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Gabriela Riegg aus Gais: Die Miss mit dem Faible für Kühe

Gabriela Riegg aus Gais möchte Braunviehkönigin werden. Sie ist die einzige Finalistin aus der Ostschweiz.
Astrid Zysset
Im Stall fühlt sich Gabriela Riegg aus Gais, Anwärterin für den Titel der Braunviehkönigin, sichtlich wohl. (Bild: Astrid Zysset)

Im Stall fühlt sich Gabriela Riegg aus Gais, Anwärterin für den Titel der Braunviehkönigin, sichtlich wohl. (Bild: Astrid Zysset)

Ihr Gesicht wirkt makellos, die Haare sind perfekt frisiert. Ansonsten erinnert Gabriela Riegg aus Gais kaum an eine typische Schönheitskönigin, trägt sie doch Stallkleidung und sitzt gerade auf einem Melkstuhl neben einer Kuh. Ein Strahlen huscht über ihr Gesicht:

«Ich liebe es, hier zu sein. Zeitlich kann ich nicht mehr so oft im Stall meiner Eltern aushelfen, wie ich es gerne tun würde. Doch immer wenn ich frei habe, lasse ich es mir nicht nehmen.»

Gabriela Riegg wohnt zusammen mit ihren Geschwistern auf dem elterlichen Hof im Buchen in Gais. 30 Braunviehkühe stehen im Stall, der Betrieb lebt von der Milchwirtschaft. Riegg selbst hatte vergangenen Juli ihre Lehre zur Coiffeuse beendet, verbrachte den Sommer zusammen mit 180 Kühen auf einer Alp im Weisstannental. Nun steht die nächste Herausforderung an: Die 19-Jährige will nationale Braunviehkönigin werden. Ein Schritt, zu welchem sie ihre Kollegin animierte. Die Mutter gab schliesslich den Ansporn. «Diesen Kick hatte ich gebraucht. Sonst hätte ich mich wohl nicht getraut, an der Wahl teilzunehmen», so Gabriela Riegg.

Ehrendame an den Viehschauen

Der Titel der Braunviehkönigin ist fernab von Züchtern und Landwirten kaum bekannt. Für Riegg war er ein Begriff. «Ich sehe es bei den Kunden im Coiffeurgeschäft: Sie freuen sich sehr für mich, dass ich es ins Finale geschafft habe, können sich unter dem Titel jedoch nur wenig vorstellen.»

Als Braunviehkönigin ist man Ehrendame an vielen Viehschauen der Schweiz. Wie viele genau, darf die Königin selbst entscheiden. Die aktuelle Amtsinhaberin absolviert bis zu 35 Anlässe pro Jahr. Ein gutes Aussehen ist wichtig, um gewählt zu werden. Eine Braunviehkönigin müsse aber vor allem Bodenständigkeit und Natürlichkeit ausstrahlen, so Riegg.

Entscheidend bei der Wahl sind weiter das gekonnte Vermitteln der Freude am Braunvieh und das Wissen über die Haltung und Zucht der Tiere. Das Fachwissen eignet sich die 19-Jährige derzeit fleissig aus Büchern und Gesprächen mit ihrem Vater an. Die Familie ist jedoch nur wenig erfahren bezüglich Viehschauen. «Wir hatten schon den einen oder anderen Titel an der Gemeindeviehschau geholt. Aber national waren wir nie an Wettkämpfen angetreten», so Riegg.

Trotzdem hofft sie, mit ihrem Wissen zu punkten. Die Faszination zumindest ist ungebrochen. Riegg:

«Die braunen Kühe machen mir viel Freude.»

Jede habe ihre eigene Charaktereigenschaft. So gebe es im Stall ihrer Eltern eine Kuh, auf der geritten werden kann, eine andere kommt angerannt, wenn ihr Name gerufen wird und «Nina», eine von Rieggs Lieblingskühen, leckt sämtliche Hände und Arme ab, die ihr vor die Nase kommen. «Wir betrachten unsere Kühe nicht nur als Nutzvieh. Jede einzelne gehört zur Familie.»

