Für eine Woche CEO: In Herisau schlüpfen 42 Lernende in die Rollen von Jungunternehmern

In Räumlichkeiten der Huber+Suhner AG veranstaltet der Appenzeller Industrieverein jährlich eine Wirtschaftswoche. Hier erhalten Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Trogen einen einzigartigen Einblick in das Wirtschaftsgeschehen - mithilfe eines Computerspiels.

Smilla Bühler
Merken
Drucken
Teilen
Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Positionen innerhalb von fiktiven Unternehmen.

Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Positionen innerhalb von fiktiven Unternehmen.

Bild: Smilla Bühler

Sie sprechen über Millionenbeträge und verhandeln internationale Preise: Während einer Woche werden aus 42 Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Trogen fleissige Jungunternehmerinnen und Unternehmer. Die Lernenden nehmen an der Wirtschaftswoche in Herisau teil. Das Projekt findet im Rahmen der Themenwoche der Kantonsschule Trogen statt. Organisiert und durchgeführt wird die Wirtschaftswoche von Industrie AR, dem Appenzeller Industrieverein, auf dem Gelände der Firma Huber+Suhner AG.

Ein Computerspiel simuliert den Markt

Ziel der Woche ist es, den Schülern die Zusammenhänge der Wirtschaft näher zu bringen. Die Lernenden besuchen derzeit das zweite Jahr der Kantonsschule und sind ein Jahr in Wirtschaft und Recht unterrichtet worden. Jetzt können sie die gelernte Theorie anhand von praxisbezogenen Erfahrungen anwenden. Auch wenn die Praxis hierbei nur Fiktion ist: Die Basis des Projektes bildet das Computersimulations-Modell «WIWAG». Das Computerprogramm ist als Spiel aufgebaut. Entwickelt wurde es von der Ernst Schmidheiny-Stiftung.

Innerhalb des Simulationsspiels üben die Schüler eine Funktion in einem fiktiven Unternehmen aus. Vom Geschäftsleiter bis zur Finanzchefin ist alles mit dabei. Innerhalb der nächsten Tage tätigen die Jungunternehmerinnen und Unternehmer internationale Geschäfte, handeln mit Waren und konkurrieren mit den anderen Gruppen. Jeder vergangene Tag steht für ein Geschäftsjahr. Mithilfe von Algorithmen erfahren die Teilnehmenden in Sekundenschnelle, ob sich ein Handel positiv oder negativ aufs Unternehmen auswirkt.

Die Wirtschaftswelt soll näher rücken

Ruedi Aerni, Organisator der Wirtschaftswoche

Ruedi Aerni, Organisator der Wirtschaftswoche

Bild: PD

Ruedi Aerni leitet die Wirtschaftswoche seit mehr als 17 Jahren. Durchgeführt wird sie seit den 1970ern. Die Zusammenarbeit mit der Kantonsschule Trogen ist zur Tradition geworden. Der ehemalige Geschäftsführer von Industrie AR arbeitet gerne mit den Jugendlichen zusammen. Klar gebe es immer solche, die schwer zu motivieren seien. Das sei aber eher die Ausnahme. Als besonderes Highlight nennt Aerni das Computermodell «WIWAG». Er sagt:

«Durch das Computerspiel bekommen die Schüler einen realistisch wirkenden Einblick in das Treiben der Wirtschaft.»

Auf dem Programm stehen auch Betriebsbesichtigungen in drei Herisauer Unternehmen, angefangen mit der Gastgeberin, der Huber+Suhner AG. Die Besuche haben der 16jährigen Joelle besonders gefallen. Während der Wirtschaftswoche übernimmt die Schülerin innerhalb ihrer Gruppe die Geschäftsleitung. Ihre Firma haben die Jungunternehmer «UnitedSpeakers» getauft, da sie Musikboxen auf dem fiktiven Markt verkaufen. Joelle sagt:

Claudia, Joelle und Gioia nehmen an der Themenwoche in Herisau teil.

Claudia, Joelle und Gioia nehmen an der Themenwoche in Herisau teil.

Bild: Smilla Bühler
«Nach Besuch in der Firma Huber+Suhner und dank des Spiels könnte ich mir jetzt gut vorstellen, später einmal eine Firma zu leiten.»

Joelles «Mitarbeiterinnen» Claudia und Gioia möchten später nicht im Wirtschaftssektor arbeiten. Trotzdem nehmen sie Positives aus dieser Woche mit. Gioia sagt: «Oftmals ist der Wirtschaftsunterricht etwas trocken und die Theorie anspruchsvoll. Hier lerne ich, das Gelesene umzusetzen und verstehe die Inhalte besser.» Die 15jährige Claudia ergänzt: «Endlich kann ich die Theorie mit Erlebtem verknüpfen. So macht Lernen Spass.» Das Unternehmen der Schülerinnen läuft gut, soeben haben sie eine konkurrierende Gruppe überholt. Die Chance, dass sie ihre Firma heute Freitag an einen reichen Investor verkaufen können, ist gross.