Früher war doch nicht alles besser

Brosmete

Jesko Calderara
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Es hat fast Ritualcharakter. Seit 2010 erscheint das Jahrbuch «Qualität der Medien» der Universität Zürich. Jedes Mal lässt sich die Medienbranche von der Haupterkenntnis aus der Forschungswelt provozieren. Diese kam bis anhin gebetsmühlenartig zum Schluss, dass die Schweizer Medien immer schlechter werden und an Relevanz verlieren. Der Aufschrei und das Gejammer der Branche sind dann entsprechend gross. Nach der kürzlich erschienen Ausgabe gibt’s allerdings auch Grund zur Freude. Explizit wird darin die steigende Qualität der Regionalmedien gelobt. Selbstredend gehe ich davon aus, dass die Forscher damit auch diese Zeitung meinen. Die Einschätzung der Experten widerlegt die von einigen besserwisserischen (pensionierten) Berufskollegen gerne verbreitete Meinung, wonach zu ihrer Zeit das Blatt viel besser war.

Abgesehen davon haben unsere Leserinnen und Leser sowieso ihre individuellen Kriterien, nach denen sie uns beurteilen – ganz ohne wissenschaftlichen Schnickschnack. Dies erleben wir im redaktionellen Alltag tagtäglich. Nebst Lob erhalten wird gelegentlich auch negative Rückmeldungen. Die einen wünschen sich zusätzliche Geschichten aus ihrer Gemeinde, andere vermisse eine vertiefte kulturelle Berichterstattung und Dritte wiederum verlangen mehr Volkstümliches. Wollen wir alle Wünsche erfüllen, müsste die Redaktion dreimal so gross sein wie heute.

Besonders «konstruktive» Kritik übte kürzlich einer unserer Leser. Er rief mich an und beschwerte sich, dass in der «Appenzeller Zeitung» nie etwas Interessantes stehen würde. Was er denn gerne lesen würde, konnte mir der erzürnte Abonnent allerdings nicht sagen. Offenbar hat er sich diese Frage noch gar nie gestellt.

Jesko Calderara