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Fundus für Fundstücke

Die Winterpause ist vorbei: Ab sofort hat die Brockenstube Wolfhalden wieder regelmässig geöffnet. Viele Kundinnen und Kunden kommen nicht aus der Gemeinde, denn Besucher der Brockenstuben schätzen eine gewisse Anonymität. Eine Reportage von Roger Fuchs.
Roger Fuchs

WOLFHALDEN. Bernhard Schmid aus Heiden strahlt. Soeben hat er in der Brockenstube Wolfhalden einen Kauf getätigt, der ihn in Erinnerungen schwelgen lässt: Ein Bild von der Ausserrhoder Landsgemeinde in Hundwil. 15 Franken sei dafür verlangt worden. «20 Franken habe ich gegeben», sagt Schmid, der ursprünglich aus dem innerrhodischen Oberegg stammt. Seine Frau aber sei eine Ausserrhoderin. Zudem habe er zu Hause bereits eine Panoramaaufnahme von der einstigen Ausserrhoder Landsgemeinde. Das neue Bild kommt als Ergänzung hinzu.

So wie Bernhard Schmid erging es am Mittwochnachmittag vielen: Die Brockenstube Wolfhalden lädt ein zum Stöbern, Suchen, Feilschen. Ein siebenköpfiges Team sorgt für einen reibungslosen Betrieb. Sorgfältig ist während der Winterpause alles sortiert und säuberlich eingereiht worden: Tassen, Teller, Spiele, Bücher, Bilder, Kleider, Tücher, Schränke und vieles mehr. «Es ist das schönste Brocki, das wir kennen», sagen Charlotte Weishaupt und Dieter Huber aus der Region Basel. Sie verbringen oft Ferien im Vorderland und würden dabei jedesmal im Brockenhaus Wolfhalden vorbeischauen. Huber: «Soeben haben wir ein altes Büchergestell reservieren lassen.»

Untergebracht in Stall

Am längsten zum Brocki-Team gehört Ruth Zogg. Drei Jahrzehnte engagiert sie sich bereits. Organisiert ist die Brockenstube als Verein. Im Laufe der gut fünfzigjährigen Geschichte hat man verschiedene Standorte innegehabt. Seit rund 20 Jahren findet sich die Brockenstube in der Nähe des Gasthofs Krone in einem einstigen Stall. «Diesen haben wir von der Gemeinde im Baurecht für 99 Jahre erhalten», sagt Zogg. Doris Kugler, seit fünf Jahren dabei, hält fest, dass mit den Einnahmen wohltätige Zwecke unterstützt werden. Beispielsweise würden sie regelmässig für die Aktion «Ostschweizer helfen Ostschweizern» spenden. Auch Bedürftige in der Region werden bedacht.

Zogg wie auch Kugler sprechen von einem grossen Stammkundenkreis. Allerdings: Während häufig Leute aus der Gemeinde Utensilien zum Kauf abgeben, setzt sich die Käuferschaft überwiegend aus Auswärtigen zusammen. «Die Leute schätzen eine gewisse Anonymität, wenn sie eine Brockenstube besuchen», begründet Kugler.

Gegen Kaufwahn

Während Toni Heeb – ebenfalls ein Mitarbeiter – mit dem Brocki-Kleinbus vorfährt und zuvor eingesammelte Massagematten, Pfannen und einen Katzenkorb auslädt, interessiert sich in der Geschirrabteilung eine adrett gekleidete Kundin aus Teufen für die in einem Glas gelagerten Murmeln. 15 Franken zahlt sie dafür und erzählt sodann, dass sie sich mit dem Besuch des Brocki gegen den allseits vorherrschenden Kaufwahn wehre. Viel lieber investiere sie ihr Geld in die Bildung der Kinder. Ganz andere Interessen mit seiner Anwesenheit in der Brockenstube verfolgt Remo Egelhofer aus Montlingen. Er sammelt alte Postkarten und ist immer auf der Suche nach entsprechender Literatur. «Beispielsweise kann ich anhand alter Autonummernbücher eruieren, wo ein altes, auf einer Postkarte zu sehendes Auto im Einsatz war», sagt Egelhofer.

Schwierige Suche nach Jungen

Ruth Zogg zeigt sich hoch zufrieden mit dem ersten Öffnungstag nach der Winterpause. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass diese hohen Frequenzen jeweils nicht über die ganze Sommerzeit anhalten würden.

Im Obergeschoss der Brockenstube, wo sich Stühle, Schuhe oder Tische finden, kommt Mitarbeiterin Kija Tobler auf die Zukunft zu sprechen. Die derzeitigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien nicht mehr die Jüngsten. Auch sie gehöre seit 25 Jahren zum Brocki-Team. «Mit der Zeit wird es Junge brauchen, die unsere Arbeit fortführen. Doch diese wollen Lohn», beschreibt sie die schwierige Suche nach Nachwuchs. À propos Junge: Eine solche ist dann plötzlich doch auch am Werken. Doch Nadine Eugster ist kein Brocki-Team-Mitglied, sondern das Gottenkind von Mitarbeiterin Doris Gähler. Eugster zerlegt im Freien einen Tisch, weil sie diesen mitnehmen wird.

Wo man auch hinschaut: Im Brockenhaus Wolfhalden herrscht Leben, es ist stilles und unaufgeregtes Kommen und Gehen – manchmal mit und manchmal ohne Fund.

Öffnungszeiten der Brockenstube Wolfhalden: Immer am ersten Samstag im Monat von 9 bis 11 Uhr. Und jeden Mittwoch 13.30 bis 16 Uhr.

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