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«Fürchten sich die Menschen in Island vor Vulkanen?»

Antwort aus Island
Katrin Keller
Fast wie ein Vulkan. Objekt der digitalen Fotografie. (Bild: PD)

Fast wie ein Vulkan. Objekt der digitalen Fotografie. (Bild: PD)

Die Isländerinnen und Isländer wissen, dass nicht die Frage ist, ob hier ein Vulkan ausbricht, sondern wann. Vulkanausbrüche werden durch eine Verdichtung von Erdbeben angekündigt. Diese entstehen vor allem durch Magma, das in die unterirdischen Kammern der Vulkane fliesst, den Druck erhöht und die darüber liegenden Gesteins- und Eisschichten bewegt. Aktuell werden in drei der grossen isländischen Vulkanen hohe seismische Aktivitäten aufgezeichnet, die laut Geologen auf kommende Eruptionen hinweisen können. Erdbebenschwärme werden in den von Gletschern bedeckten Vulkanen Katla, Bárðarbunga und Öræfajökull gemessen. Der Vulkan Katla bricht durchschnittlich alle 60-80 Jahre aus. Der letzte Ausbruch fand 1918 statt, eine Eruption ist überfällig.

Im Alltag auf dem Land sind jedoch nicht die Vulkane, sondern eher der Fischfang das vorherrschende Thema. Wo hat wer wie viel Fisch gefangen? Wie ist die Fangquote im Vergleich zum letzten Jahr? Welche Fische halten sich wo auf? In Reykjavik wird zurzeit vor allem über die politischen Skandale und die eben durchgeführten Wahlen, die Touristen, die Wirtschaftslage und die steigenden Preise diskutiert.

Schlagzeilen wie «Katla, Iceland’s most powerful volcano moved to yellow alert» (29.7.2017) «Icelands Volcano Bárðarbunga may be ready to erupt» (2.11.2017) werden meinem Eindruck nach mit Ehrfurcht, Besorgnis aber auch Faszination aufgenommen. So wie über angekündigte Stürme, die aktuelle Kälte oder Gletscherschmelzen gesprochen wird, wird auch die erhöhte Alarmstufe der aktiven Vulkane thematisiert.

Die Dunkelheit im Winter, Schnee, Nebel, Stürme, Erdbeben und Vulkanausbrüche im spärlich besiedelten Island verzeihen keinen Leichtsinn. Um zu überleben, haben sich die Menschen hier der Natur anpassen müssen. Das Wetter zu studieren, bevor man etwas unternimmt, ist selbstverständlich und kann immer noch lebenswichtig sein. Die staatliche isländische Wetterseite «vedur.is» veröffentlicht in Echtzeit die detaillierten Strassenzustände der ganzen Insel, Windgeschwindigkeiten, Niederschläge, Temperaturen, Erdbeben und gegebenenfalls Vulkanausbrüche. Die aktiven Vulkane werden überwacht, ein Ausbruch sollte auf Stunden genau vorhersehbar sein. Meinem Eindruck nach fürchten sich die Isländerinnen und Isländer im Alltag nicht vor den Vulkanen. Vielmehr scheint mir, dass sich die Menschen hier ihrer Unterlegenheit gegenüber der Natur sehr bewusst sind und grossen Respekt vor der Gewalt der Vulkane haben. Sie sind gut vorbereitet, sehr effizient und solidarisch, wenn es darum geht, Menschen und Tiere wegen eines Ausbruchs in Sicherheit zu bringen.

Katrin Keller

Katrin Keller ist Stipendiatin des Artist in Residence Stipendiums (AiR) der Ausserrhodischen Kulturstiftung. Von Juli bis November 2017 arbeitet sie in Island. Einmal im Monat beantwortet sie eine Frage mit einem Bild und einem kurzen Text. Lesende können Fragen zu ihrer Arbeit in Island stellen. Fragen per Mail mit dem Vermerk «Island» an: mail@ar-kulturstiftung.ch schicken.

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