte seien schon vielerorts abgesagt worden, sagt Lussmann.

«Wir möchten den Teilnehmern Planungssicherheit bieten. Die Standbetreiber stellen Waren zum Verkauf her. Es wäre ihnen gegenüber nicht fair, den Anlass drei Wochen vorher abzusagen und sie auf allem sitzenzulassen.»

Ein weiterer Punkt sei das gleichzeitig stattfindende Adventskonzert in der Kirche, das jeweils auch sehr gut besucht sei. «Müssen grosse Sicherheitsabstände eingehalten werden, tut das der Stimmung und der Ambiance nicht gut.» Ausserdem sei die Finanzierung des Anlasses schwierig, wenn nicht genügend Besucher eingelassen werden könnten. Die Ehrung der Berufsleute wird auf den nächsten Herbst verschoben.

Gewerbeverein sagt Adventsapéro ab

Aus der Gemeindemitteilung geht ebenfalls hervor, dass der Gewerbeverein dieses Jahr auf die Organisation des alljährlich stattfindenden und bei der Bevölkerung beliebten Adventsapéros verzichtet. Die Organisation verweist auf die unterschiedlichen Regeln der Branchen, die eingehalten werden müssen. Generelle Lockerungen seien noch nicht in Sicht.

Er habe Reaktionen aus beiden Lagern der Bevölkerung erhalten, sagt Roland Lussmann. «Die einen finden es gut, andere meinen, man sei zu vorsichtig. Im Nachhinein werden wir alle klüger sein.»