Fürchtet euch vor den Appenzellern

Lieber «Brosmete»-Leser, stellen Sie sich einen Sonntagsspaziergang mit Ihren Liebsten vor. Sie flanieren durch den Schlosspark Sanssouci. Hohe Bäume, gleissende Sonne, und zwei ihrer Kinder laufen an der Hand. Was für ein Tag.

Philipp Langenegger
Drucken
Teilen
Bild: Philipp Langenegger

Bild: Philipp Langenegger

Lieber «Brosmete»-Leser, stellen Sie sich einen Sonntagsspaziergang mit Ihren Liebsten vor. Sie flanieren durch den Schlosspark Sanssouci. Hohe Bäume, gleissende Sonne, und zwei ihrer Kinder laufen an der Hand. Was für ein Tag. Plötzlich, aus dem Nichts hören Sie von hinten: «Blödes Arschloch!» Erschrocken drehen sie sich um. Die Kinder sind auch paff. Sie sehen einen Mann und sein iPhone. Sie müssen feststellen, dass Sie ihm versehentlich durch sein Fotosujet gelaufen sind. Eine Statue mit einer Friedenstaube. Sie schauen zu dem Mann, der nochmal ein gehässiges «Arschloch» zu Ihnen wirft. Herrgott, versucht man nicht ständig als Familienvater diese bösen Wörter aus dem alltäglichen Wortschatz der Kinder zu verbannen. Und jetzt so was. Gopferdeckel, wie soll man da reagieren?

Möglichkeit 1: Sie gehen mit den Kindern auf den Mann zu, ganz nah, obwohl Sie hochschauen müssen, und brüllen ihn an: «Schoofseckel!»

Möglichkeit 2: Sie rennen mit den Kindern aus der Gefahrenzone und werfen alle mit grossen Tannzapfen auf den bösen Mann.

Möglichkeit 3: Sie entschuldigen sich in aller Form im Namen der ganzen Familie, Sie wollten natürlich nicht in sein Foto reinlaufen und hätten es wirklich nicht gesehen und zücken als Entschädigung den Geldsäckel.

Lieber «Brosmete»-Leser, wie würden Sie wählen? Richtig. Nicht nachdenken. Hetocht. Die stärksten Waffen des Appenzellers sind stets dabei. Die Schlagfertigkeit in der linken und der Witz in der anderen.

Ich lächle den unfreundlichen Mann an und rufe sehr zur Freude der ganzen Familie: «Freut mich, Langenegger!»