Frühjahrsmüdigkeit kann verschiedene Ursachen haben

REGION. Die Sonne scheint morgens immer früher, Pflanzen werden grösser, Tiere aktiver. Während die Natur erwacht, klagen die Menschen über Müdigkeit.

Alexandra Gächter
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Hormone, Pollen, Psyche, längere Tage: Das alles kann im Frühling müde machen. (Symbolbild: Nana do Carmo)

Hormone, Pollen, Psyche, längere Tage: Das alles kann im Frühling müde machen. (Symbolbild: Nana do Carmo)

REGION. Die Sonne scheint morgens immer früher, Pflanzen werden grösser, Tiere aktiver. Während die Natur erwacht, klagen die Menschen über Müdigkeit. Ist die Frühjahrsmüdigkeit nur ein Phänomen? Eines, das Apotheken oder wir uns selber einreden? In der Klinik für Neurologie am Universitätsspital Zürich wird die Frühjahrsmüdigkeit zwar nicht als Krankheit angesehen, aber auch nicht als Einbildung abgestempelt. «Die genaue Ursache der Frühjahrsmüdigkeit ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird aber angenommen, dass verschiedene Faktoren dazu beitragen können», sagt die Somnologin Esther Werth vom Universitätsspital. «Kinder klagen selten über Frühjahrsmüdigkeit. Frauen sind öfter betroffen als Männer, ältere Personen häufiger als jüngere.» Bei der Zeitumstellung würden vor allem Jugendliche an morgendlichen Anlaufschwierigkeiten leiden, dies, weil die innere Uhr aus dem Takt gerät, so Werth.

Hormone im Umschwung

«Die länger werdenden Tage haben einen Einfluss auf den Hormonhaushalt.» Zum Beispiel steige der Serotoninspiegel durch vermehrtes Tageslicht an, Melatonin werde hingegen reduziert. Diese Umstellung brauche Zeit und bringe das Gleichgewicht des Körpers etwas durcheinander, was zur Schlappheit beitragen kann, so Werth. Zudem sind Allergiker durch die Pollenbelastung im Frühling vermehrt Allergenen ausgesetzt. «Diese allergischen Reaktionen sind Stress für den Körper und können somit auch die Müdigkeit fördern», erklärt Werth. Einige ältere Antihistaminika, welche als Medikament bei Allergien eingesetzt werden, machen ebenfalls müde. «Sie werden teilweise als Schlafmittel genutzt.»

Psyche spielt eine Rolle

Die längeren Tage und höheren Temperaturen locken viele Personen aufs Velo, auf die Inlineskates oder in die Laufschuhe. Sport und frische Luft kann der Frühjahrsmüdigkeit bekannterweise entgegenwirken. Doch wer sich den Winter durch kaum bewegt hat, kann im Frühjahr einen gegenteiligen Effekt bemerken. «Der Körper wird durch die vermehrte Aktivität trainiert und benötigt dadurch mehr Erholung», sagt Werth. Man müsse sich zuerst an die Mehrbelastung gewöhnen. Dasselbe gelte auch für diejenigen, welche im Winter vor dem Fernseher sitzen und im Frühling auf Shoppingtouren, Städtereisen, in den Zoo oder vermehrt spazieren gehen. Weil sich bei steigenden Temperaturen die Blutgefässe weiten, sinke der Blutdruck. Dies könne ein weiterer Grund für eine Frühjahrsmüdigkeit sein. «Der einzige Grund ist dies aber sicher nicht, sonst würden im Sommer noch viel mehr Leute an Müdigkeit leiden», sagt Werth. Zu guter Letzt spiele auch die Psyche eine Rolle. Werbung seitens Apotheken und Drogerien könne die Menschen sicherlich auch mitbeeinflussen.