Frühes 0:3, ein 3:3, spätes 3:4

Der FC Herisau spielt sich bei Seefeld einem Debakel entgegen. Eine erstaunliche Moral und eine Leistungssteigerung lassen einen Punktgewinn in die Nähe rücken. Es bleibt die nächste Enttäuschung.

Lukas Pfiffner
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FUSSBALL. Drei Verlusttore in Küsnacht, drei gegen Arbon, drei gegen Bülach, drei schon in der ersten halben Stunde am Samstag: Die miserable Defensivbilanz der vergangenen zwei Wochen fand ihre Fortsetzung; drei Tage nach der höchsten Heimniederlage drohte in Zürich-Lengg nach einem desolaten Start die höchste Saisonniederlage (bisher 0:6 in Balzers und Diepoldsau). Rudin zog den Ball an Grillo vorbei in die tiefe Ecke (1:0, 3. Minute); Mioc traf flach nach einem Freistoss trotz vielbeiniger FCH-Präsenz (2:0, 13.

Minute); Constancio schloss eine flüssige Kombination mit Leichtigkeit ab (3:0, 29. Minute).

In Abwehr und Mittelfeld hatte jeder Herisauer ausser Torhüter Gysi früh seinen kapitalen Aussetzer. «Wir waren am Anfang überfordert, standen zu tief, und Seefeld ist mit Tempo gekommen», meinte Andrin Wieland. Erst in der dritten Viertelstunde, nachdem sie auch noch einen Pfostenschuss über sich hatten ergehen lassen müssen, fanden die Gäste in die Zweikämpfe und ins Spiel.

Unerwartete Spannung

Seefeld, das bemerkenswerterweise sechs Punkte gegen den überlegenen Tabellenführer Brühl gewonnen hat, musste die Ausserrhoder feld- und resultatmässig herankommen lassen. Wieland traf per Weitschuss zum 1:3 (33.), und dem gleichen Spieler gelang drei Minuten nach der Pause wieder linksfüssig mit einem herrlichen Freistoss in die hohe Ecke der Anschluss zum 2:3. Herisau forcierte die Offensive weiter und war entsprechend anfällig auf Zürcher Gegenstösse. Gysi wehrte aber zweimal hervorragend ab, gegen Costa und Sicic.

Kilic bediente auf der Gegenseite Laimbacher: Verteidiger Grimm klärte nach 66 Minuten in extremis auf der Torlinie. Als Sebebli sieben Minuten nach seiner Einwechslung aus kurzer Distanz den Ball über die Torlinie schob, wurde der Ausgleich doch noch Tatsache (76.). Damit bekam die Partie eine Dramatik, auf die zunächst nichts und niemand hingedeutet hatte.

Aufgrund der krassen Überlegenheit in der Startphase nicht unverdient, in der Entstehung aber sehr zweifelhaft, war der vierte Zürcher Treffer. Dem Siegestor zum 4:3 durch Sabotic (83.) haftete der Makel eines ungeahndeten Handspiels an.

Letztes Aufgebot

In der Nachspielzeit hielt sich auch Gysi bei einem Corner von rechts und einem Freistoss von links in Seefelds Strafraum auf; eine nochmalige Resultatkorrektur schaffte Herisau aber nicht.

Dem Tabellenfünften auswärts einen interessanteren Kampf als erwartet geliefert und nach miserablem Beginn eine Steigerung an den Tag gelegt zu haben (exemplarisch gezeigt von Junior Schuler im Abwehrzentrum): Es blieben dies die einzigen und punktelosen Erkenntnisse.

Herisaus Bank war im übrigen so dünn besetzt wie nie in dieser Saison: Der eine der beiden Trainer, Domenico Troccoli, fehlte aus familiären Gründen; Masseur Marcel Tschumper traf erst in der zweiten Halbzeit in Zürich ein; Oktay Sebebli war grundsätzlich der einzige Auswechselspieler.

