Fussball Appenzellerland
Nur ein Unentschieden zum Auftakt: FC Heiden muss das Gewinnen wieder lernen

Saisonstart im Regionalfussball: Geduld und ein junger Doppeltorschütze bei 3.-Liga-Absteiger Heiden.

Lukas Pfiffner
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Turbulenzen im Staader Strafraum mit dem Vorderländer Doppeltorschützen Samuel Fessler (Nummer 9) und seinem Bruder Raphael.

Turbulenzen im Staader Strafraum mit dem Vorderländer Doppeltorschützen Samuel Fessler (Nummer 9) und seinem Bruder Raphael.

Bild: Lukas Pfiffner

Vor dem Heimspiel gegen die zweite Mannschaft aus Staad wird auf der Gerbe geknipst. «Macht das Bänkli nicht kaputt!», hören die Spieler Heidens vom Medienverantwortlichen. Einer, der körperlich offenbar etwas zugelegt hat, wird in die hintere Reihe geschickt. Die Stimmung ist wie immer, wenn sich Fussballer zum Mannschaftsfoto aufstellen: entspannt und fröhlich.

Dabei hat sich Heiden mit einem 0:4 und 1:6 aus der 3. Liga verabschiedet, der erste Ernstkampf des Sommers ist im Cup mit 1:8 gegen Weinfelden verloren gegangen. «Diese Partie hatte keine Bedeutung. Es fehlten viele Spieler», sagt Trainer Yusuf Koru. Die Moral sei intakt, man habe sich mit fast unverändertem Kader gut vorbereitet und am Zusammenhalt gearbeitet.

Schnell, gross und erfolgreich

Yusuf Koru, Spitzname «Tschutsch», hat das Team kurz vor dem Saisonunterbruch im Herbst übernommen. «Wir hätten zur Rettung ein Wunder gebraucht.» Koru wird neu von seinem Bruder Gökhan assistiert und ist auch Trainer der F-Junioren. An der Hauptversammlung vom September wird er als Juniorenobmann abgelöst. «Sämi, mach mehr ohne Ball. Du bist viel schneller», ruft «Tschutsch» ins Feld. Gemeint ist die Nummer 9. Stürmer Samuel Fessler hat Jahrgang 2004 und fällt nicht nur wegen seiner 1,92 Meter auf.

Schon in der vergangenen Saison hat er zweimal getroffen, im Cupspiel war er einziger Torschütze. Nach 17 Minuten bringt Staads Goalie den Ball nicht unter Kontrolle, Fessler erläuft ihn und erzielt das 1:0. Einen Ballverlust De Cristofaros und einen Fangfehler Sturzeneggers später fällt überraschend der Ausgleich. Im Normalfall sei sein Goalie zuverlässig, wird Koru später relativieren.

Das Resultat fast ein Hohn

Heiden bleibt nach der Pause gefährlicher. Geduld ist gefragt. Zurufe deuten bald Frustration an. Koru fordert die Spieler auf, positiv zu bleiben. Der linke Staader Aufbauspieler, ein Brillenträger, verschafft sich zur Mitte der zweiten Halbzeit durch eine Körpertäuschung freie Schussbahn – aus dem Nichts gelingt das 1:2. Angesichts von Chancen, Spielanlage und Ballbesitz ist das Resultat fast ein Hohn. Das Wort «Schwimmen» ist als Selbsteinschätzung der Gästeverteidigung zu hören. Es spricht nicht eine sportliche Alternative an diesem heissen Samstag an, sondern ist Ausdruck der Überforderung.

In den Testspielen haben auch andere Spieler Tore geschossen. Aber diesmal muss es für Heiden Fessler richten. «Mach noch zwei!», ruft einer von der Bank. Nach einem weiten Pass scheitert er am Schlussmann. 20 Minuten vor Schluss vertändelt dieser den Ball: Fessler übernimmt ihn und schiebt zum 2:2 ein. Er hat schon schwierigere Treffer geschossen. Der 17-Jährige wird sich nach dem Spiel wie ein abgeklärter Profi äussern: «Man muss spekulieren und am richtigen Ort sein.» Die 81. Minute: Blicke zum Trainer – wer schiesst den Freistoss? «Du, Sämi, du!» Fessler platziert den Ball hoch, der Torhüter lenkt ihn über die Latte. Cleverness und Effizienz fehlen den Vorderländern. Äusserungen und Gesichter machen nach dem Schlusspfiff deutlich, welches Team mit der Punkteteilung weniger zufrieden ist. In Heiden wird aber nicht der sofortige Wiederaufstieg als Ziel formuliert. «Wir sehen uns im oberen Drittel dieser 4. Liga, wollen uns stabilisieren.» In den Saisons 2019/20 und 2020/21, die beide wegen Corona nur elf Partien umfassten, schaffte man jeweils gerade einen Sieg. «Heiden muss wieder lernen zu gewinnen», meint der Trainer.

Die übrigen Appenzeller Mannschaften

Die 1.-Liga-Frauen des FC Bühler verloren zum Saisonstart bei Kloten 1:2; Appenzells Frauen waren spielfrei. Herisau holte bei der Rückkehr in die 2. Liga mit einem 2:2 in Schluein einen Punkt. In der 3. Liga unterlag Appenzell auswärts Neckertal-Degersheim 1:2, während Teufen Besa 4:2 besiegte. In der 4. Liga setzte sich Urnäsch gegen Jedinstvo 4:1 durch. Speicher kam bei Fortuna zu einem 1:1, und Teufen-Bühler verlor bei der zweiten Mannschaft Herisaus 0:3. (pf)

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