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Frischer Wind in der Dorfpraxis

Anfang November ist die «Praxis im Dorf» in Rehetobel neu eröffnet worden. Neu sind dort nicht nur die Praxisräume, sondern auch Hausärztin Claudia Muntwiler, die künftig in die Fussstapfen von Teddy Kaufmann treten soll.
Stephanie Sonderegger
Arbeiten seit dem 2. November zusammen: Die beiden Hausärzte Teddy Kaufmann und Claudia Muntwiler. (Bild: sso)

Arbeiten seit dem 2. November zusammen: Die beiden Hausärzte Teddy Kaufmann und Claudia Muntwiler. (Bild: sso)

REHETOBEL. Strahlend blauer Himmel, von weitem leuchtet das satte Türkis des Meeres, das Gras der Dünen biegt sich über den sandigen Weg runter zum Wasser. «Schöne Ostsee 2016» steht in weisser Schrift auf dem Kalenderbild, das seinen Platz an der Wand in einem der zwei neuen Sprechzimmer gefunden hat. Unweit entfernt steht eine braune Arzttasche auf dem Boden. Deren Besitzerin sitzt an ihrem Schreibtisch. Es ist 8 Uhr.

Neue Gemeinschaftspraxis

Seit gut einem Monat ist alles anders in der «Praxis im Dorf» in Rehetobel: der Eingang, die Räume, die Besetzung. Aus der Ein-Mann-Praxis wurde eine Gemeinschaftspraxis – der Kanton hat den Umbau dazu unterstützt. Sechs Jahre soll die Praxis nun unter zwei Ärzten geführt werden. Dann will Teddy Kaufmann seinen Ruhestand antreten und das Zepter an Claudia Muntwiler übergeben.

Diese sitzt ihm an diesem Morgen im Sprechzimmer gegenüber. Es ist Donnerstag. Ihr Tag in der Praxis. «Teddy Kaufmann hat donnerstags frei», erklärt die deutsche Ärztin und berichtet kurz darauf von ihrem ersten Zusammentreffen: «Wir haben uns bei einer Weiterbildung in Horn kennengelernt. Weil ich kurz zuvor nach Rehetobel gezogen bin, habe ich Teddy Kaufmann angesprochen.» Für den 59-Jährigen ein Glücksfall. «Claudia Muntwiler war mir sofort sympathisch», sagt der Rehetobler, der seit 25 Jahren als Dorfarzt agiert. Er sei mehrfach gefragt worden, was nach seiner Pensionierung passiere. «Wenn ich Claudia Muntwiler nicht gefunden hätte, wäre es mit der Praxis vorbei gewesen.»

Herzinfarkt als Wegweiser

Die junge Ärztin und zweifache Mutter hat ihre blonden Haare zusammengebunden. An der Knopfleiste ihres marinblauen Polo-Shirts klemmt ein blauer Kugelschreiber. Claudia Muntwilers Blick ist wach, ihre Wesen kommunikativ und offen. Sie sei als Tochter eines Meeresgeologen und einer Landärztin in einem kleinen Fischerdorf in der ehemaligen DDR an der Ostsee aufgewachsen, sagt sie. «Gerade weil meine Mutter Ärztin war, wollte ich es nie werden», so die 38-Jährige. Das änderte sich, als der Vater in ihrer Anwesenheit auf einem Schiff einen Herzinfarkt erlitt. «Dort habe ich gemerkt, wie hilflos ich bin. Als Ärztin hätte ich helfen können.» Sie entschied sich daraufhin für ein Medizinstudium in Greifswald. Anschliessend absolvierte sie ihr praktisches Jahr in Deutschland, Tasmanien und der Schweiz. Da die Aussichten für junge Ärzte in Deutschland zu diesem Zeitpunkt nicht ideal waren, entschied sich die Norddeutsche, ihre erste Stelle als Assistenzärztin in Wil anzutreten.

Deutsche mit Schweizer Pass

Das ist zwölf Jahre her. In der Zwischenzeit machte Claudia Muntwiler ihre Facharztausbildung und arbeitete sieben Jahre als Hausärztin in einer Gruppenpraxis in St. Gallen. Zudem hat sie eine Ausbildung in Akupunktur, der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der Manualtherapie in der Tasche. Nun ist sie im Besitz eines Schweizer Passes und einer Gemeinschaftspraxis im Appenzellerland. An ihre alte Heimat erinnert neben der Sprache nur noch der Ostsee-Kalender, auf den die 38-Jährige mehrfach aufmerksam macht. «Ich vermisse die Ostsee. Wir fahren jedes Jahr zwei- bis dreimal hin», sagt sie.

Mit «wir» sind ihr aus dem Kanton Aargau stammender Mann und ihre beiden Kinder im Alter von zwei und vier Jahren gemeint. Seit 2013 lebt die Familie in Rehetobel. Dass Claudia Muntwiler dort nun auch arbeiten kann, ist für sie ein Idealfall. Probleme, neue Kontakte zu knüpfen, hat die 38-Jährige nicht. «In der Region bin ich gut vernetzt», sagt sie. Zudem sei sie bisher von allen herzlich aufgenommen worden. «Ich vermute, die Rehetobler sind froh, dass ihnen die Praxis erhalten bleibt», sagt sie und blickt verschmitzt zu Teddy Kaufmann. «Aber am liebsten wäre es mir, du würdest noch lange weitermachen.» Kaufmann lacht. Mit seiner neuen Kollegin versteht sich der Arzt – das ist unübersehbar. «Jetzt sollte ich anfangen zu arbeiten», sagt Claudia Muntwiler beim Blick auf die Uhr. Hinter den meeresblauen Vorhängen tobt ein Schneesturm. Es ist 9 Uhr.

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