Früherziehung als Berufspassion

Seit 31 Jahren arbeitet Käthi Leeser als Heilpädagogische Früherzieherin in Familien des Appenzeller Vorderlandes. Bereits als junge Kindergärtnerin hat die 58-Jährige erste Erfahrungen gesammelt.

Kathrin Burri
Drucken
Teilen
Käthi Leeser arbeitet als Heilpädagogische Früherzieherin, (Bild: pd)

Käthi Leeser arbeitet als Heilpädagogische Früherzieherin, (Bild: pd)

VORDERLAND. Will die äussere Erscheinung einer Heilpädagogischen Früherzieherin umschrieben werden, muss ihr Auto genannt werden. Es sollte wintertauglich sein, Stauraum für Schachteln oder gar einen Schlitten bereithalten. Die Heilpädagogin sollte über so viel Muskelkraft verfügen, dass sie diese Gegenstände tragen, damit Treppen hochsteigen kann bis zur entsprechenden Wohnungstüre der Familie. Sie sollte Stühle herumschieben, einen Turnplatz für das Kind bauen und auf dem Fussboden spielen und hocken können. Kann sie die Bewegungen für den sogenannten «Hampelmann» korrekt vormachen? Dies sind die augenfälligsten funktionellen Merkmale einer Heilpädagogischen Früherzieherin. Wird Käthi Leeser, die 1984 ihre Arbeit als Heilpädagogische Früherzieherin im Heilpädagogischen Dienst St. Gallen antrat, in einem Gespräch kennengelernt, tun sich weitere Facetten auf. Leeser arbeitete im St. Galler Dienst bis ins Appenzeller Vorderland hin. Nach der Umstrukturierung durch den Neuen Finanzausgleich hat Appenzell Ausserrhoden, ihm angeschlossen Innerrhoden, die Heilpädagogische Früherziehung ins Zept (Zentrum für Schulpsychologie und Therapeutische Dienste) aufgenommen. So blieb das Vorderland ihr Einsatzbereich.

Gestern

Als junge Kindergärtnerin hat die heute 58-Jährige Erfahrungen gemacht mit Kindern, deren Entwicklung auffällig war. Ein Kind mit Autismus beispielsweise wurde von Fachleuten begleitet und konnte am Kindergartengeschehen teilnehmen. Ihre Passion war geweckt: «Ich wollte mehr erfahren über die Entwicklung des Vorschulkindes, mehr wissen über Kinder, die anders lernen.» Im Heilpädagogischen Seminar Zürich hörte sie vom Berufszweig der Heilpädagogischen Früherziehung, der sich in Familien mit Kleinkindern beschäftigt, die nicht der Norm entsprechen. «Die Entwicklung dieser Kleinkinder wollte ich begleiten und unterstützen, gemeinsam mit den Eltern», erinnert sich Leeser und fügt an: «Da spielt sich das Leben ab.»

Heute

Eines ihrer persönlichen Merkmale bei der Berufsausübung ist für Leeser das Fragen. Gestern fragte sie: «Was mache ich mit dir, Kind, was brauchst du?» Heute habe sich ihre Frage verändert: «Wie lebst du in deiner Welt, Kind, wie unterstütze ich dich im Lernen und deine Eltern im Prozess des Annehmens?» Wie geht Leeser mit beruflichen Herausforderungen um? Sie nennt Erfahrung und Wissen und das innere Zurücktreten, den Austausch im Team, die Supervision und die Weiterbildung. Über die Berufsjahre hinweg hat Leeser das kindzentrierte Denken erweitert zum systemischen Denken. Vernetzung ist ein Stichwort, dem sie Bedeutung beimisst. Sie kennt die verschiedenen Bezugspersonen des Kindes und vernetzt sie, dazu gehört der Austausch mit den interdisziplinären Fachleuten. «Weil ich seit langem in der Region bin, konnte ich diese interdisziplinäre Vernetzung im Vorderland aufbauen», so Leeser.

Morgen

«Der Beziehungsaspekt bleibt mir in meiner Arbeit wichtig, der Begriff <Früherziehung> impliziert Beziehung», so Leeser. Dabei zu sein, wie sich das Kind entwickelt, sei das Allerschönste. Begeistert redet sie von Elterngruppen, integrativen Freizeitgruppen, es sind Ideen für morgen. «Aber ich brauche auch Ausgleich wie Wandern», fügt sie begeistert an. Darum wird sie ihren Rucksack packen und sich einen mehrwöchigen Urlaub zum 30. Arbeitsjubiläum gönnen.

Aktuelle Nachrichten