FUSSBALL
Erstes Länderspiel der Fussballfrauen Liechtenstein mit Philipp Riedener an der Seitenlinie: Der Premieren-Coach aus Ausserrhoden

Die Fussballfrauen Liechtensteins absolvierten am Sonntag unter Philipp Riedener ihr erstes Länderspiel. Eine vorgezogene Premiere. Denn die erste offizielle Partie war erst für Juni geplant gewesen.

Lukas Pfiffner
Merken
Drucken
Teilen
Philipp Riedener ist seit dem Frühling 2019 beim liechtensteinischen Fussballverband angestellt.

Philipp Riedener ist seit dem Frühling 2019 beim liechtensteinischen Fussballverband angestellt.

Bilder: LFV/Daniela Porcelli

Eigentlich war die Premiere auf Ende Juni angedacht: Doppelländerspiel Liechtenstein gegen Gibraltar. «Durch die Anfrage des luxemburgischen Verbandes ergab sich die kurzfristige Möglichkeit, schon jetzt eine offizielle Partie auszutragen. Wir sagten zu, weil ja niemand wusste, wie es mit Corona weitergeht und ob die Gibraltar-Partien noch abgesagt werden», erzählt Philipp Riedener, Trainer der liechtensteinischen Frauen-Nationalmannschaft.

Am vergangenen Sonntag war es so weit. Die Fussballerinnen aus Liechtenstein schlugen sich achtbar, unterlagen in Ruggell 1:2. Für Luxemburg handelte es sich um das 53. Spiel auf dieser Stufe, für Liechtenstein um das erste. «Es war ein freudiger Moment für alle. Ich bin stolz auf das Team», sagt der Trainer, der in Lutzenberg wohnt.

«Wenn alle dabei sind, haben wir etwa Schweizer 1.-Liga-Niveau.»

Er muss es wissen, trainierte er doch während fast sieben Jahren die Frauen des FC Bühler und anderthalb Jahre jene des FC St.Gallen. Einzelne der Spielerinnen gehören dem Kader des FC St.Gallen-Staad an, eine dem FFC Vorderland in der höchsten österreichischen Liga. Lena Göppel spielt für die Universität ULM Warhawks in den USA.

Zweite Schlüsselfigur aus Ausserrhoden

Ende 2018 entstanden seine Kontakte zum Liechtensteinischen Fussballverband (LFV). Als Projekt «U19+» wurden nach Abschluss der U19-EM-Qualifikationsspiele Spielerinnen zusammengenommen und ein Kader gebildet. Es fanden Trainingsweekends unter Riedener statt – als eine Art «Probelauf», wie er sagt. Man wollte den jungen Frauen den Aufwand zeigen, der nötig ist, wenn man sich in grösserem Umfang als nur im Breitensport betätigt. Und schauen, wer bereit ist, den Weg mit dem Ziel «Aufbau einer Nationalmannschaft» zu gehen. Im Frühling 2019 bewarb sich Riedener beim Verband für das Amt des Nationaltrainers. Der LFV stellte ihn an. «Am Anfang machte mein Pensum 30 Prozent aus, jetzt ist es etwas grösser.» Vor zwei Jahren erfolgten einige inoffizielle Testspiele, 2020 wegen der Pandemie weniger. Oft ist Riedener im Austausch mit Selina Ruckstuhl, einer anderen liechtensteinischen Frauenfussball-Schlüsselfigur mit Ausserrhoder Hintergrund: Die langjährige Spielerin des FC Bühler hat die technische Leitung des liechtensteinischen Frauenfussballs inne, trainiert die U17-Mädchenauswahl und ist Riedeners Assistentin bei der Nationalmannschaft.

Das Frauen-Nationalteam des Nachbarlandes bei der Premiere gegen Luxemburg.

Das Frauen-Nationalteam des Nachbarlandes bei der Premiere gegen Luxemburg.

«Wir verkürzen den Winter»

Riedener hat bis vor kurzem in Rehetobel gearbeitet, am 1. Mai beginnt seine Teilzeit-Tätigkeit als Finanzverwalter in der Gemeinde Trogen. Im Beruf wie beim LFV ist er in einer Jahresarbeitszeit angestellt. «So kann ich gut planen und einteilen, je nachdem, ob im Fussball eine intensive oder etwas ruhigere Phase läuft», sagt der 44-Jährige. Zu seinen wichtigsten Aufgaben gehören die Organisation und die Durchführung der Zusammenzüge und der Teamtrainings. Zudem wird für die Spielerinnen, die im Breitensport aktiv sind, wöchentlich ein zusätzliches Training neben dem Verein angeboten, um die Förderung voranzutreiben. «Und wir verkürzen für einige Spielerinnen, fussballerisch gesehen, den Winter, wenn in ihren Vereinen noch wenig läuft.» Einen weiteren grossen Teil seiner Arbeit macht die Talentförderung aus – mit der Betreuung und der Unterstützung der Mädchen und jungen Frauen abseits des Fussballplatzes. «So schaue ich, dass sie die Schule oder den Beruf gut mit dem Sport verbinden können.» Und bei gewissen strategischen Fragen arbeitet Riedener im Verband mit.

Wettkämpfe auf Augenhöhe?

Ziel des Verbandes ist die Teilnahme an der Qualifikation für die Europameisterschaft 2023. «Da werden wir dann natürlich im schwächsten Topf eingeteilt und den anderen Nationen zugelost.» Vorher spekuliere man zudem ein wenig auf die Installierung einer Art «Nations League» nach Männervorbild. Das gäbe seinem Team die Möglichkeit, im untersten Niveau Wettkampfpraxis gegen Mannschaften auf Augenhöhe zu erhalten, sagt Riedener. Ob dieses Format 2022 tatsächlich auch bei den Frauen eingeführt wird, ist aber noch offen.