«Für alte Leute ist es sehr schlecht»

EBNAT-KAPPEL. Die Schliessung des Bahnhofs Ebnat-Kappel stösst mehrheitlich auf Unverständnis in der Bevölkerung. Die Schweizerische Südostbahn (SOB) steht hinter ihrem Schliessungsentscheid, ist aber für Vorschläge zur Lösung der daraus entstehenden Probleme offen.

Urs M. Hemm
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Die Schliessung des Bahnhofs in Ebnat-Kappel stösst in der Bevölkerung auf Unverständnis. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Schliessung des Bahnhofs in Ebnat-Kappel stösst in der Bevölkerung auf Unverständnis. (Bild: Urs M. Hemm)

Nach der Bekanntgabe der SOB, dass die Verkaufsstelle für Billette im Bahnhof Ebnat-Kappel auf Mitte Mai geschlossen wird, reagiert die Bevölkerung grösstenteils überrascht. «Ich habe am Samstag die Zeitung aufgemacht und erst dann davon erfahren», sagt Sylvia Hürlimann, Verkäuferin im Bahnhofkiosk. «Die Kunden haben allesamt überrascht auf die Schliessung reagiert und sind mehrheitlich enttäuscht», erzählt Hürlimann. Für den Kioskbetrieb werde die Schliessung aber keinen Einfluss haben, da der grosse Teil der Bahnkundschaft trotzdem hier in Ebnat-Kappel auf den Zug gehen werde und bei ihr im Kiosk noch das Nötige einkaufe.

Zeit zum Umsteigen knapp

«Für ältere Leute ist die Schliessung sehr schlecht», meinen Walter und Elisabeth Hagmann. Die beiden 80jährigen Rentner unternehmen zusammen viele Zugreisen und sind auf Reise-Informationen vor Ort angewiesen. «Teilweise ist die Zeit zum Umsteigen für uns schon jetzt sehr knapp, auch wenn wir das Perron kennen», sagt Walter Hagmann. Wenn sie aber jeweils noch nachfragen müssten, würden sie so manchen Zug verpassen. Dieser persönliche Service am Bahnhof Ebnat-Kappel, der ihnen die Reisevorbereitungen erleichterte, werde ihnen sehr fehlen.

«Für jüngere Bahnreisende ist es wohl nicht so schlimm, wenn der Schalter hier nicht mehr bedient ist», meint Yvonne Langenegger. Dennoch sei es eine wichtige Dienstleistung, die hier verloren gehe. «Ich wusste einfach, an wen ich mich mit Fragen wenden konnte, da muss ich mich eben umgewöhnen», sagt Langenegger. Aber heute werde sowieso vieles übers Internet gemacht, da werde es für die Jungen keine grosse Umstellung sein.

Lebensqualität geht verloren

«Für die Bewohner der Sozialpädagogischen Wohngemeinschaft Steinenbach geht ein grosses Stück Lebensqualität verloren», sagt Mariann Huwiler, Leiterin der Wohngemeinschaft. Es sei für die Bewohner der Gemeinschaft wichtig, so weit als möglich selbständig agieren zu können. Da sei Stefan Frey, Leiter der Verkaufsstelle in Ebnat-Kappel, stets eine wertvolle Hilfe gewesen. «Bewohner und Betreuer haben das Zugfahren immer zusammen geübt, bis es der Bewohner eigenständig konnte», erklärt Huwiler. Zusätzliche Sicherheit habe immer die Anwesenheit einer kompetenten Fachperson am Bahnhof gegeben, die bei Problemen stets hilfreich zur Seite stand und so den Bewohnern der Wohngemeinschaft kleine oder grössere Reisen ermöglichte. «Wenn die Situation so bleibt, ist dies in der freien Form sicher nicht mehr möglich», sagt Mariann Huwiler.

SOB ist offen für Lösungen

In einem Brief an die Verantwortlichen der Schweizerischen Südostbahn (SOB), versucht Mariann Huwiler eine vernünftige Lösung für dieses Problem zu finden – nicht nur wegen ihrer Schützlinge, sondern für alle «systemunkompatiblen» Menschen, sprich alte Leute, Behinderte und Kinder. «Wir sind für alle Vorschläge offen, die die Situation für die Bevölkerung von Ebnat-Kappel verbessern», sagt Meinrad Schmid, Leiter Vertrieb SOB. Eine sinnvolle Lösung könne aber nur mit einem nachhaltigen Nutzungskonzept bestehen.