Gais
«Der Gesundheits- und Sozialbereich liegt mir am Herzen»: Das Innerrhoder Ex-Regierungsmitglied Antonia Fässler wird Präsidentin der Stiftung Comviva

Seit bald 20 Jahren ist Antonia Fässler im Gesundheits- und Sozialwesen tätig. Nun wird die ehemalige Innerrhoder Frau Statthalter Präsidentin der Stiftung Comviva in Gais. Die Stiftung unterstützt Menschen mit geistigen, psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen.

Claudio Weder
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Antonia Fässler übernimmt das Präsidium der Stiftung Comviva in Gais von Guido Koller, der diese Tätigkeit zehn Jahre lang ausübte.

Antonia Fässler übernimmt das Präsidium der Stiftung Comviva in Gais von Guido Koller, der diese Tätigkeit zehn Jahre lang ausübte.

Bild: Claudio Weder (Gais, 28. Mai 2021)

Nach ihrem Rücktritt als Innerrhoder Gesundheits- und Sozialdirektorin im vergangenen Jahr wurde es still um Antonia Fässler. Die Zeit sei reif, nochmals etwas Neues zu machen, sagte die CVP-Politikerin damals. Nun hat sie eine neue Aufgabe angenommen: Sie wird Stiftungsratspräsidentin der Stiftung Comviva in Gais. Am Dienstag tritt sie die Nachfolge von Guido Koller an, der nach zehnjähriger Tätigkeit zurücktritt.

Seit bald 20 Jahren ist Antonia Fässler im Gesundheits- und Sozialwesen tätig. Vor ihrer Wahl in die Standeskommission im Jahr 2010 war sie Departementssekretärin des Innerrhoder Gesundheits- und Sozialdepartements, zuvor war sie stellvertretende Generalsekretärin im Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen. «Ich kenne den Sozial- und Gesundheitsbereich gut und habe viel Erfahrung sammeln können in der strategischen Führung von sozialen Institutionen», sagt die 51-Jährige am Freitag an einer Medienkonferenz.

Fässler freut sich auf die neue Aufgabe, weiss aber auch, welche Herausforderungen auf sie zukommen werden: «Die Institutionen, welche Menschen mit Beeinträchtigungen betreuen, bewegen sich in einem komplexen Umfeld. Die betrieblichen und menschlichen Anforderungen sind hoch.» Nichtsdestotrotz hofft sie, dass sie einen weiteren Beitrag zur «Erfolgsgeschichte» der Stiftung Comviva leisten könne.

Sie will nicht nur auf Mandate setzen

Antonia Fässler befindet sich zurzeit in einer Phase der beruflichen Neuorientierung, wie sie selber sagt. «Das Stiftungsratspräsidium ist für mich eine gute Ergänzung zu meinen anderen Tätigkeiten.» Fässler ist nebenbei auch Stiftungsrätin des Ostschweizer Kinderspitals sowie Stiftungsrätin des Alters- und Pflegezentrums Vorderdorf in Trogen.

«Ich will aber nicht nur auf Mandate setzen», sagt Fässler und lacht. Die ehemalige Frau Statthalter hilft zurzeit in einem 40-Prozent-Pensum im elterlichen KMU-Betrieb in Appenzell aus. Die drei Stiftungsmandate dazugerechnet, kommt sie aktuell auf ein 60-Prozent-Pensum. «Da hat es schon noch Platz für etwas anderes.»

Längerfristig will sich Fässler noch ein drittes Standbein aufbauen, und zwar ebenfalls im Gesundheits- und Sozialbereich: «Dieser Bereich begleitet mich schon viele Jahre und liegt mir am Herzen», sagt Fässler. Was genau es sein wird, will sie noch nicht verraten.

Comviva startet neues Angebot ab Oktober

Die seit zehn Jahren bestehende Stiftung Comviva unterstützt Menschen mit geistigen, psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen. Sie beschäftigt 20 Angestellte und bietet in den beiden benachbarten Liegenschaften an der Langgasse in Gais 20 betreute Wohn- und 17 Arbeitsplätze an.

Daniel Veser, Betriebsleiter der Stiftung Comviva Gais.

Daniel Veser, Betriebsleiter der Stiftung Comviva Gais.

Bild: Claudio Weder

Im Oktober startet die Comviva mit dem neuen Wohnangebot «Comviva Libero». Dieses gibt es laut Betriebsleiter Daniel Veser im Appenzellerland in dieser Form noch nicht. Das Angebot richtet sich an Menschen mit einer Beeinträchtigung, die gerne alleine wohnen möchten, aber nicht auf 24-Stunden-Betreuung angewiesen sind. Der Vorteil: «Die Menschen sind trotzdem in einer Gemeinschaft eingebettet und können jederzeit Unterstützungsangebote von uns in Anspruch nehmen.» Die Stiftung stellt dafür sechs Wohnungen in einem neuen Mehrfamilienhaus zur Verfügung. Interessenten seien schon vorhanden, sagt Veser.

Mit dem neuen Wohnangebot soll die Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigung unterstützt werden, wie es die UNO-Behindertenrechtskonvention vorsieht. Ziel der Konvention ist es, die Gleichstellung von Menschen mit Beeinträchtigungen in der Gesellschaft zu fördern.

Das Übereinkommen, das in der Schweiz seit 2014 in Kraft ist, stelle jedoch viele Institutionen vor Herausforderungen, sagt die neue Stiftungsratspräsidentin. Und zwar personell wie auch finanziell. Die Stiftung Comviva reagiere proaktiv auf diesen Wandel, so Fässler. Das neue Angebot sei «zukunftsgerichtet» und zeige, dass man Menschen mit Beeinträchtigung «mit Respekt und Achtung gegenübertritt und sie als eigenständige Individuen anschaut».