Für einmal Freude auf dem Friedhof

WATTWIL. Am Samstag wurde in Wattwil die neue Aufbahrungs- und Abdankungshalle offiziell eröffnet und eingesegnet. Vertreter der Gemeinde sowie der katholischen und der evangelischen Kirche zelebrierten den Einsegnungsakt zusammen mit vielen interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Barbara Anderegg
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Die neue Aufbahrungs- und Abdankungshalle in Wattwil wurde am Samstagnachmittag feierlich eröffnet und eingesegnet. (Bild: Barbara Anderegg)

Die neue Aufbahrungs- und Abdankungshalle in Wattwil wurde am Samstagnachmittag feierlich eröffnet und eingesegnet. (Bild: Barbara Anderegg)

Ein eher aussergewöhnliches Bild bot sich am Samstagnachmittag auf dem Friedhof. Im November 2009 hatten die Wattwilerinnen und Wattwiler dem Kredit für den Bau einer neuen Aufbahrungs- und Abdankungshalle zugestimmt. Nun konnte sie ihrer Bestimmung übergeben werden. Wo gewöhnlich Trauernde Abschied von Verstorbenen nehmen wurde angestossen, gelacht, geplaudert und interessiert besichtigt.

Mitten im Leben

Diesen Umstand nahm auch der Gemeinderat Hanspeter Schumacher in seiner Eröffnungsrede auf. «Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben», zitierte er den St. Galler Mönch Notker Balbulus.

Dass in Wattwil der Friedhof und damit auch die neue Abdankungshalle noch immer mitten im Dorf seinen Platz habe, gehe auf einen Entscheid der Bürgerschaft im Jahre 1979 zurück. Damals sei eine Verlegung des Friedhofs raus aus dem Dorf, hinauf in den Hummelwald zur Debatte gestanden. Die Bevölkerung habe sich aber für eine Sanierung des bestehenden Friedhofs entschieden und damit für einen Friedhof «mitten im Leben». Auch die Abdankungshalle sei letztlich ein Ort für die Lebenden. Hier könnten die Hinterbliebenen in würdiger Umgebung von ihren Angehörigen Abschied nehmen.

Keine Berührungsängste

Der katholische Pfarrer Peter Imholz ging auf die Freude angesichts des Moments der Einweihung ein. Er betonte aber auch die «Kehrseite der Medaille» und sprach von Abschied und Tod. Diese Gedanken nahmen die evangelische Pfarrerin Brigitta Schmidt, ihr Kollege Rainer Pabst sowie der Pastoralassistenten Ottmar Hetzel in ihren Worten ebenfalls auf. Ihre Predigten befassten sich mit Gedanken zu Leben, Sterben und Tod. Gemeinsam mit den zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern haben die vier um Gottes Segen gebeten und die neue Halle eingesegnet. Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgte die Musikgesellschaft Wattwil.

Allenfalls bestehende Berührungsängste haben die Anwesenden schnell überwunden. Beim Apéro nach dem offiziellen Akt nutzten sie die Gelegenheit, die Abdankungshalle mit dem Kunstwerk des Wattwiler Bildhauers Stefan Gort, die dezent gestalteten Aufbahrungsräume mit den Katafalknischen sowie die Technik hinter die Kulissen zu begutachten.

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