Fritz Wiesendanger (1919–2014)

Fritz Wiesendanger wurde am 27. April 1919 im Winterthurer Kantonsspital als jüngstes von fünf Geschwistern geboren. Viele Jahre, ja die längste Zeit seines Lebens verbrachte er im elterlichen Hause in Seuzach bei Winterthur. Dort erlebte er eine sehr schöne Jugendzeit.

Fritz Wiesendanger Jun.
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Fritz Wiesendanger wurde am 27. April 1919 im Winterthurer Kantonsspital als jüngstes von fünf Geschwistern geboren. Viele Jahre, ja die längste Zeit seines Lebens verbrachte er im elterlichen Hause in Seuzach bei Winterthur. Dort erlebte er eine sehr schöne Jugendzeit. In ländlicher, von Industrie noch unberührter Landschaft, am grossen Weiher, in Wald und Riet konnte er seine tiefe, ein Leben lang andauernde Naturverbundenheit unbeschwert ausleben. Schon früh machte er sich auch durch sein aktives Wesen bemerkbar, indem er als 11jähriger Bub mit Mäusefang einen Verdienst von damals stattlichen 125 Franken erbringen konnte. Seine Lehre als Dreher begann er 1934 während der grossen Wirtschaftsdepression bei der Gebrüder Sulzer AG in Winterthur, welcher er bis zu seiner Pensionierung treu blieb. In dieser Zeit lernte er Klarinette und Saxophon spielen und trat bald mit ordentlichem Erfolg einem Unterhaltungsorchester bei. Seine Liebe zum Musizieren hielt bis ins hohe Alter an. 1939, nachdem der Krieg ausgebrochen war, wurde er von der Rekrutenschule direkt in den Aktivdienst eingezogen. Sein Einsatz im Grenzwachtkorps am Nordrhein dauerte über fünf Jahre. Diese ereignis- und erlebnisreiche Zeit prägte sein Leben. Oft konnte er seiner Nachwelt Witziges und Ernsthaftes aus den Wirren dieser Epoche schildern. Nach Kriegsende setzte er seine Aktivitäten in Beruf und Politik fort. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei setzte er sich vehement für die Rechte der Arbeiterschaft ein. Die Einführung der 5-Tage-Woche, für die er gekämpft hatte, erfüllte ihn mit grossem Stolz. Ausserdem wurde er in die Steuerkommission, in die Rechnungsprüfungskommission sowie in den Bürgergemeinderat der Gemeinde Seuzach gewählt. Später wurde er in einer Kampfwahl mit grossem Mehr in die Betriebskommission der Gebrüder Sulzer AG gewählt. Ebenfalls nach Beendigung des Krieges heiratete er die im Welschland geborene Claire Bourqui, welche ihm 1946 eine Tochter und 1949 einen Sohn gebar. Anfang der Fünfzigerjahre entdeckte Fritz seine Liebe zum Thurgebiet, wo er mit einigen Kollegen einen Zeltplatz errichtete und später sogar ein Wochenendhäuschen baute. Dort verbrachte er den Grossteil seiner Freizeit. Seine Gattin Claire hatte an dieser Lebensweise wenig Interesse und suchte daher zunehmend ihre eigenen Wege. An den unterschiedlichen Charakteren der beiden Eheleute zerbrach schliesslich die Gemeinschaft und wurde nach 13 Jahren geschieden. Die Gattin zog mit den beiden Kindern nach Winterthur. Fritz blieb im elterlichen Hause in Seuzach wohnen und heiratete 1963 zum zweitenmal. Mit der gebürtigen Holländerin Trudi Koedyck konnte er seine Natur- und Freizeitinteressen gut in Einklang bringen, was sich besonders in zahlreichen gemeinsamen Reisen ins ehemalige Jugoslawien manifestierte. Dort lernten sie die Gastfreundschaft vieler Leute kennen, weshalb sie diese wieder besuchten. 1984 ging Fritz nach beinahe 50 Jahren Tätigkeit bei Sulzer in den Ruhestand. Gestört von der mächtigen Überbauungswelle und dem zunehmenden Autoverkehr verliess er sein geliebtes Seuzach und baute sich in Oberhelfenschwil ein Einfamilienhaus, wo er mit seiner Frau den letzten Lebensabschnitt verbrachte. Auch weiterhin blies er öffentlich in einem kleinen Orchester seine Klarinette und das Saxophon. Am neuen Heimatort engagierte sich der Ruhelose vor allem für die Markierung von Wanderwegen im Auftrag des Kantons St. Gallen sowie für die Erstellung von Nistkästen für den Vogelschutz. Letzteres betrieb er ehrenamtlich für das Dorf Oberhelfenschwil. Er war auch ein grosser Kenner der hiesigen Vogelarten. Im Jahr 2000 starb seine zweite Frau Trudi. Gleichzeitig lernte er Rosemarie Bleiker kennen, mit welcher er bis zum Lebensende freundschaftlich verbunden blieb. Mit dem Anbruch seines neunten Lebensjahrzehnts begannen seine physischen und kognitiven Kräfte abzubauen. Nach einem Unfall im eigenen Haus musste er 2013 ins Spital Wattwil eingeliefert werden. Danach wurde er ins Alters- und Pflegeheim Solino nach Bütschwil gebracht, wo er die letzten Monate bei zunehmender Altersschwäche verbrachte. Die liebevolle und aufopfernde Hilfe von Rosemarie erleichterten ihm diese Zeit des Abschieds ganz erheblich. Am Morgen des 20. März ist Fritz Wiesendanger friedlich eingeschlafen.

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