FUSSBALL: Sie schreibt im Ländle Geschichte

Selina Ruckstuhl ist Nationaltrainerin der Frauen des Fürstentums Liechtenstein. Bald wird sie an der Seitenlinie gegen grosse Teams coachen.

Gianni Amstutz
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Auf dem Sportplatz in Bühler kickt Selina Ruckstuhl seit ihrem 14. Lebensjahr. Als Trainerin möchte sie Grosses erreichen. (Bild: GIA)

Auf dem Sportplatz in Bühler kickt Selina Ruckstuhl seit ihrem 14. Lebensjahr. Als Trainerin möchte sie Grosses erreichen. (Bild: GIA)

Gianni Amstutz

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Die 26jährige Selina Ruckstuhl erscheint im Trainer des FC Bühler, dem Verein, bei welchem sie zum Fussball gefunden hat, zum Termin auf dem Sportplatz. Noch am Vortag war sie in Bern, wo sie derzeit ein Masterstudium in Sportwissenschaften und Informatik absolviert. Da ihr nur noch die Masterarbeit und einige Vorlesungen in ihrem Nebenfach für den Abschluss fehlen, ist sie nur an einem Tag pro Woche in Bern. Den Rest ihrer Zeit widmet sie dem Fussball. Seit diesem Jahr ist sie beim Liechtensteiner Fussballverband (LFV) als Trainerin des Frauen-U19-Nationalteams engagiert und kümmert sich auch um die Entwicklung im Breitensport. Auf dem Platz ist Selina Ruckstuhl für den FC Bühler als Mittelfeldspielerin aktiv.

Beim Dorfclub begann vor zwölf Jahren ihre Karriere. «Ich war früher lange im Geräteturnen und der Rhythmischen Gymnastik und habe vergleichsweise spät zum Fussballverein gefunden.» Der Sportliche Leiter des FC Bühler, Antonio Romano, habe sie damals am CS-Cup gefragt, ob sie nicht Lust hätte zum FC Bühler zu kommen.

Probleme, genügend Spielerinnen zu finden

Bereits ein Jahr nach dem Start ihrer Fussballerinnenkarriere übernahm sie einen Posten als Trainerin der Juniorinnen. Bereut hat Selina Ruckstuhl diesen Schritt nie, obwohl neben Fussball nicht mehr viel Zeit für Hobbys bleibt. Seit Beginn dieses Jahres ist Ruckstuhl Sportliche Leiterin und Nationaltrainerin für den Frauenfussball beim Liechtensteiner Fussballverband. Als das Angebot kam, zögerte sie zunächst. «Ich lehnte ab, da ich zweifelte, ob ich den Aufwand mit Job und Studium stemmen könnte», sagt sie. Weil mit dem Angebot des LFV für sie ein Traum in Erfüllung gegangen sei, habe sie sich schliesslich doch dazu entschlossen, zuzusagen.

Die Arbeit im LFV gefällt ihr ausserordentlich. «Das ist mein Traumberuf, denn ich bin nicht nur Trainerin des Nationalteams, sondern auch für die Förderung des Breitensports verantwortlich.» Im Rahmen dieses Auftrags führt der LFV unter anderem das Projekt «Fussball macht Schule» durch, bei dem jeweils zwei Coaches Schulen im Fürstentum besuchen, um Kinder fürs Fussballspielen zu motivieren. Im Ländle würden zwar bereits verhältnismässig viele Mädchen Fussball spielen, doch rund ein Drittel der Einwohner seien ausländischer Herkunft und kämen daher für die Nationalmannschaft nicht in Frage, sagt Selina Ruckstuhl. Hinzu komme, dass auch in vielen Liechtensteiner Clubs ein Grossteil der Spielerinnen aus der Schweiz stammten. Diese Umstände erschweren die Kaderzusammenstellung für Ruckstuhl. Beim Amtsantritt der Bühlerin Anfang Jahr existierte nur eine U17-Nationalmannschaft bei den Frauen. Momentan ist Ruckstuhl dabei, ein U16-Team aufzubauen. Aus der vorherigen U17- ist ein U19-Team entstanden und soll dereinst das A-Nationalteam werden.

Historischer Sieg gegen Mazedonien

Im Juni konnte Selina Ruckstuhl mit ihrer Mannschaft einen historischen Erfolg feiern. Gegen Mazedonien gewannen die Frauen und verewigten sich in der Liechtensteiner Sportgeschichte. Es war der erste Sieg einer Frauenauswahl aus dem Fürstentum. Im nächsten Jahr soll eine weitere Premiere folgen. Erstmals wird die U19 an der Qualifikation zur Europameisterschaft teilnehmen. Eine Qualifikation sei für ein Land wie Liechtenstein wohl illusorisch, zeigt sich Ruckstuhl realistisch, schliesslich könnten dort Gegner wie Deutschland, Spanien oder auch die Schweiz warten. Selina Ruckstuhl wird an der Seitenlinie ihr Bestes geben.