Für jedes Leiden ein Wundermittel

LICHTENSTEIG. Hängt der Haussegen schief, ist dies ein schlechtes Zeichen für das Familiengeschick. Vielleicht hilft da eine Kette aus geschnitzten Feigenhänden um den bösen Blick abzuwenden oder ein Karfreitagsei im Dachstock, das vor Unbill schützt. Das Toggenburger Museum stellt all diese Dinge aus.

Katharina Rutz
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Wehe der Frau, die den Test mit dem Hexenschlüssel nicht bestand.

Wehe der Frau, die den Test mit dem Hexenschlüssel nicht bestand.

Als typisch für das Toggenburg weiss Hans Büchler, Kurator des Toggenburger Museums, keinen der manchmal skurrilen Gegenstände der aktuellen Spezialausstellung zu bezeichnen. Dass die magischen und religiösen Praktiken und Objekte jedoch auch im Toggenburger Volk in früheren Zeiten verbreitet waren, sei unbestritten. So konnte die Privatsammlung von Peter Schaps vom Ortsmuseum Rüthi mit Dingen aus dem Toggenburger Museum leicht ergänzt werden.

Von den Wundermitteln – seien diese nun magisch oder religiös – versprach man sich Schutz und Heilung. Die Wattwiler Ethnologin Christelle Wick hat die Ausstellung unter dem Titel «Haussegen und Hexenschlüssel: Wunderglaube in früherer Zeit» neu gestaltet und einige Objekte im Kontext neu inszeniert. So steht ein Bett und ein Kinderwagen in der Ausstellung und ein Aberglaube-Test soll das Thema Volksglaube auch als aktuelles Phänomen sichtbar machen. Heute Abend wird die Ausstellung anlässlich der Lichtensteiger Museumsnacht eröffnet.

Bereits am Mittwoch wurde sie den Medien vorgestellt.

Hexen und Madonnen

Auch im Toggenburg gab es im 17. Jahrhundert Hexenverfolgungen. Barbara Rigoltin zum Beispiel hinterliess reichlich Gerichtsakten von 1650. Sie soll mit lobenden Worten einem Mädchen über die Haare gefahren sein, die ihm danach alle wie verhext ausfielen. Gemäss Volksglauben konnten sich die Hexen tarnen. Man brauchte also ein Mittel diese zu erkennen. Mit Kreuzbartschlüsseln war das möglich.

«Auch im Toggenburger Museum finden sich viele davon», sagt Hans Büchler. Sie seien damals im Alltag häufig verwendet worden. Blickte man während der Weihnachtsmesse durch das kreuzförmige Loch des Schlüssels und begann das Auge zu flimmern, hatte man eine Hexe vor sich.

Christliche Haussegen mit Segenssprüchen und Reimen schützten vor Diebstahl, wurden Sterbenden unter den Kopf und Gebärenden auf den Bauch gelegt. Hing der Haussegen schief, war dies gleichbedeutend mit Streit und Missgunst im Heim.

Gegen Krankheiten waren zu früheren Zeiten Glaubens-Arzneien von Wallfahrtsorten üblich. Diese Allheilmittel wurden wie heute Notfalltropfen oder Aspirin einverleibt und wirkten wohl ähnlich wie ein Placebo. Eine solche Arznei waren die Schabmadonnen. Sie bestanden aus gebranntem Ton. In Einsiedeln wurden solche verkauft, denen Mörtel aus der Gnadenkapelle und Reliquienpartikel beigemischt wurden und die als besonders heilkräftig galten. Bei Problemen wurden diese Madonnen abgeschabt und das Pulver in Flüssigkeit aufgelöst eingenommen.

Auch im Bestand des Toggenburger Museums befand sich eine relativ grosse Schabmadonna (siehe Bild).

Und um für all die Einkäufe an Reliquien und Arzneien aufzukommen, gab es auch ein Mittel. Eine Dachspfote als Amulett sollte das Geld in die Börse schaufeln.

Aberglaube testen

Und wie sieht es mit dem Aberglauben heute aus? Einige der ausgestellten Objekte sind gar heute noch aktuell. So stehen Bernsteinketten im Ruf, den Babies das Zahnen zu erleichtern.

Und wer hält es nicht für einen glücklichen Wink des Schicksals, ein vierblättriges Kleeblatt zu finden? Wer schiebt Unglück gerne dem Freitag, dem dreizehnten in die Schuhe? Die Besucherinnen und Besucher der Sonderausstellung können testen, wie es um ihren Aberglauben bestellt ist. Der Aberglauben-Test gibt darüber Auskunft und informiert gleichzeitig über Volksförmmigkeit, Wunderglaube, Krankheiten und magische Mittel.

Die Sonderausstellung «Haussegen und Hexenschlüssel: Wunderglaube in früherer Zeit» im Toggenburger Museums ab 17 Uhr. Jeweils um 18, 20 und 22 Uhr findet ein Orgelkonzert mit Christoph Mauerhofer statt. Dazwischen gibt es kostenlose Führungen durch die Ausstellung jeweils um 19, 21, 23 und 24 Uhr.

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