Für Kälber ab sofort geschlossen

Gestern ist eine 200 Jahre alte Tradition zu Ende gegangen. Auf dem Ebnet in Herisau fand zum letztenmal der traditionelle Kälbermarkt statt. Nie mehr werden die Stimmen zu hören sein: «Chomm hoi hoi, chomm lauf schö, lauf!» oder «220 Kilo, wer macht es Angebot?».

Esther Ferrari
Drucken
Teilen
Bild: Esther Ferrari

Bild: Esther Ferrari

Gestern ist eine 200 Jahre alte Tradition zu Ende gegangen. Auf dem Ebnet in Herisau fand zum letztenmal der traditionelle Kälbermarkt statt. Nie mehr werden die Stimmen zu hören sein: «Chomm hoi hoi, chomm lauf schö, lauf!» oder «220 Kilo, wer macht es Angebot?». Die meisten anwesenden Bauern, Händler oder Kälbermäster bedauern den Entscheid des Bundesamts für Landwirtschaft. «Schade, man trifft sich nicht mehr, man ist nicht mehr informiert», sagen die einen. «Es gibt keine Transparenz mehr!» – «Die Bauern merken erst, wenn es einmal schlechter läuft, dass sie keinen Einfluss mehr auf die Preise haben!» – «Ein Stück ländliche Kultur weniger! Die Leute vereinsamen!» Früher waren an Markttagen die Wirtschaften in Herisau rund um den Ebnet voll. Viehhändler stellten ihre kleinen Transporter auf den Platz, ohne abzuschliessen, liessen oft gar die Schlüssel stecken. Am letzten Freitagmorgen standen schon früh grosse Viehtransporter auf dem Platz. Mehr als 200 Kälber wurden in der Chälblihalle gewogen und kontrolliert. «Es ist ja schlimm, wie die Tiere hin- und hergezerrt werden», sagt jemand. «Ach wo, den Kälbern macht das bisschen Bewegung nichts.» Man hört Autos und Camions an- und abfahren, hört, wie die Tiere ein- und ausgeladen werden. Liegt ihr Fleisch schon nächste Woche auf dem Tisch? Das ist Insiderwissen. «Da ist nur noch das Geschäftsinteresse, das zählt.» – «Di Chline händ nütz me z säge! Abgroomed händ gliich no die Grosse.» – «Wir leben nicht mehr wie vor hundert Jahren.» – «Man muss mit solchen Veränderungen fertig werden.» Wer Fragen stellt, bekommt verschiedene Antworten zu hören. «Chonnsch au ad Beerdigung?», ruft einer einem andern zu. Beerdigung? Erinnerungen tauchen auf. «Min Vater isch scho an Chälbermart, i bi gange ond mini Junge au», sagt ein Bauer. Wehmut liegt in der Luft.

Aktuelle Nachrichten