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Für Lösungen im Gespräch bleiben

Am Sonntag ist in Teufen eine Ausstellung eröffnet worden, die «das Werk der Baumeisterfamilie Grubenmann unter die zeitgenössische Lupe» nimmt. Im Zentrum stehen Dachstühle von Grubenmann-Kirchen.
Hanspeter Spörri
Grubenmann-Dachstühle und künstlerische Lattenkonstruktionen: Nicht berechnet, sondern am Modell getestet. (Bild: PD)

Grubenmann-Dachstühle und künstlerische Lattenkonstruktionen: Nicht berechnet, sondern am Modell getestet. (Bild: PD)

Ueli Vogt, Kurator des Grubenmann-Museums und Ausstellungsmacher im Zeughaus Teufen, stellt Bekanntes gern in einen ungewohnten, manchmal irritierenden Rahmen, um neue Sichtweisen zu ermöglichen. Besonders gut gelungen ist dies im Zusammenhang mit dem «Projekt Grubenmann». Die am Sonntag eröffnete Ausstellung nimmt das «Werk der Baumeisterfamilie etwas genauer unter die zeitgenössische Lupe», wie der Einladungs-Flyer verspricht. Im Zentrum stehen die Dachstühle von Grubenmann-Kirchen. Studierende der EPFL (École polytechnique fédérale de Lausanne) unter der Leitung von Professor Yves Weinand haben diese als Modelle nachgebaut, «um das Wesen der jeweiligen Konstruktion zu verstehen und zu erspüren», wie Ueli Vogt an der Vernissage sagte. Darauf basierend haben sie eigene Entwürfe entwickelt. Und ebenfalls auf die Modelle sich abstützend, hat Yves Weinand die Grubenmann-Dachstühle in drei Kategorien eingeteilt. Im Ausstellungskatalog werden die technische Typisierung und die studentischen Entwürfe ausführlich beschrieben.

Der Lausanner Professor ist nicht nur Direktor des Ibois (Forschungslabor für Holzkonstruktionen an der EPFL Lausanne), sondern leitet auch ein eigenes Ingenieur-, Architektur- und Beratungsunternehmen für Holzbau in Lüttich, Belgien. Nach Teufen geführt hat ihn sein Interesse an historischen Holzbauten. Wie er einleitend im Ausstellungskatalog schreibt, bieten die Grubenmann'schen Dachstühle «ein anschauliches Beispiel dafür, dass die Berufe des Ingenieurs und des Künstlers damals identisch sein konnten und dass die Erfindungen der «Künstler-Ingenieure» im Zeitalter des Barock tatsächlich technische und künstlerische Kenntnisse gleichermassen erforderten und repräsentierten.

Kunst in umgekehrter Funktion

Kunst, sagte Ueli Vogt in seiner Vernissagerede, sei eine Methode, um etwas Eigenständiges und bis anhin noch nie Gemachtes zu entwickeln. Beim Projekt Grubenmann nutze er sie in umgekehrter Funktion: um vermeintlich Bekanntes – die Grubenmann-Bauten – zu entschlüsseln und «unser Denken in Schwung zu bringen». Ingenieur- und Architekturwerke entstehen laut Ueli Vogt oft durch Abwägen von objektiv Berechenbarem und subjektiv-ästhetischen Betrachtungen, basierten also auf zwei Wertesystemen, die sich kaum miteinander vergleichen liessen und deshalb immer von Neuem ein Aushandeln erforderten.

Den passenden sprachlich-gestalterischen Beitrag lieferte dazu der Künstler Alex Hanimann, Professor für Visuelle Kommunikation an der Zürcher Hochschule der Künste. Die weissen Buchstaben seines Schlüsselsatzes verlaufen auf einem Lattenrost über der Ausstellung. Sie enthalten eine Wahrheit, die handwerklich Tätigen sofort einleuchtet und eigentlich auch in der Politik Gültigkeit haben sollte: «Wir müssen reden, wir müssen im Gespräch bleiben und wir werden eine Lösung finden.» Diese Worte, im Original in englischer Sprache, hätten wohl auch das Motto der Baumeister Grubenmann sein können, denn sie waren vor allem eines: geschickte Problemlöser mit ästhetisch-praktischem Sinn.

Am Modell getestet

Die von Studenten geschaffenen fragilen Modelle der Grubenmann-Dachstühle werden in der Ausstellung getragen von improvisiert wirkenden Holzkonstruktionen der Künstlergruppe FMSW (Lina Faller, Marcel Mieth, Thomas Stüssi und Susanne Weck) – ein Gegensatz zur Professionalität der Dachstuhl-Modelle; ein Hinweis darauf, dass auch die Entwürfe der Baumeister Grubenmann nicht berechnet, sondern am Modell getestet waren und auf früher gebauten Objekten, auf Beobachtung, Erfahrung und Kombination basierten.

Typisch für Teufner Zeughaus-Ausstellungen ist auch die Textprojektion von Cristina Witzig. Sie kombiniert Sätze aus der Grubenmann-Fachliteratur zufällig mit immer wieder anderen Aussagen der Grubenmann-Spezialistin Rosmarie Nüesch-Gautschi. Dadurch entstehen ständig neue Verbindungen, witzig, absurd, (un-)sinnig. Schliesslich die Skulpturen von Monika Spiess, die an Architekturmodelle erinnern – oder erinnert Architektur nicht viel mehr an Skulptur?

Vortrag von Professor Yves Weinand am Sonntag, 20. November, 14 Uhr, im Zeughaus Teufen

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