GAIS: Bald läuten die Glocken wieder

Noch ist der Turm der evangelisch-reformierten Kirche in Gais eingerüstet und mit einem Baunetz umspannt. Die Renovationsarbeiten werden planmässig Ende Oktober abgeschlossen sein.

Andy Lehmann
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Die Aussenrenovation der evangelisch-reformierten Kirche ist in der Endphase. (Bild: Andy Lehmann)

Die Aussenrenovation der evangelisch-reformierten Kirche ist in der Endphase. (Bild: Andy Lehmann)

GAIS. Die evangelisch-reformierte Kirche in Gais ist seit Anfang Mai eine Baustelle. Bröckelnder Verputz, besonders am unteren Teil des Kirchturmes, machen eine Renovation nötig. Eine auf historische Bauten spezialisierte Firma erstellte zuvor ein Gutachten. «Insbesondere äussere Einflüsse wie Regen, aber auch der Durchgangsverkehr, setzten vor allem dem Turm-Verputz zu», sagt Markus Nef, Bausekretär der Gemeinde Gais.

Kein stündlicher Glockenschlag mehr

Mit dem Beginn der Bauarbeiten im Mai verstummte der vertraute Stundenschlag. Um die Sicherheit und Gesundheit der Bauarbeiter nicht zu gefährden, mussten der mit der Uhr gekoppelte, automatische Glockenschlag sowie das Kirchengeläut an den Wochentagen bis zur voraussichtlichen Vollendung der Renovationsarbeiten Ende Oktober abgeschaltet werden. Das Kirchengeläut vor den Gottesdiensten am onntag und vor Anlässen in der Kirche kann manuell bedient werden und erklingt auch jetzt.

Für die derzeit laufende Aussenrenovation der reformierten Gaiser Kirche hat die Gemeinde einen Betrag von 275 000 Franken budgetiert. Die Evangelisch reformierte Kirchgemeinde steuert denselben Beitrag zu den Baukosten hinzu. Gemäss Nef können die entstandenen Renovationskosten erst nach Abschluss der Bauarbeiten genau ausgewiesen werden.

«Erfreulicherweise musste nur der Turm neu verputzt werden. Das Kirchenschiff indes wurde neu gestrichen», sagt Markus Nef. Im Gegensatz zum alten Verputz – dieser war mit Plastik durchsetzt – verzichtet man heute auf diesen Baustoff. Der Turm wird mit natürlichem Sandstein erneuert. Im Zuge der Renovation wurden nebst den Steinarbeiten auch das Zifferblatt und das Uhrwerk wieder auf Vordermann gebracht.

Ein Dorfbrand zerstörte die Gaiser Kirche

Wann genau die erste Kirche in Gais gebaut wurde, kann nicht eindeutig nachgewiesen werden. Der erste Bau einer Kapelle oder Kirche dürfte zwischen 1275 und 1333 erfolgt sein. Hinweise darauf lieferte die gründliche Innenrenovation im April 1969. Archäologische Ausgrabungen förderten Überreste spätmittelalterlicher Wandmalereien sowie einen Bodenbelag aus Bollensteinen und Kalkmörtel zutage. Diese stammen zweifellos aus der Zeit von 1275–1333.

Der Dorfbrand vom 18. September 1780 zerstörte die inzwischen erweiterte Kirche vollständig. Im darauffolgenden März wurde mit dem Abbruch des alten Turmes und des Chors begonnen. Anhaltend gutes Wetter sorgte dafür, dass der Bau noch im Sommer unter Dach gebracht werden konnte und am 1. August 1781 die erste Predigt abgehalten wurde. Die Kirche wurde 1865 einer Gesamtrenovation unterzogen. Erstmals durften sich die Kirchenbesucher 1903 über elektrisches Licht und eine Heizung freuen. Mehrmals wurde die Aussenfassade renoviert, letztmals 1980–1982. Im Allgemeinen wurde eine materielle Sanierung und Erneuerung der bestehenden Bausubstanz vorgenommen ohne auf den bestehenden Bauzustand von 1781–1782 zurückzugreifen. Diese Informationen finden sich in dem Buch «Geschichte der Gemeinde Gais» von Achilles Weishaupt und Karl Rechsteiner.

Da keine Überraschungen bei der Renovation auftauchten, kann diese wie geplant abgeschlossen werden. Derzeit ist nur noch der Kirchturm eingehüllt, und es werden letzte Arbeiten ausgeführt. Wie es bei altertümlichen Bauten üblich ist, braucht es von Zeit zu Zeit Erneuerungen. Gemäss Nef werden in zwei bis drei Jahren Renovationsarbeiten im Kirchen-Innenraum nötig.