Mit Eugster, Fabinho und Nicola Troccoli (er musste beim Einlaufen forfait geben) hatte sich die Verletzten-Fraktion seit dem Mittwoch dramatisch vergrössert. Der zweite Trainer Costa Simoglou kam deshalb zum erstenmal in diesem Frühling auch noch auf das Feld – für die letzten 17 Minuten, als Wieland, der wirkungsvollste Herisauer, nach seinem verletzungsbedingten Trainingsrückstand dem Kräfteverschleiss Tribut zollen musste. «Ich hatte keine Luft mehr.

» Simoglou verzeichnete beim 3:3 einen Assist in Form einer Verlängerung per Kopf im Strafraum.

«Anständig verabschieden»

Herisaus Abstand auf Widnau beträgt neun Punkte; dazu kommt ein krasser Nachteil in der Tordifferenz. Das ist vier Runden vor Saisonschluss wohl zu viel, obwohl vorgestern merkwürdige Resultate zustande kamen wie ein 0:6 zwischen Amriswil und Bazenheid oder ein 6:5 zwischen Töss und Bülach.

Deshalb ist für Andrin Wieland klar, was das Ziel der nächsten vier Wochen sein muss: «Sich anständig aus der Liga zu verabschieden, den Vereinsnamen noch so ehrenvoll zu tragen wie möglich.» Die nächste Partie absolviert der FCH am Samstag zu Hause gegen Balzers. Dann wird zusätzlich Kilic fehlen, der in der letzten Minute der regulären Spielzeit für wiederholtes Foulspiel mit einem Platzverweis bestraft wurde. Abschliessend trifft Herisau noch auf Brühl (a), Linth (h) und Amriswil (a).

Dafür ein Aufsteiger-Nuggi

Noch schlimmer als für die erste Mannschaft präsentiert sich die Situation für die FCH-Untersektion: Milan, das mit einem Abstieg des «Fanionteams» aus der 2. Liga regional in die 3. Liga zwangsrelegiert wird, dürfte auch in sportlicher Hinsicht den Klassenerhalt nicht schaffen. Das Team verlor vorgestern in Rorschach zum siebtenmal in Folge.

Einen willkommenen Kontrapunkt zu den Herisauer Abstiegsszenarien dieser Tage stellte Livia dar, die kleine Tochter des verletzten Captains Peter Eugster. Sie weilte mit einem «FC-St. Pauli-Nuggi» am Spiel in Zürich – und die Norddeutschen sind in diesem Frühling in die erste Bundesliga aufgestiegen.

Seefeld ZH – Herisau 4:3 (3:1) Lengg – 110 Zuschauer – Sr. Köbeli. Tore: 3. Rudin 1:0. 13. Mioc 2:0. 29. Constancio 3:0. 33. Wieland 3:1. 48. Wieland 3:2. 76. Sebebli 3:3. 82. Sabotic 4:3. Seefeld: Cardoso; Medakovic (63. Sabotic), Mioc, Novak, Grimm; Avdija (53. Costa), Hohmann (76. Dugandzic), Von Aarburg, Rudin; Constancio, Sicic. Herisau: Gysi; Grillo, Kälin, Schuler, Beciri; D. Simoglou (69. Sebebli), Wieland (73. C. Simoglou), Follador, Durante; Laimbacher, Kilic. Bemerkungen: Seefeld ohne Bagdanovic, Ramondetta, Ibrulj, Varrone und Thoma (verletzt), Herisau ohne Eugster, Fabinho, N. Troccoli, Ceka und Teixeira (verletzt), Ferati und Jakupi (abwesend). 21. Pfostenschuss Constancio. Verwarnungen: 23. Beciri (Foul), 39. Avdija (Foul), 58. Constancio (Foul), 70. Kilic (Foul), 82. Sabotic (übertriebener Torjubel), 86. Sebebli (Foul). 90. Platzverweis Kilic (zweite Verwarnung, Foul).