Fünf Ewigjunge spielten den Blues

Ihr erst zweites Konzert gaben am Sonntag fünf ältere Herren im Gasthaus Speer in der Nesslauer Laad. Die Band mit bekannten Toggenburger Musikern spielt altes Liedgut und nennt sich sinnigerweise «Für immer jung».

Michael Hug
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Die fünf Ewigjungen am Sonntagnachmittag im Gasthaus Speer: (von links) Peter Roth, Meinrad Rieser, Ueli Ammann, Arthur Aebli und Ferdinand Rauber. (Bild: Michael Hug)

Die fünf Ewigjungen am Sonntagnachmittag im Gasthaus Speer: (von links) Peter Roth, Meinrad Rieser, Ueli Ammann, Arthur Aebli und Ferdinand Rauber. (Bild: Michael Hug)

NESSLAU. Der erste Versuch für die Premiere fiel ins Wasser. Der «Gitärreler» war krank, das erste Konzert, gleichenorts, fiel (vorläufig) ersatzlos aus. Zwei Monate später, mit genesenem fünften Mann, klappte endlich der erste Auftritt in der Öffentlichkeit mit einem vollen Konzertprogramm. Es war die zweite Konzertbuchung, die zur Premiere wurde, und fand in Dussnang statt. Fern der Heimat sozusagen, trotzdem waren mehr Zuschauer anwesend als nun im «Speer», in einer Gegend, wo man jeden einzelnen Musiker bestens kennt. Zusammen bringen es die Fünf auf ungefähr 320 Jahre, die Bezeichnung «Rentnerband» scheint legitim, haben doch zwei der Herren die AHV-Schwelle überschritten, doch sie ist in keiner Weise wertend gemeint.

Den Blues kennenlernen

Dennoch, jünger kommen die fünf Musikanten nie mehr zusammen. Jeder bringt seine musikalische Herkunft mit, jeder ist damit mehr oder weniger bekannt, ja berühmt geworden: Peter Roth, der Klangweltgründer und Komponist; Meinrad Rieser, der virtuose Saxophonist; Arthur Aebli, Sänger im St. Galler Chorprojekt und ruhender Pol am Kontrabass; Ueli Ammann, Saitenzupfer und kompetenter Klangbegleiter auf dem Obertoggenburger Klangweg sowie Ferdinand Rauber, experimentierfreudiger Perkussionist aus dem Neckertal.

Pensionistische Freiheit

Kennen tun sich alle schon seit längerer Zeit, das Toggenburg ist nicht allzu weiträumig, um nicht früher oder später aufeinander zustossen, doch zur Formation gefunden haben sie sich erst vor zwei Jahren. Peter Roth begann damals kürzer zu treten und es juckte ihn in den Fingern, endlich mal den Blues kennenzulernen. Er rief seine Freunde zu sich und offenbarte ihnen: «Wir gründen eine Bluesband.» «Wir musizieren in pensionistischer Freiheit und aus purer Freude miteinander», lassen die gesetzten Herren nun verlauten, und fügen schmunzelnd an: «Die Palette der Mittäter reicht vom ernsthaften Musiker bis hin zum leichtfertigen Musikanten.» Wie dabei die Rollen verteilt sind, sei offen gelassen und allenfalls vorhandene Unterschiede sind der Authentizität der Band nur förderlich. Etwas Schrägheit im Gefüge tut gut, schliesslich ist die Zimmerdecke im «Speer» ja auch nicht mehr so gerade wie sie einmal war. Das Repertoire haben sich die Immerjungen bei noch berühmteren (und teilweise älteren) Zeitgenossen abgeschaut: Bob Dylan, Keith Richards, Thelonious Monk, Wilbert Harrison, Annie Lennox oder Sting. Womit auch gesagt ist, dass «Forever Young» ein breites Spektrum abdeckt, obwohl man sich nur in den Genres Blues, Jazz, Rythm and Blues und italienisches Canzone bewegt.

Kaffee nicht nötig

«One more Cup of Coffee» sang Peter Roth, Bob Dylan interpretierend, und es war kein Wunsch an die Wirtin des «Speers», denn angesichts der bei ihm noch selten gesehenen Lebhaftigkeit am Piano hatte der Neo-Bluesmusiker wohl keinen Kaffee zur Stärkung nötig. Im Gegenteil, da schien einer, nein alle fünf, tatsächlich wieder jung geworden zu sein, ganz im Sinne von Dylans' früherem Song «Forever Young»: «Möge dein Herz immer fröhlich sein.» Allein es wäre den fünf Ewigjungen zu gönnen gewesen, dass ein paar Gäste mehr als die anwesenden rund 20 Personen gekommen wären.