Für Inge Schmid stehen die Sterne plötzlich günstig

Seit dem Wochenende scheint die Ausgangslage klar: Bei der Ersatzwahl für Regierungsrätin Marianne Koller am 12. Februar dürfte es zum Dreikampf zwischen Dölf Biasotto (FDP), Inge Schmid (SVP) und Peter Gut (pu) kommen. Wer das Rennen machen wird, ist schwer vorherzusagen.

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Appenzeller (Bild: Patrik Kobler)

Appenzeller (Bild: Patrik Kobler)

Seit dem Wochenende scheint die Ausgangslage klar: Bei der Ersatzwahl für Regierungsrätin Marianne Koller am 12. Februar dürfte es zum Dreikampf zwischen Dölf Biasotto (FDP), Inge Schmid (SVP) und Peter Gut (pu) kommen. Wer das Rennen machen wird, ist schwer vorherzusagen. Früher war es in der Ausserrhoder Politik fast wie im Fussball. Am Ende gewinnt immer Deutschland beziehungsweise die FDP. Das ist freilich nicht mehr so.

Die FDP hat ihr Sieger-Image eingebüsst, seit sie mit Ueli Strauss (Gemeindepräsident Herisau), Monica Sittaro (Regierungsrat) und Markus Bänziger (Nationalrat) in kurzer Folge drei krachende Wahlniederlagen kassiert hat. Die Freisinnigen werden sich steigern müssen, wenn sie den Sitz von Marianne Koller verteidigen wollen. Fraglich ist, ob das die FDP auch schon gemerkt hat. An der Nominationsveranstaltung hat Biasotto jedenfalls bereits einen Blumenstrauss erhalten – ganz so, als sei er bereits gewählt. Dabei ist noch ein hartes Stück Arbeit nötig. Denn der 55-Jährige bekommt es mit starken Herausforderern zutun.

Wobei man Inge Schmid noch vor wenigen Wochen eher geringe Wahlchancen zugestanden hätte. Sie hat es 2013 schon einmal probiert und die Wahl in den Regierungsrat nicht geschafft. Gegen Paul Signer zog sie deutlich den Kürzeren; rund 2500 Stimmen betrug die Differenz zwischen ihr und dem damaligen Herisauer Gemeindepräsidenten. Zudem schien die alte Garde um Edgar Bischof, Inge Schmid und Köbi Frei innerhalb der Partei auf dem Rückzug zu sein, seit die jungen Wilden aus Herisau auftrumpften und mit Renzo Andreani das Gemeindepräsidium in Herisau und mit David Zuberbühler den Ausserrhoder Nationalratssitz holten. Weil sich bei der FDP aber keine Kandidatin zur Verfügung stellte, stehen für Inge Schmid die Sterne plötzlich günstig. Nur wenn die 56-Jährige gewählt wird, werden die Frauen weiterhin im Regierungsrat vertreten sein. Ansonsten würde Appenzell Ausserrhoden mit dem Tessin und Luzern zu den Kantonen mit einer reinen Männerregierung gehören – diese Zeiten schienen eigentlich bereits überwunden. Inge Schmid ist aber nicht nur eine Frau. Sie bringt auch andere Qualitäten für das Amt mit. So verfügt sie als Gemeindepräsidentin von Bühler über Exeku­tiverfahrung. Ausserdem ist sie Präsidentin der Gemeindepräsidienkonferenz.

Exekutiverfahrung kann auch der parteiunabhängige Peter Gut vorweisen. Der ehemalige Präsident der Staatswirtschaftlichen Kommission und aktuelle Ratspräsident ist einer der profiliertesten Kantonsräte. Mit seiner Kandidatur könnte sich das Szenario der letzten Nationalratswahl wiederholen. Damals holte SP-Kandidat Jens Weber auch in der Mitte viele Stimmen – zum Leidwesen von Markus Bänziger. Der 58-jährige Sozialarbeiter und Leiter des Rehabilitationszentrums Lutzenberg wird im linken Lager punkten, aber auch in der Mitte. Mit seiner kernigen Art erinnert Gut bisweilen an den verstorbenen Volksschauspieler Matthias Gnädinger. Biasotto wirkt dagegen seriös wie ein Tagesschausprecher.

Der kurze Wahlkampf verspricht also spannend zu werden. Was ihn erst recht spannend macht: Die SP hat gestern mitgeteilt, dass sie Dölf Biasotto unterstützen wird.