FUSSBALL: Gefühlsachterbahn für die Acht

Nicht nur ein Unterbruch ist speziell. Herisau schiesst gegen Bronschhofen vier Tore, holt aber beim 2:2 in extremis nur einen Punkt. Dieser bedeutet (fast) den Erhalt der 2. Liga.

Lukas Pfiffner
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Bronschhofens Alexandros Sarantaenas (Mitte) stellt sich dem Herisauer Marco Schmid (17) entgegen; links Joel Kurzbauer. (Bild: PF)

Bronschhofens Alexandros Sarantaenas (Mitte) stellt sich dem Herisauer Marco Schmid (17) entgegen; links Joel Kurzbauer. (Bild: PF)

Lukas Pfiffner

lukas.pfiffner@appenzellerzeitung.ch

Herisaus Trainer Fabio de Souza blickte mit einem einzigen Wort auf das Ende zurück. «Dramatisch.» Schmid, wirkungsvollster Spieler der Gastgeber, holte in der 92. Minute einen Freistoss heraus, Thaqi brachte den Ball zur Mitte, Di Nunzio köpfte zum 2:2 gegen Bronschhofen ein. Im starken Regen rannte quasi ganz Herisau auf Jubeltour ins Feld.

Als Absteiger sind seit dem Samstag Tobel und Tägerwilen bestimmt; Herisau wird die Saison definitiv über dem Strich beenden. Ein Abstieg Winkelns aus der interregionalen 2. Liga hätte allerdings Auswirkungen auf die Zusammensetzung der nächsttieferen Klasse, der drittletzte Platz könnte dann die Relegation bedeuten: Theoretisch gefährdet sind Herisau (22), Arbon (22) und Abtwil (19). Den FCH könnte es treffen, wenn Abtwil gegen Stein­ach gewinnt, Herisau gegen Amriswil verliert und Arbon gegen Bazenheid punktet. Allenfalls werden die Strafpunkte berücksichtigt; aktuell hat Arbon die schlechteste Bilanz.

Rettungstat und zwei Eigentore

Winkeln besitzt zwei Runden vor Schluss allerdings vier Punkte Abstand auf den Strich sowie den Bonus der Strafbilanz. Für Rechenspiele waren die Herisauer nach dem Schlusspfiff sowieso nicht zu haben. Die einen begaben sich rasch in die Garderobe, bevor der Hagel einsetzte. Andere warfen sich klitschnass auf den Rasen, körperlich und emotional gezeichnet. Wie Nikola Gavrilovic. Captain Luca Keller, in den letzten Minuten vom Abwehrchef zum Mittelstürmer geworden, richtete ihn auf. Gavrilovic, der Verteidiger mit der Nummer 8, war die personifizierte Achterbahn der Gefühle. Er befreite nach einer halben Stunde in extremis gegen den einschussbereiten Sewo, und als Nesci eine flache Hereingabe Samuel Loosers zum 1:0 einschieben durfte (36.), schien Herisau auf gutem Weg. Vier Minuten später lenkte Gavrilovic aber eine Flanke Michels zum 1:1 ins eigene Tor, und wieder Gavrilovic beförderte einen Ball Guntersweilers (71.) mit dem Kopf unglücklich über Gysi zum 1:2 ins Netz. Er schien untröstlich, freute sich am Schluss extrem über den Punktgewinn. Ein gutes Spiel hatten die Gastgeber nicht gezeigt. Um genauer zu sein: Sie waren in der ersten halben Stunde feldüberlegen, verkrafteten aber offensichtlich den Ausgleich schlecht.

Der Trainer bleibt für 2017/18

Der Zusammenhang und der Schwung waren spätestens mit Beginn der zweiten Halbzeit aus ihren Reihen gewichen. Sehr viele «letzte» Pässe wurden zu wenig genau gespielt. Fabio de Souza wechselte nach einer Stunde zwei neue Angreifer ein, Torgefahr entwickelte seine Mannschaft aber lange keine mehr. Immerhin brachte der fünfminütige Unterbruch (79.) wegen Gewitters die Möglichkeit, sich in der Kabine nochmals Mut zuzusprechen. «So haben wir bis zuletzt gekämpft und sind belohnt worden», sagte der Brasilianer. Er wird auch in der nächsten Saison Trainer des FCH sein. «Der Verein und ich sind uns einig.»

Herisau – Bronschhofen 2:2 (1:1)

Ebnet. – 110 Zuschauer. – Sr. Schüepp.

Tore: 36. Nesci 1:0. 40. Gavrilovic (Eigentor) 1:1. 71. Gavrilovic (Eigentor) 1:2. 92. Di Nunzio 2:2.

Herisau: Gysi; Gavrilovic, Keller, Tasdelen, Kurzbauer; S. Looser (80. Ümit), D. Looser, Di Nunzio, Schmid; R. Schoch (62. Thaqi), Nesci (62. Höhener).

Bronschhofen: Hagmann; Sarantaenas, S. Ott, M. Ott, Cavegn; Michel (68. Guntersweiler), Maier, Kliebens, Flammer; Sewo (85. Schwager), Hanselmann (49. Hafner).

Bemerkungen: Herisau ohne Wieland (verletzt), Puopolo (Familie) und Zigerlig (gesperrt). Verwarnungen: 53. Nesci (Unsportlichkeit) und 89. Keller (Reklamieren). 79. fünfminütiger Unterbruch wegen Blitzschlägen.