Für ein Ja zur Gesamtsportanlage Rietwis

Leitartikel

Martin Knoepfel
Merken
Drucken
Teilen
Auf diesem Areal an der Rietwisstrasse in Wattwil ist eine Sportanlage geplant. Die Halle im Hintergrund wird abgebrochen. (Bild: Martin Knoepfel)

Auf diesem Areal an der Rietwisstrasse in Wattwil ist eine Sportanlage geplant. Die Halle im Hintergrund wird abgebrochen. (Bild: Martin Knoepfel)

Auf dem Rietwis-Areal in Wattwil sollen unter anderem eine Dreifachturnhalle, ein Fussballfeld und weitere Aussenanlagen entstehen. Sie können von der Kanti, der Berufsschule, der Schule Wattwil-Krinau und den Wattwiler Vereinen genutzt werden. Die Gesamtsportanlage Rietwis soll fast 18 Millionen Franken kosten. Wenn sie gebaut wird, wird das Gelände neben der Rietstein-Halle, auf dem heute Rasenplätze liegen, für den Neubau der Kantonsschule frei werden. Bedingung ist, dass die Wattwiler die Kredite für die neue Sportanlage in der Rietwis sowie den Ausstieg der Gemeinde und der Schule aus der Rietstein-Halle in der Volksabstimmung vom Sonntag bewilligen. Und das sollten sie tun.

Zeitgemässe Sportanlagen sind kein Luxus für eine Schule. Dass die bestehenden Anlagen nur zum Teil heutigen Ansprüchen genügen, ist unbestritten. Ebenso unbestritten ist, dass der Sport einen wichtigen Ausgleich zum intellektuellen Teil der Schule bildet – ganz abgesehen davon, dass der Lehrplan Turnen verlangt. Für andere Fächer sind zeitgemäss ausgestattete Schulzimmer ebenfalls selbstverständlich. Es ist nicht einzusehen, weshalb für den Sport zu kleine Räume gut genug sein sollen.

Positiv ist, dass die neue Sportanlage kein Kulturland beansprucht. Einst hoffte man, auf der Industriebrache Arbeitsplätze anzusiedeln. Offensichtlich haben sich in den letzten Jahren keine ernsthaften Interessenten mit konkreten Absichten gemeldet. Andernfalls hätte der Gemeinderat das Land wohl verkauft. Zudem gibt es – etwa im unteren Teil des Tals und in der Region Wil – ebenfalls Grundstücke, auf denen man eine grössere Zahl von Arbeitsplätzen ansiedeln kann und die näher an der A1 liegen. Zugleich brauchen nur wenige Firmen des Dienstleistungssektors grosse Grundstücke wie das Rietwis-Areal. Das Warten auf den Märchenprinzen, der das Areal wachküsst und gut bezahlte Arbeitsplätze nach Wattwil bringt, könnte also dauern.

Von der Aussensportanlage werden vor allem die Fussballer profitieren. Dass der heutige Fussballplatz Bunt der Thursanierung zum Opfer fällt, steht fest. Man müsste bei einem Nein zur geplanten Sportanlage andernorts Ersatz schaffen und die fehlenden Garderoben bauen. In der Rietwis sind Synergien mit der Turnhalle möglich. Aber auch die Sportarten, die in der Halle ausgeübt werden, profitieren von der grösseren Hallenkapazität. Dass Vereine auch im Sport wertvolle Jugendarbeit leisten, ist anerkannt. Da ist es logisch, dass die Gemeinde die nötigen Räume bereitstellt.

Alles in allemüberwiegen die Gründe für ein Ja zu den drei Vorlagen klar. Besser wäre es natürlich, wenn die Bürger über ein konkretes Projekt abstimmen könnten statt über den Rahmenkredit. Allerdings sagte der Gemeindepräsident an der Information für die Bevölkerung, dass das Bauprojekt sich im Rahmenkredit bewegen müsse. Auf dieser Aussage kann und soll man den Gemeinde- und den Schulrat behaften.

Die Kosten der geplanten Sportanlage sind hoch: 18 Millionen sind für Wattwil kein Pappenstiel. Unter dem Strich kostet es aber deutlich weniger, denn die Politische Gemeinde und die Schulgemeinde erhalten vom Kanton fast 2,5 Millionen Franken für ihre Anteile an der Rietstein-Halle. Weiter würde der Ersatz für das Fussballfeld Bunt laut Gutachten 1,1 Millionen Franken kosten. Sodann benötigt die Schule die Turnhalle Hochsteig nicht mehr, wenn die neue Dreifachturnhalle steht, was den Verkauf der Schulanlage erleichtern dürfte. Diese ist mit Ausnahme der Turnhalle stillgelegt. Wenn der Gymnastikraum in der Risi nicht mehr als Turnhalle benutzt wird, kann man laut Schulrat die in der Risi fehlende Aula günstiger realisieren. Die Behörden hoffen, so und mit dem Verkauf der Schulanlage Hochsteig Einnahmen sowie Kostensenkungen von zwei Millionen Franken zu erzielen.

Ein Nein der Wattwiler zur Sportanlage Rietwis würde schliesslich den Gegnern des Kantonschul-Standorts Wattwil einen Steilpass liefern. Zweifellos würden sie versuchen, den Campus Wattwil noch zu Gunsten einer Kantonsschule im Linthgebiet zu verhindern. Gelegenheit dazu werden die Behandlung des Baukredits im Kantonsrat und die kantonale Volksabstimmung, die wegen der Höhe der Kosten für eine neue Kantonsschule in Wattwil unumgänglich ist, bieten. Man mag solches Verhalten schätzen oder nicht, doch so funktioniert nun mal die Politik.

Genau genommen wäre ein Nein der Wattwiler zur Gesamtsportanlage Rietwis ja auch Ausdruck einer Rosinenpicker-Mentalität: Man begrüsst zwar kantonale Investitionen, ist aber nicht bereit, den eigenen Geldbeutel zu öffnen. Dass ein solches Verhalten in den anderen Regionen des Kantons schlecht ankommen würde, liegt auf der Hand. Ein Nein am Sonntag könnte deshalb zum sprichwörtlichen Bumerang werden.

Martin Knoepfel

martin.knoepfel

@toggenburgmedien.ch