Froschschenkel im Weltall

Im ziemlich unterkühlten, aber fast ausverkauften Zeltainer ging es am Samstagabend sportlich zu und her: «Theatersport – Improtheater» war angesagt. Die Toggenburger hatten ihre Superszene zu wählen.

Hansruedi Kugler
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Treuloser Konkubinatspartner: Franco (Carlos Parada) packt Phillip (Tim Owe Georgi) an der Gurgel. (Bild: Hansruedi Kugler)

Treuloser Konkubinatspartner: Franco (Carlos Parada) packt Phillip (Tim Owe Georgi) an der Gurgel. (Bild: Hansruedi Kugler)

Unterwasser. Warum würgt Franco seinen Konkubinatspartner Philipp? Wird Herr Koblenz dem Rat der Katzenflüsterin folgen und seine Katze zur Adoption freigeben? Kommen die Froschschenkel im Weltraum-Duell zwischen den amerikanischen und den französischen Planeten-Eroberern zum verheerenden Einsatz? Oder kriegen am Ende doch die Inder den fernen Planeten? Kommt die moderne Oper des genialen Künstlers, der von einem Schmuggler auf einer einsamen Insel ausgesetzt wird, doch noch zur Aufführung?

Und warum fährt der Fiat Panda nur 17 km/h? Fragen über Fragen – das Publikum muss sie selbst beantworten, denn schliesslich hat es die Geschichten so gewollt.

Spontan-Karikaturen

Ernst zu nehmen braucht man die Stories ja nicht. Darauf zielen weder das Publikum noch die Schauspieler ab. Beide suchen den Gag, die Pointe, das Komische an den Szenen.

So wie die drei Theatersportler die Erwartung umsetzen, so sieht man weniger Figuren, eher Karikaturen auf der Bühne – Weltraumhelden, Opernkomponisten, Wahrsagerinnen und KGB-Agenten. Darum taucht schnell mal eine Tunte auf, Doppel- und Mehrfachrollen bringen die Darsteller ins Schwitzen, es wird betrogen, gelogen und das Handy ins Spülwasser geschmissen, im Weltraum vom Heimweh nach der Erde gesungen und mit Froschschenkel-Essen ein bilateraler Vertrag besiegelt.

«Stop», «Bis hierher»

Theatersport als Improvisationstheater gibt es seit rund drei Jahrzehnten, die «Mannschaften» treten gegen einander an oder kommen für Soloprogramme in die Kleintheater. Am Samstag kam ein Dreierteam der Mannschaft «Winterthur TS» mit Carlos Parada, Tim Owe Georgi und Reto Bernhard ins Toggenburg. «Stop», «Bis hierher», «Sie entscheiden, wie es weitergeht»: Das sind die häufigsten Anweisungen von der Bühne.

Allerdings erst nach einer Aufwärmrunde: Erst mal rufen alle im Publikum gleichzeitig ihre Vornamen und Lieblingsfarben und kneten dem Sitznachbarn die Schultern. Locker soll es im Saal zugehen. Ohne Requisiten müssen die drei Herren dann auf die Vorgaben des Publikums hin Geschichten entwickeln.

Kontrolle nicht garantiert

Und das machen sie mit lockerem Understatement und mit viel Spass an der Arbeit, die ihnen gelegentlich auch einen unkontrollierten Lachanfall entlockt.

Spiel mal einer spontan einen Katzenfreund, der von der Katzenflüsterin erfahren muss, dass seine immerzu angekettete Katze mit Streichhölzern das Haus anzünden will, damit die Feuerwehr sie aus ihrem Gefängnis rettet! Und wenn die Katzenflüsterin auch noch Frau Schumacher heisst und ihm rät, sein Tier doch ab und zu nach draussen gehen zu lassen, schliesslich sei das mit den Tieren genauso wie mit den Kindern: Ihr Sohn sei auch in die weite Welt gegangen – der Michael kurve nun ständig auf vier Rädern auf den Rennpisten der Welt herum, so sei halt das Leben.

Dann prustet nicht nur der Katzenfreund auf der Bühne unfreiwillig los, sondern das Publikum hat am Gag und an der Unbeherrschtheit des Schauspielers genauso seine Freude.

Die Inder kriegen den Planeten

Übrigens, der Form halber sei aufgeklärt: Franco würgt Philipp, weil dieser ihm den Freund ausgespannt hat, die Katze wird am Ende adoptiert, die Oper wird nie aufgeführt und in der vom Publikum zur Superszene ausgewählten Weltraum-Geschichte kriegen die Inder den Planeten.

«Und wenn Sie den Geschichten nicht ganz folgen konnten – ab morgen können Sie die Erklärungen im Internet nachlesen», setzt Carlos Parade den Schlusspunkt des vergnüglichen Abends. Halt: Eine Zugabe gab es noch. Wieder darf das Publikum entscheiden. Wo will es noch mehr erfahren über die Geschichten? Richtig: Da fiel doch mal in einer Szene mit der Katzenflüsterin die Frage, ob Michael Schumachers Bruder Ralf schwul sei.

Die Zugabe bestätigt es, die Katzenflüsterin ist aber begeistert: Sie habe sich immer schon einen schwulen Sohn gewünscht.