Frühaufsteherinnen wollen WM-Gold im Curling der Seniorinnen

Im norwegischen Stavanger werden ab Samstag die Curling-Weltmeisterschaften der Seniorinnen ausgetragen. Im Schweizer Dress dabei: Monika Lutz aus Speicher. Ihr Team hat sich ambitionierte Ziele gesetzt.

Mea Mc Ghee
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Nationalteam der Seniorinnen: Monika Lutz, Liliane Huwyler, Ursi Miller, Skip Chantal Forrer und Karin Sohmer vertreten die Schweiz an der Curling-WM in Stavanger. (Bild: PD)

Nationalteam der Seniorinnen: Monika Lutz, Liliane Huwyler, Ursi Miller, Skip Chantal Forrer und Karin Sohmer vertreten die Schweiz an der Curling-WM in Stavanger. (Bild: PD)

«Wir wollen die Goldmedaille», sagte Monika Lutz einige Wochen vor ihrem Einsatz an den Curling-Weltmeisterschaften der Seniorinnen selbstbewusst. Ein Grund für ihren Optimismus ist der Sieg an einem internationalen Turnier in Glasgow, das die Speicherin mit dem Team CC Thurgau/CC Herisau-Waldstatt schon einmal gewonnen hat. Gegen einige der WM-Gegnerinnen haben die Ostschweizerinnen damals gespielt.

Vor 15 Jahren und durch ihren Mann Heini kam Monika Lutz zum Curling und zum CC Herisau-Waldstatt. Schon damals wäre die heute 62-Jährige bei den Seniorinnen startberechtigt gewesen. Dass Curling in jedem Alter betrieben werden kann, ist einer der Punkte, welche die Speicherin faszinieren.

Erfahrung des Skips ist Gold wert

In verschiedenen Teams ist sie aktiv: Clubmeisterschaften, die Hallenmeisterschaft im Curling Center St. Gallen, Turniere in benachbarten Hallen, dazu Open-Air-Spiele und Titelkämpfe. Pro Saison ergibt das für Monika Lutz gegen 30 Einsätze.

Monika Lutz ist Mitglied des CC Herisau-Waldstatt. (Bild: Mea Mc Ghee)

Monika Lutz ist Mitglied des CC Herisau-Waldstatt. (Bild: Mea Mc Ghee)

Seit 2016 spielt sie im ambitionierten clubübergreifenden Team Thurgau/Herisau-Waldstatt. Beim ersten internationalen Turnier hätten sie gemerkt, dass sie ins Training investieren müssen, um erfolgreich zu sein. Schon ein Jahr später reichte es gleichenorts zum eingangs erwähnten Turniersieg. «Das Zusammenspiel funktionierte besser, das Team war gefestigt», resümiert Monika Lutz. 2018 gewannen die Ostschweizerinnen Silber an den nationalen Titelkämpfen und diesen Februar setzten sie gar noch einen drauf: Als Schweizer Meister dürfen sie das Land an den Weltmeisterschaften vertreten. Bewusst geworden sei ihr dies, als sie die offiziellen Nationaltenues anprobierten, so Monika Lutz. Den «grössten Erfolg» des Teams hätten sie insbesondere Skip Chantal Forrer zu verdanken. Ihre 30-jährige Erfahrung war an der SM sprichwörtlich Gold wert. Sie sei nervenstark, könne die Taktik dem Gegner anpassen und finde für verschiedene Spielsituationen die richtige Lösung. 5:4 gewann Thurgau/Herisau-Waldstatt den Final gegen Titelverteidiger Baden-Luzern.

Individuelle Trainings

Die Trainings absolvieren die fünf Curlerinnen weitgehend alleine. Liliane Huwyler lebt in Zug und ist Passivmitglied bei Herisau-Waldstatt. Monika Lutz profitiert von der Trainerin im Curlingcenter, Brigitte Brunner. «In den Individualtrainings sieht sie Fehler, bringt Korrekturen an und gibt Tipps», so die Speicherin.

Ihre Rolle im Team ist die der Alternate. Als fünfte Spielerin wird sie vom Skip auf den Positionen 1 bis 3 eingesetzt, wobei sie die Zwei bevorzuge. Als Nummer eins bei der Spieleröffnung die richtige Länge zu spielen, sei anspruchsvoll, findet Monika Lutz. Sie möge das Take-out mit schnellen Steinen lieber.

Neue Erfahrung mit Mentaltraining

Zur WM-Vorbereitung hat der Skip unter anderem Mentaltraining angeordnet. «Eine neue Erfahrung», so Monika Lutz. Ein bis zwei gemeinsame Eistrainings wurden absolviert, dazu kam individuelles Fitnesstraining. Die Altersspanne im Team beträgt zehn Jahre. Das Alter spiele insbesondere bei Spielen, die über volle acht Ends plus Zusatzend gehen, eine Rolle. Gerade die Wischarbeit sei anstrengend, findet Monika Lutz, und bei der Abgabe des Steins brauche es Körperspannung. Beim Curling sei es wichtig, dass es im Team harmoniere. Jeder müsse sich der Teamtaktik unterordnen, sonst funktioniere es nicht.

Der Spielplan scheint ungünstig

In Stavanger treten die Schweizerinnen ohne Coach an. Die Titelkämpfe würden körperlich und geistig eine Herausforderung. Monika Lutz sagt: «Sie sind für mich vielleicht ein Abschluss auf diesem Niveau.»

Am Samstag absolvieren die Schweizerinnen ihren ersten WM-Einsatz. Gegnerinnen in der Round Robin sind Dänemark, England, Italien, Japan, Lettland, Neuseeland und Schottland. Der Spielplan meint es nicht gerade gut mit den Schweizerinnen: Gleich vier Partien beginnen morgens um 8 Uhr, wobei die beiden Teams jeweils schon eine halbe Stunde früher auf dem Eis ausmachen, wer das Recht des letzten Steines hat. Der frühe Spielbeginn ändert nichts an den Ambitionen der Schweizerinnen: «Ich freue mich auf die Goldmedaille», sagt Monika Lutz und lacht.