Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Für eine Heidlerin geht es ab nach Russland an die World Skills

Ilona Züst aus Heiden darf als allererste Schweizer Polygrafin an den Berufsweltmeisterschaften in Russland teilnehmen.
Simon Huber
Die World-Skills-Teilnehmerin Ilona Züst an ihrem Arbeitsplatz bei der AVD Goldach AG. (Bild:Ralph Ribi)

Die World-Skills-Teilnehmerin Ilona Züst an ihrem Arbeitsplatz bei der AVD Goldach AG. (Bild:Ralph Ribi)

Heute in einer Woche findet in der Kazan Arena, einem Fussballstadion in der russischen Stadt Kazan, die Eröffnungsfeier für die Berufsweltmeisterschaften, die sogenannten World Skills (siehe Box), statt. Dort ist auch die Polygrafin Ilona Züst aus Heiden dabei. Die Schweiz nimmt dieses Jahr das erste Mal im Berufsfeld Polygrafie teil. Momentan arbeitet Züst beim Druckunternehmen AVD Goldach AG, wo sie auch ihre Lehre abgeschlossen hat.

Seit Januar trainiert Züst zusammen mit ihrem Coach Ronald Studer aus Solothurn jede zweite Woche einen ganzen Tag. Dafür trafen sie sich meistens in der Zürcher Schule für Gestaltung. Ansonsten trainierte sie im Geschäft oder zu Hause. «Die Trainings bestanden vor allem daraus, die Aufgaben der World Skills von 2011, 2013, 2015 und 2017 zu lösen», erzählt die 22-Jährige, die nebenbei Hobbyfotografin ist und gerne reitet. Durch die Trainings habe sie das System dieser Tests kennen gelernt.

Für die World Skills musste Ilona Züst sogar noch zwei neue Techniken – Logodesign und Verpackungsdesign – erlernen, da diese nicht Inhalt der Berufslehre waren. Der Arbeitgeber ist sehr stolz auf Züst und unterstützt sie, wo er nur kann. An einigen Wochenenden fanden auch Teamweekends statt, wobei sich die ganze Delegation des Swiss-Skills-Teams traf. «Dort wurde der Teamgeist gefördert, denn das 41-köpfige Schweizer Team tritt in Russland als eine Einheit an», sagt Züst.

In den letzten Tagen vor der Abreise nach Kazan habe die Vorbereitung vor allem aus mentalem Training bestanden. Dazu gehörten Entspannungsübungen und Visualisierungen vom optimalen Prüfungsablauf. Ganz allgemein sei es wichtig, mental auf einem hohen Level zu sein. «Denn ein solcher Wettkampf ist auch immer eine grosse Kopfsache.»

Die World Skills – die Junior Berufselite

Dieses Jahr finden die World Skills, die Berufsweltmeisterschaften, bereits zum 45. Mal statt. Vom 22. bis 27. August werden mehr als 1600 junge Berufsleute aus über 60 Ländern gegeneinander antreten. Die Schweiz ist in 41 der 56 Berufsfelder vertreten. Bei den letzten acht Teilnahmen reichte es für die Schweiz immer für mindestens Platz vier auf dem Nationenpodest. (siu)

Mut wird belohnt

Da die Lehrabschlussnote der 22-Jährigen nicht ganz ihren Erwartungen gerecht worden sei, habe sie am Anfang gezögert, sich bei den Schweizer Berufsmeisterschaften (Swiss Skills) anzumelden. Nach langem Überreden ihrer Oberstiftin entschied sie sich dann aber doch dafür. Es hat sich gelohnt: «Es war eine totale Überraschung für mich, als ich die Mitteilung bekam, dass ich die Bronzemedaille gewonnen habe», erzählt die Poly­grafin. Denn sie habe kein gutes Bauchgefühl gehabt.

Weil die Erst- und Zweitplatzierten zu alt für die World-Skills-Teilnahme waren, wurden Züst und die zwei Nächstbesten nachnominiert. Bei einem Gespräch konnte sie die Jury dann überzeugen und sich den Platz als erste und alleinige Schweizer Polygrafin im Swiss-Skills-Team sichern. «Dass ich es bis zu den World Skills geschafft habe, war für mich eine grosse Ehre und bedeutet mir sehr viel», so Züst.

Ein gutes Resultat an den Berufsweltmeisterschaften könne später Türen öffnen. Da in diesem Jahr zum ersten Mal das Berufsfeld Polygrafie Teil des Swiss-Skills-Teams ist, ist für Ilona Züst ungewiss, ob die Leute in ihrem Berufsfeld überhaupt wissen, was man für einen solchen Wettbewerb alles lernen muss. Was bekommt der Gewinner? In anderen Ländern winken Preise im Wert von bis zu 50000 Franken, in der Schweiz gibt es «nur» Ruhm und Ehre. «Das Schweizer Team hat bis dato schon viel gekostet», sagt Züst und lacht.

«Wenn ich weiss, ich habe alles gegeben, bin ich zufrieden.»

Grosser Ansturm erwartet

Im Gebäude, in dem die Wettbewerbe stattfinden, wird ein grosser Ansturm erwartet. «Man kann es sich vorstellen wie bei der Olma: Die Berufsleute sind auf einzelne Stände verteilt, wo sie gegeneinander antreten.» Während vier Tagen bekommen die Polygrafen vier Aufgabenmodule, für welche sie je sechs Stunden Zeit haben. «Im Vergleich zu den Swiss Skills sind das fast viermal so viel.» Damit die Heidlerin da die Konzentration behalten kann, habe sie sich extra grosse Kopfhörer gekauft.

Als eines der wenigen Teams wird die Schweizer Delegation schon früher anreisen. Vor Ort werden die Teilnehmenden eine Schule besuchen, um die Schweiz vorzustellen. Auch treffen sie letzte Vorkehrungen. «Bis auf den letzten Abend, den Schweizer Abend, werde ich meine mitgereiste Familie vermutlich nicht treffen können», sagt Züst. Danach folgt die Rückreise.

Und was kommt nach dem Abenteuer World Skills? «Ich möchte mich endlich wieder einmal entspannen.» Danach will Ilona Züst in den normalen Berufsrhythmus zurückfinden. Sie hofft, dass die Schweiz als Team in der Nationenwertung einen Podestplatz erreicht. Für sich selbst wünscht sie sich die Top 10. «Wenn ich weiss, ich habe alles gegeben, dann bin ich damit zufrieden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.