Führen auf der Baustelle gelernt

APPENZELL. Der gestern zum neuen Innerrhoder Grossratspräsidenten gewählte 50jährige Fefi Sutter ist nicht der Typ, der bei politischen Prozessen lange Vergangenheitsbewältigungen machen will, sondern lieber nach vorne schaut.

Roger Fuchs
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APPENZELL. Der gestern zum neuen Innerrhoder Grossratspräsidenten gewählte 50jährige Fefi Sutter ist nicht der Typ, der bei politischen Prozessen lange Vergangenheitsbewältigungen machen will, sondern lieber nach vorne schaut. Und er hat das Politisieren im Blut: Sein Vater war der letzte Armleutesäckelmeister von Innerrhoden – ein Amt, das bei der Verkleinerung der Standeskommission im Jahre 1996 abgeschafft wurde.

Vor seiner neuen Funktion an der Parlamentsspitze hat Fefi Sutter Respekt. «Zum einen muss ich das Parlament führen, zum anderen die Mitglieder auch ausreden lassen.» Diesen Spagat wolle er schaffen, indem er bei Diskussionen auch mal mutig nachfrage, ob es noch neue, für die Meinungsbildung wichtige Aspekte gäbe. Straff, zügig, sachlich seien die Tugenden des Innerrhoder Parlaments, dem bereits seine Vorgänger nachgelebt hätten.

Fefi Sutter, aufgewachsen an der Nollenstrasse 1, wohnt heute zusammen mit seiner Frau und den drei Söhnen an der Nollenstrasse 3 in Appenzell. Zwischenzeitlich sei er schon noch ein wenig herumgekommen, hält er mit einem Schmunzeln fest und verweist unter anderem auf seinen Welschland-Aufenthalt in Fribourg nach der obligatorischen Schulzeit.

Bauverwaltung aufgebaut

Seit sieben Jahren arbeitet Sutter nun bei der an der Weissbadstrasse 1 domizilierten Firma Altrimo, wo er die Gesamtleitung Immobilien unter sich hat. Nebst der Liegenschaftsverwaltung gehören Verkehrswertschätzungen von Gebäuden und Bauherrenberatungen zu seinen Kernaufgaben. Bei all dem kann er von seinem bisherigen Werdegang profitieren: Ursprünglich hat der neue Grossratspräsident eine Maurerlehre absolviert, besuchte später die Bauschule Aarau und wurde schliesslich Bauführer. Für die aktuelle Berufstätigkeit bildete er sich zudem noch zum Immobilienökonomen weiter. Eine Station sticht bei den im Lebenslauf aufgelisteten Stellenwechseln besonders hervor und wird von Fefi Sutter auch als prägend beschrieben. Es ist dies sein Wirken als Bauverwalter auf der Gemeinde Urnäsch von 1992 bis 1995.

«Ich habe die Bauverwaltung Urnäsch von Null auf aufgebaut», sagt Sutter. Ausser eines Tischs, dreier Schränke und eines PCs hätte er nichts vorgefunden. Doch Sutter packte die Sache an und knüpfte Kontakte zur Politik. Dass er letztlich nur drei Jahre in Urnäsch blieb, begründet er mit dem langsamen Arbeitstempo auf den kantonalen Stellen in Ausserrhoden. Beispielsweise seien an den Kanton weitergeleitete Baugesuche während der 30tägigen Einsprachefrist erst einmal liegen geblieben. «Ich fand das nicht richtig, gingen doch damals noch 95 Prozent aller Baugesuche ohne Einsprache durch», sagt Fefi Sutter. Auch hätte er gerne die Einsprachefrist von 30 auf 10 Tage reduziert gesehen, kam mit diesem Anliegen aber nicht an. Und so zog es Fefi Sutter letztlich zurück in die Privatwirtschaft.

Fall Moser abgehakt

Sutter ist überzeugt, dass ihm sein beruflicher Werdegang bei der Ausübung des Grossratspräsidiums hilft. Gerade als Bauführer habe er viele verschiedene Leute führen müssen. «Und an meinem heutigen Arbeitsplatz zählt Verhandlungsgeschick. Ich muss zuhören können und dabei auch die Essenz einer Sache heraushören.»

Auch an politischer Erfahrung mangelt es Fefi Sutter nicht. Bis 2010 stand er während elf Jahren dem Bezirk Schwende als stillstehender Hauptmann vor. Seit 2003 gehört er dem Grossrat an und präsidierte darin von 2006 bis 2012 die parlamentarische Baukommission.

Dass es zu den Gepflogenheiten gehört, auf dem Präsidiumsstuhl die eigene Meinung im Parlament zurückzuhalten, nimmt Sutter gelassen. Bevor er «Bauchweh» bekommt, würde er trotzdem das Wort ergreifen. Schliesslich hat er eine klare Haltung, beispielsweise auch zu dem von der StwK gestern dem Parlament vorgelegten Bericht zu den Vorwürfen von alt Säckelmeister Sepp Moser. Gemäss Sutter hat Moser mit seiner politischen Erfahrung den falschen Weg gewählt. Wären dem alt Säckelmeister Land und Leute ein Anliegen, hätte er anders gehandelt. Für Sutter ist mit dem gestrigen Bericht die Sache aber abgehakt. Und er konzentriert sich, getreu seiner Einstellung, nicht auf die Vergangenheit, sondern nach vorne. Das neue Hallenbad fürs Innere Land oder das neue Spitalgesetz dürften im kommenden Jahr zu den grossen Traktanden im Grossen Rat zählen.