GAIS: Beleuchtung polarisiert

Eine neue Zifferblattbeleuchtung am Kirchturm spaltet die Meinungen. Auch der Denkmalpfleger ist unzufrieden. Andreas Winkler, Präsident der Baubewilligungskommission, hat eine Lösungsidee.

Roger Fuchs
Drucken
Teilen
Der seitliche Einblick in die Zifferblatt-Beleuchtung am Kirchturm Gais ist gemäss Gemeinderat Andreas Winkler zu grell. (Bild: Roger Fuchs)

Der seitliche Einblick in die Zifferblatt-Beleuchtung am Kirchturm Gais ist gemäss Gemeinderat Andreas Winkler zu grell. (Bild: Roger Fuchs)

Roger Fuchs

roger.fuchs

@appenzellerzeitung.ch

Der Verputz am Turm der Kirche Gais ist nicht das einzig Neue, was es seit kurzem zu sehen gibt. Stattdessen wurde im Zuge der Renovation auch eine neue Zifferblattbeleuchtung für die Kirchturmuhr installiert, Kostenpunkt: 20000 Franken. Jetzt sorgt diese Beleuchtung für Diskussionsstoff. Den einen gefalle sie, an­dere würden von Heiligenschein, Halbmond, Sichel oder sogar Eulenaugen sprechen, sagt Andreas Winkler, Gemeinderat und Präsident der Baubewilligungskommission.

Zwar habe der Gemeinderat einer Beleuchtung mehrheitlich zugestimmt, doch er hätte diese neue Art der Beleuchtung innert kürzester Frist durch das Baugerüst hindurch anschauen müssen, hält Winkler fest. Auch das kantonale Planungsamt sei mit einem nachgereichten Baugesuch für die Beleuchtung vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Für Andreas Winkler steht fest: Die jetzige Beleuchtung ist noch nicht zu Ende gedacht. Der seitliche Einblick in die Zifferblatt-Beleuchtung sei zu grell. Die Lösung könne in der Kombination einer dezenten, indirekten Beleuchtung – ohne Scheinwerfer – von Schiff und Turm inklusive der stark reduzierten Lichtquelle des Zifferblattes liegen.

Denkmalpfleger gefällt es nicht

Unzufrieden zeigt sich auch Denkmalpfleger Fredi Altherr. Er weist darauf hin, dass es sich bei der Kirche um ein kantonales Kulturobjekt handelt. Leider hätten die Bauherrschaft und der Architekt vergessen, ihn wie auch die Abteilung für Raumentwicklung für die Probebeleuchtung einzuladen. Über die für die ­Beleuchtung notwendige Detail­lösung werde deshalb erst nach einer zweimonatigen Versuchsphase entschieden – also Ende Januar. Für Altherr selbst ist klar: «Ziel an einem Objekt wie der Kirche Gais muss es sein, etwas Gutes anzubringen.» Seiner persönlichen Meinung nach sei dies mit der neuen Beleuchtung nicht der Fall. Es sei natürlich inter­essant, wie jetzt das Volk darauf reagiere.

Architekt verteidigt die Beleuchtung

Die Sichtweise des Architekten Thomas Peterer hingegen präsentiert sich so: Gemeinderat und Kirchenvorsteherschaft hätten erst nach den Sommerferien den Wunsch geäussert, dass noch eine Beleuchtung anzubringen sei. Der damit entstandene Zeitdruck habe dann im End­effekt auch zur unglücklich ausgebliebenen Einladung an den Denkmalpfleger für die Probebeleuchtung geführt. Doch Gemeinderat und Kirchenvorsteherschaft hätten nach Sichtung der Musterbeleuchtung grünes Licht gegeben.

«Ziel bei der Arbeit war eine Installation, die man tagsüber nicht sieht», sagt Peterer. Herausgekommen sei ein mutiger Prototyp. Die ihm seit der Turmenthüllung zugetragenen Reaktionen seien grossmehrheitlich positiv. Auch weist er darauf hin, dass die jetzige Lösung im ­Betrieb sehr kostengünstig sei: sechs Rappen pro Stunde.