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Früher Schulhaus, heute Wohnhaus

WATTWIL. Letzte Woche sind die ersten Inserate erschienen: Die Schulgemeinde Wattwil-Krinau verkauft die ehemaligen Schulhäuser Bunt und Hummelwald. Was viele Toggenburger Gemeinden schon hinter sich haben, steht in Wattwil noch bevor: Die Umnutzung von Schulhäusern.
Hansruedi Kugler
Zu verkaufen – das Schulhaus Bunt mit ehemaligem Kindergarten. (Bild: Hansruedi Kugler)

Zu verkaufen – das Schulhaus Bunt mit ehemaligem Kindergarten. (Bild: Hansruedi Kugler)

Nostalgie ist immer dabei, meist auch Zorn und oft auch Protest: Wenn ein Schulhaus schliesst, endet eine ganze Epoche sozialer Identität in einem Dorf oder einem Weiler. Die hitzigen Diskussionen um die Schulhausschliessungen im Mosnanger Weiler Wiesen, im Neckertaler Dorf Nassen oder im Wintersberg oberhalb Ebnat-Kappel haben dies bewiesen. Opfer sind überwiegend Aussenschulen mit einem oder zwei Schulzimmern und Mehrklassensystem – der Schülerschwund hat die Aussenregionen besonders getroffen. So hat zum Beispiel Ebnat-Kappel seit der Schliessung der Schulen Wintersberg 2011 und Bendel vor einem Jahr gar keine Aussenschule mehr. Nach der Schliessung beginnen jeweils die Überlegungen für eine Umnutzung. Der Blick ins Toggenburg zeigt: Es gibt eine ganze Reihe von originellen Neunutzungen – meist entsteht attraktiver Wohnraum. An einigen Orten wurden eigens Genossenschaften gegründet, welche die Schulhäuser teilweise für eine öffentliche Nutzung reservieren.

Zwei Schulgebäude in Wattwil

Seit letzter Woche sind die Verkaufsdossiers für die beiden Wattwiler Schulhäuser Bunt und Hummelwald auf der Homepage der Schulgemeinde einsehbar. Im Hummelwald gehen seit Sommer 2007 keine Schüler mehr ins Schulhaus. Zwischenzeitlich nutzte die Politische Gemeinde das Gebäude als Asylunterkunft. Das Gebäude steht als Einzelobjekt an der Hauptstrasse zwischen Wattwil und Ricken. Das ehemalige Schulhaus Bunt beherbergte bis 2011 einen Kindergarten. Der FC Wattwil Bunt benutzt seit Jahren Garderobe und Duschen mit seinen Mannschaften, die auf dem Sportplatz Schomatten Nord trainieren. Die 5-Zimmer-Wohnung im 2. Obergeschoss ist derzeit bewohnt. Das Gebäude aus dem Jahre 1865 hat viel Umschwung. Es ist im Ortsbildinventar aufgeführt, bietet aber laut Verkaufsdossier «Raum für neue Ideen». Vor allem das Schulhaus Bunt scheint von seiner Lage her hervorragend geeignet für die Umnutzung zu Wohnraum. Dass solche Gebäude wegen ihres historischen Charmes und ihrer hohen und grossen Räume begehrte Objekte sind, beweisen viele Beispiele aus dem Toggenburg.

Erfolgreiche Genossenschaft

So sind etwa die alten Schulhäuser in Unterwasser und auf der Wasserfluh von Einzelpersonen erworben, die in den Räumen auch kulturelle Veranstaltungen organisieren. Daniel Gisler hat sich auf der Wasserfluh ein Malatelier eingerichtet und bietet seit einiger Zeit auch Bed & Breakfast an. Martin Sailer hat im alten Schulhaus Unterwasser schon Konzerte durchgeführt. Besonders engagiert und kämpferisch haben sich die Bewohner des Mosnanger Weilers Wiesen ihr Schulhaus bewahrt. Sie gründeten 2005 eine Genossenschaft, bekamen das Gebäude von der Schulgemeinde gratis und sammelten Geld für die Renovation und den Umbau eines Teils der Schule in zwei Wohnungen. Verblieben ist ein Schulzimmer, das als Gemeinschaftsraum der Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Schöner Nebeneffekt: Auch der Sportplatz gehört der Genossenschaft, das Grümpelturnier kann weiterhin dort durchgeführt werden. In Nassen ist man dem Vorbild Wiesen gefolgt und hat eine Genossenschaft gegründet, die das ehemalige Schulhaus vermietet: Es gibt Wohnungen und ein Büro. Ganz in private Hände ging das alte Primarschulhaus Wildhaus: Im 2010 geschlossenen Gebäude hat eine Immobilienfirma Wohnungen realisiert, die altersgerechtes Wohnen ermöglichen.

Primarschule Nassen – heute Wohnhaus und Büro. (Bild: Matthias Giger)

Primarschule Nassen – heute Wohnhaus und Büro. (Bild: Matthias Giger)

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