GAIS: Das Schwert weitergereicht

Für einmal wird nicht mit Langschwert und Hofdegen hantiert. Die Mitglieder des Vereins Artes Certaminis finden sich im «Hirschen» zur Jahresversammlung ein.

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Historisches Schwertkampftraining in Gais. (Bild: PD)

Historisches Schwertkampftraining in Gais. (Bild: PD)

Man kann fast ein wenig vom Ende einer Ära sprechen: Nachdem er in den letzten Jahren als Präsident die Geschicke des Vereins massgeblich geprägt hat, übergibt Jürg Gassmann «das Schwert» an Stefano Gavatta, welcher dem Verein in Zukunft vorstehen wird. Ihm zur Seite stehen, wie bisher, Elsbeth Weiss als Vizepräsidentin und Albert Kölbener als Kassier sowie der neugewählte Aktuar, Roger Heim. Neu stellte Elsbeth Weiss zudem für jede wichtige Position ein Pflichtenheft vor, was es ermöglicht, die mannigfachen Vereinsaufgaben breiter auf die Mitglieder zu verteilen und den Vorstand zu entlasten.

Nachdem vor kurzem auch schon Trainer Jack Gassmann, der vor wenigen Wochen ein bedeutendes Turnier in den USA gewann, seinen Abschied gegeben hat, um sich im Ausland seiner Karriere zu widmen, steht der Verein mit dem Wegzug von Jürg Gassmann, welcher ebenfalls ein unerschöpflicher Quell an Wissen und Erfahrung ist, vor einer grossen Herausforderung.

Alte Kunst ohne lückenlose Überlieferung

Der Verein Artes Certaminis betreibt historische europäische Kampfkunst (kurz Hema für ­Historical European Martial Arts). Wer sich hier eine Gruppe mittelalterlich gekleideter Schauspieler vorstellt, der liegt jedoch falsch. Obwohl sich Hema mit dem Studium alter Fechtbücher bis zurück ins 14. Jahrhundert und auch der mittelalterlichen Kultur befasst, ist der historische Schwertkampf, wie ihn Artes Certaminis betreibt (aktuell hauptsächlich Langschwert und Hofdegen), zumindest in der Turnierform eine schnelle, äusserst komplexe und durchaus «moderne» Sportart. Kürzlich konnten Trainings auf der Rennbahn beim Spielplatz Gais beobachtet werden, und man sah die moderne Ausrüstung. Die Besonderheit ist hier – anders als bei vielen der ­bekannteren asiatischen Kampfkünste, die seit alter Zeit von Meister zu Meister nahtlos überliefert wurden –, dass die Kampfkünste, die im Europa des Mittelalters ebenso hoch entwickelt waren wie in Asien, mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind. Erst seit einigen Jahrzehnten werden immer mehr alte «Fechtbücher» wiederentdeckt, aus denen Enthusiasten nach und nach ver­suchen, die alten Künste wiederzubeleben. Da die lückenlose Tradition fehlt, die Bücher teils beinahe kryptisch verfasst sind und auch die Bilder, der Zeit entsprechend, oftmals die nötige Eindeutigkeit vermissen lassen, muss eine entsprechende Interpretation und vertiefte Diskussion darüber stattfinden, wie die verschiedenen Techniken und Anweisungen der mittelalterlichen Meister gemeint waren und am besten umzusetzen sind. Glücklicherweise gibt es mittlerweile eine wachsende internationale Gemeinschaft, die sich dieser Forschung angenommen hat und die Resultate online und seit einigen Jahren sogar in einem spezialisierten wissenschaftlichen Jahrbuch veröffentlicht und rege diskutiert.

So besteht die Herausforderung für den neuen Vorstand sowie die Mitglieder, die sich aktiv für die Weiterführung des Vereins und der historischen Kampfkünste in der Region einsetzen, darin, weiterhin an das relevante Wissen heranzukommen, dieses aufzubereiten und erfolgreich umzusetzen. Glücklicherweise sind die Quellen vorhanden, der Enthusiasmus, die Motivation ­sowie die Unterstützung «aus der Ferne» ebenfalls, sodass niemand daran zweifelt, dass der historische Schwertkampf bei Artes Certaminis in Gais auch in Zukunft weiter gelehrt und gepflegt werden wird. Wer sich für Hema und insbesondere den historischen Schwertkampf interessiert, ist jederzeit im Training willkommen. Der Verein Artes Certaminis trainiert am Mittwochabend von 18.45 bis 20.15 Uhr in der Leichtathletikhalle in Gais. (pd)

Hinweis

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