Braunviehkönigin erhält Wertschätzung

Seit August rührt Gabriela Riegg fleissig die Werbetrommel, damit möglichst viele Personen an der Braunviehausstellung «Swiss Classic» in Brunegg Ende November für sie stimmen werden. Dazu reist sie mit den übrigen drei Finalistinnen von Viehschau zu Viehschau, stellt sich dort kurz vor und will mit Charme und Fachwissen auftrumpfen. Eine intensive Zeit; am Tag des Gesprächs für diese Zeitung war sie noch kurz zuvor bei einer Versammlung der Vereinigten Milchbauern in Kirchberg, am Folgetag wohnte sie als Ehrendame am Fürstenlandcup bei.

Sollte Gabriela Riegg die Wahl für sich entscheiden, wird eine solch vollgepackte Agenda zum Alltag für die 19-Jährige.

«Möglicherweise werde ich dann mein Pensum im Coiffeursalon reduzieren müssen.»

Doch das sei es ihr wert. Braunviehkönigin sei ein schönes Amt, so Riegg weiter. Und wenn sich eine Königin engagiert zeige und mit Wissen glänzen kann, erhalte sie auch viel Wertschätzung, ist die Gaiserin überzeugt.

Eine Frage drängt sich auf: Warum hat Gabriela Riegg nicht den Beruf der Landwirtin ergriffen? «Die Freude an der Landwirtschaft ist noch nicht so lange bei mir präsent. Darum entschied ich mich für einen anderen Beruf.» Aber, fügt sie an, sie könne die landwirtschaftliche Schule ja jederzeit nachholen. «Oder einen Bauern heiraten», sagt sie lächelnd. Einen eigenen Betrieb zu führen, dieser Gedanke gefällt ihr nämlich.

Allfällige Kritik bereitet ihr Bauchweh

Doch vorerst steht die Wahl zur Braunviehkönigin an. Ist Gabriela Riegg schon nervös? «Nein. Aber ich habe Respekt vor der Aufgabe.» Sie selbst bezeichnet sich als Perfektionistin, die schlecht «Nein» sagen kann. Das könnte dazu führen, dass sie sich als Braunviehkönigin zu viel zumuten würde. «Ich hoffe, ich hätte genug Zeit, um das Amt richtig zu machen.» Und noch etwas bereitet Riegg «Bauchweh», wie sie selbst sagt: Die Braunviehkönigin bietet mit ihrer Haltung oder allfälligen Wissenslücken Angriffsflächen. Kritik kann die 19-Jährige aber nur schlecht wegstecken.

«Ich hoffe, das lerne ich noch.»

Wäre sie enttäuscht, wenn es mir der Wahl nicht klappen würde? «Klar, fände ich es schade. Aber ich hatte bislang eine schöne Zeit. Und das ist auch viel wert.» Mit allen drei Finalistinnen hält sie regen und freundschaftlichen Kontakt, viele neue Bekanntschaften hätte sie während der Kandidatenzeit knüpfen können. Ihre Karten, die Wahl für sich zu entscheiden, sind dennoch nicht die besten. Die Stimme für die neue Braunviehkönigin abzugeben, ist nur vor Ort in Brunegg möglich. Ostschweizer müssen somit einen langen Anfahrtsweg in Kauf nehmen.

Nichtsdestotrotz zeigt sich Riegg zuversichtlich. In ihren Augen ist der Ausgang der Wahl völlig offen. Keine der Finalistinnen befindet sich in einer Züchtergruppe und könnte somit einen Vorteil gegenüber den anderen vorweisen. Und, so Riegg: «Die bisherige Resonanz auf meine Wahl stimmt mich positiv. So viel Freude an den Kühen wie ich strahlt wohl längst nicht jede Braunviehkönigin aus.»

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