Für alles gibt es eine Stunde

Sonntagsgedanken

Marco Wehrli
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Der moderne Mensch ist ein gehetztes Wesen, und die Uhr ist sein Diktator. Das meint zumindest der Zeitforscher Karlheinz Geissler. Er meint zudem, dass die Erfindung der mechanischen Uhr Gott der Zeit beraubt hätte.

So seien die Menschen bis zum Ende des Mittelalters ihrem Biorhythmus gefolgt. Natürlich hatten sie auch keine wirkliche Wahl. Dafür seien sie wesentlich entspannter gewesen. War man müde, legte man sich schlafen. Das tun anscheinend Verkäuferinnen in China heute noch. Überfällt sie der Schlaf, dann legen sie sich seelenruhig in ein Regal. Der westliche Mensch dagegen gehorche der Uhr. Und das Gemeine an ihr sei, dass sie die Zeit takte. Gab es zuvor Abweichungen, und war der Mensch daran gewohnt, dass nicht alles nach seiner Pfeife tanzte, so habe die Uhr den Eindruck erweckt, der Mensch könne auch über die Zeit frei verfügen.

Zeit zum Suchen und Zeit zum Verlieren

Und seit Benjamin Franklin festgehalten hatte, dass Zeit Geld sei, nahm die Hatz zu, und verloren die Menschen immer mehr das Bewusstsein für die verschiedenen Zeiten. «Für alles gibt es eine Stunde, und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel: Zeit zum Suchen und Zeit zum Verlieren, Zeit zum Bewahren und Zeit zum Wegwerfen» (Pred 3,1.6). In diesem Sinne möchte ich Ihnen fünf Anregungen zur Entschleunigung mit auf den Weg geben: Erstens nehmen Sie sich die Zeit. Pausen sind wichtig. Der Freiraum verschafft Ihnen die Möglichkeit, sich zu erholen. Legen Sie am besten früher am Tag mehrere kürzere Auszeiten ein. Zweitens bewegen Sie sich. Abwechslung zur Sitzroutine wirkt sich auf Ihre Stimmung, Arbeitsleistung, Nacken- und Rückenbeschwerden aus. Drittens verzichten Sie aufs Telefon. Mischen Sie sich unter Leute, gönnen Sie ihrem Geist Auslauf, und sorgen Sie für Abstand zu Ihrer Arbeit. Viertens tun Sie sich etwas Gutes. Besonders bei Nachmittagspausen sollten Sie darauf achten, dass Sie etwas tun, das Sie als angenehm empfinden. Solche Tätigkeiten lassen Sie erholen und neue Kraft tanken, weil sie für Sie weniger Aufwand bedeuten. Fünftens schliessen Sie die Augen. Winston Churchill hat einmal gesagt: «Zwischen Mittagessen und Abendessen muss man schlafen...

Denken Sie bloss nicht, dass Sie weniger Arbeit schaffen, wenn Sie am Schlafen sind. Das ist eine dumme Idee von Leuten ohne Vorstellungsvermögen.

Marco Wehrli