«Für uns stimmt es, wie es ist»

Familie Franziska und Werner Manser aus Dietfurt wurde am Montagabend in der «Fabrik» in Ebnat-Kappel der Fokuspreis 2015 der Schweizerischen Alzheimerstiftung überreicht. Der Anerkennungspreis ist mit 2000 Franken dotiert.

Urs M. Hemm
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Werner und Franziska Manser berichten im Gespräch mit Cristina De Biasio von der Alzheimervereinigung von ihrem Alltag (von links). (Bilder: Urs M. Hemm)

Werner und Franziska Manser berichten im Gespräch mit Cristina De Biasio von der Alzheimervereinigung von ihrem Alltag (von links). (Bilder: Urs M. Hemm)

DIETFURT/EBNAT-KAPPEL. Bescheiden sitzen sie da. Es scheint beinahe, als sei ihnen die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird, unangenehm. Aber dennoch strahlen Franziska und Werner Manser aus Dietfurt eine innere Zufriedenheit aus, während sie aus ihrem Alltag erzählen. Dieser besteht seit 2003 in der Pflege und Betreuung der an Demenz erkrankten Mutter und des betagten Vaters, die dank des Einsatzes von Schwiegertochter und Sohn nach wie vor zu Hause leben können (siehe Kasten). Für dieses selbstlose Engagement wurden sie am Montagabend an einer Feier in der «Fabrik» in Ebnat-Kappel von der Schweizerischen Alzheimervereinigung St. Gallen/AR/AI (ALZ) mit dem Fokuspreis 2015 geehrt. Dieser Preis wird an Personen oder Organisationen vergeben, die sich in besonderer Art und Weise für die Anliegen von Betroffenen und deren Angehörigen einsetzen.

100 Stunden pro Monat

In einem Interview mit Cristina De Biasio, Vorstandsmitglied ALZ, beschrieb Werner Manser eindrücklich einen ganz normalen Tagesablauf, wie sie ihn mit Mutter und Vater erleben. Dieser beginnt frühmorgens mit aufwecken, waschen und ankleiden und endet erst gegen 21 Uhr oder 21.30 Uhr, wenn der Abwasch vom Abendessen, der Haushalt gemacht und die Eltern im Bett sind. Unterstützt werden Mansers dabei von der lokalen Spitex, ohne die eine Betreuung in den eigenen vier Wänden wohl kaum machbar wäre. Zudem bringt der Mahlzeitendienst jeweils das Mittag- sowie das Nachtessen.

Die Dienste der Spitex beschränken sich jedoch mehrheitlich auf die Betreuung. Einen grossen Teil des Haushalts, Einkäufe oder regelmässige Arztbesuche besorgen Franziska und Werner Manser mit ihren Eltern selbst. «Es ist viel Arbeit», räumt Franziska Manser ein, «aber für uns stimmt es so, wie es ist.» Sie könne auch Angehörige gut verstehen, welche ihre Verwandten in ein Alters- und Pflegeheim geben. «Je nach Lebenssituation ist das für alle Beteiligten die beste Lösung», sagte sie. Denn sie würden rund 100 Stunden pro Monat auf die Betreuung und Pflege ihrer Eltern verwenden.

Funktionierendes Netzwerk

Mansers können aber nicht nur auf die Hilfe der Spitex zählen. «Damit wir alles stemmen können, ist ein ganzes Netzwerk nötig», sagte Werner Manser. Dazu gehöre neben ihren Kindern vor allem die ALZ-Angehörigengruppe, Wattwil, die jederzeit Halt gebe. Es sei denn auch die Leiterin der Gruppe, Rita Gross, gewesen, welche Mansers für den Anerkennungspreis vorgeschlagen habe. Nicht zuletzt auch darum, «weil es wohl wenige Schwiegertöchter gibt, die sich auf diese Art und Weise um die Schwiegereltern kümmern», mutmasst Franziska Manser. Eine grosse Stützte sei auch der Hausarzt Andreas Rohner aus Ebnat-Kappel, der alles dafür tue, dass Werner Mansers Eltern weiterhin zu Hause bleiben können. Nicht zuletzt verschaffe ihnen der Entlastungsdienst ab und zu Luft, um auch selbst wieder Energie tanken zu können. «Wir wünschten uns aber dennoch eine Tagesstätte im Toggenburg, in deren Obhut wir unsere Eltern ab und zu geben könnten», sagte Franziska Manser.

Mehr Beachtung schenken

Als sie von der Preisverleihung erfahren hatten, sei das erste Gefühl Freude gewesen. «Natürlich fühlen wir uns auch geehrt, aber wir sind einfach in diese Situation hineingewachsen und kennen mittlerweile nichts mehr anderes – es ist und war selbstverständlich für uns», sagte Werner Manser. Dies obwohl sie anfangs von der Situation völlig überrumpelt worden waren. «Es gab verschiedene Situationen, die uns vielleicht etwas stutzig gemacht haben.» Aber sie wären nie auf Demenz gekommen, bis ein Test im Spital genau diese Diagnose des damaligen Hausarztes bestätigt habe, erinnert sich Franziska Manser. «Das hat uns gelehrt, aufmerksam zu sein und aufeinander acht zu geben.»

Über die Verwendung des Preisgeldes von 2000 Franken hätten sie sich noch keine Gedanken gemacht. «Aber wir werden es ganz bewusst für uns ausgeben», so Werner Manser.